Freitag, 23. Mai 2008

Elefanten, Giraffen und Löwen ade

Ich schiebe heute mal einen kurzen Zwischenbericht ein, da ich in der vergangenen Woche eine interessante Neuigkeit erfahren habe. Ich habe ja kürzlich davon berichtet, dass nach Indien als nächste Station Südafrika auf dem Programm steht. Darauf habe ich mich auch tierisch gefreut, aber leider wird daraus nun nichts, denn man hat mich kurzfristig davon abgezogen.
Es standen bis letzte Woche noch zwei Projekte in Brasilien auf dem Plan, die aber aufgrund spezieller gesetzlicher Änderungen in Brasilien gestrichen werden mussten. Auf diesen beiden Audits waren bisher 10 Leute eingesetzt, die nun auf andere Audits verteilt werden mussten. Da man aber nicht alle 10 Leute auf die weiterhin bestehenden Audits verteilen konnte, ohne dass dort eine Überbesetzung aufkommen würde, hat man ein weiteres Audit aus dem Ärmel gezogen, welches in Deutschland stattfindet. Darauf wurden jetzt 4 der zuvor in Brasilien eingesetzten Leute verteilt und da man in Deutschland verständlicherweise auch gerne deutschsprechende Mitarbeiter einsetzt, hat man mich zusätzlich dafür bestimmt. Ich habe zwar gleich Einspruch erhoben, mit dem Einwand, dass ich der deutschen Sprache ja nicht wirklich mächtig wäre, doch das hat man mir nicht abgekauft. Die haben mich eben noch nicht Schützenfestdienstag beim Wackelzug erlebt :-).
Das heißt nun also, ich werde den Juli und August mal wieder in der Heimat verbringen. Hat mich natürlich sofort interessiert welche Einsatzorte geplant sind, denn ähnlich wie momentan in Indien wird nicht lediglich das Headoffice in Berlin unter die Lupe genommen, sondern auch verschiedene Produktionsstandorte. Und zu den zu prüfenden Standorten im Juli/August zählen Bremen, Hildesheim, Köln und Knetzgau bei Bamberg. Jeder der Standorte wird 4 Wochen geprüft und ich habe mich selbstverständlich gleich beim Management dafür stark gemacht in Köln eingesetzt zu werden. Und so kommt es nun, dass ich nach einer Planungswoche in Berlin, 4 Wochen in Knetzgau und anschließend 4 Wochen in Köln eingesetzt werde. Nach diesen 9 Wochen habe ich dann gleich noch eine Woche Urlaub eingereicht, welche gleichzeitig die Schützenfestwoche ist. Tja, und was das heißt… könnt ihr euch ja wohl ausmalen.
In diesem Sinne schon einmal Prost und Viva Novesia!

Mittwoch, 21. Mai 2008

Vijayawada - Millionenstadt und dennoch Provinz

Ich bin nun inzwischen seit knapp einer Woche in Vijayawada und meine schlimmen Befürchtungen haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die Stadt ist nicht wirklich so schlecht wie erwartet. Vijayawada hat knapp eine Million Einwohner, man fühlt sich aber doch eher ein wenig wie in einem Provinznest. Dies hat sowohl Vorteile als auch Nachteile.
Auf der einen Seite sind natürlich die Möglichkeiten z.B. bezüglich Shopping und speziell hinsichtlich Restaurants im Vergleich zu Delhi sehr gering. Während man in Delhi noch die ein oder andere westliche Fast-Food Kette oder auch Pizzeria hatte, geht es nun abends in Vijayawada abwechselnd in eines der beiden Hotelrestaurants. Das Hotel hat ein chinesisches Restaurant und ein Restaurant mit gemischter Küche von indischen und kontinentalen Gerichten. Das Essen ist nicht schlecht, allerdings vor dem Hintergrund, dass wir die nächsten 5 Wochen hier verbringen, ist das Angebot doch arg begrenzt. Zumal die meisten indischen Gerichte aufgrund der Schärfe für Europäer nicht genießbar sind. Wir glauben ja immer noch fest daran, dass es in der Stadt irgendwo einen guten Italiener oder ähnliches gibt und bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Das größere Problem stellt allerdings das Mittagessen dar, denn rundherum um die Cola-Fabrik gibt es nichts außer Felder und Kühe. Es gibt zwar auf dem Firmengelände eine Kantine, die wird aber selbst von unseren indischen Kollegen aus Delhi gemieden. Und wenn die den Fraß schon nicht runterkriegen, dann kann man sich ja denken was das für mich bedeutet. Daher lasse ich mir nun jeden Morgen vom Hotel eine Lunchbox anfertigen, um nicht zu verhungern. Die Frage die sich stellt ist nur, was kann man in die Lunchbox reinpacken. Da es in der Firma keine Mikrowelle gibt, sind wir gezwungen etwas Kaltes zu verzehren. Daher bleiben nur noch zwei Möglichkeiten von der Speisekarte des Hotels übrig: Sandwich oder Salat. Und da einem immer wieder von frischem Salat abgeraten wird, da der mit Leitungswasser gewaschen wird, welches hier nicht als Trinkwasser genießbar ist, reduzieren sich die Auswahlmöglichkeiten auf Sandwich. Davon gibt es aber leider auch nur ein Chicken-Sandwich oder ein vegetarisches Sandwich, denn man muss einmal erwähnen, dass ca. 70% der Inder Vegetarier sind. Wie sagte schon Asterix eins: „Die spinnen die Inder“ oder so ähnlich. Also gibt es nun jeden Mittag ein leckeres Chicken-Sandwich, ergänzt durch eine Banane oder einen Apfel. Nicht wirklich prickelnd, aber zumindest reicht es, um den Tag bis zum Abendessen zu überstehen. Besonders erwähnenswert ist auch der Flughafen. Auf dem Flughafen von Vijayawada, der über ein immenses Flugaufkommen verfügt, landen Tag für Tag sage und schreibe 4 Flugzeuge. Zwei davon aus dem nahe gelegenen Hyderabad, eins aus Bangalore und eins aus Chennai. Am Flughafen angekommen konnte ich mir dann auch das Lachen nicht ganz verkneifen. Der Flughafen verfügt nämlich lediglich über eine Start-/Landebahn und ein Terminal, dass eher den Namen Bushaltestelle verdient hätte. Man stelle sich eine Garage vor, nehme diese mal vier und man hat 1:1 das Flughafengebäude von Vijaywada. Check-In Schalter? Scanner, für das Durchleuchten von Gepäckstücken? Gepäckbänder? Würde mich nicht wundern, wenn man diese technischen Raffinessen hier nur aus dem Fernsehen kennt.
Auf der anderen Seite ist es aber auch im Vergleich zu Delhi nicht so dreckig, weniger laut (ich sage bewusst nicht leise) und der Verkehr ist erheblich besser. So benötigen wir hier morgens zum Office für etwa 10 Kilometer gerade einmal 20 Minuten, während wir in Delhi für gerade einmal etwa 3 Kilometer länger benötigt haben. Auch Vijayawada ist zwar dreckig, doch verglichen zu Delhi und auch Agra, muss man es eher als sauber bezeichnen. Hinzu kommt, dass die Menschen hier sehr freundlich und hilfsbereit sind. Und der Service im Hotel ist äußerst gut, manchmal vielleicht sogar ein wenig übertrieben. Im Hotel, welches erst im Dezember letzten Jahres geöffnet hat und das Einzige vernünftige Hotel vor Ort ist, hat sich inzwischen wahrscheinlich schon so ziemlich jede wichtige Person bei mir vorgestellt und den meisten habe ich nicht nur einmal die Hand geschüttelt. Liegt wahrscheinlich daran, dass die hier nicht allzu oft Gäste aus Europa oder Amerika haben und auch der Name Coca-Cola scheint dann doch noch so das ein oder andere Mal einen Tick mehr Freundlichkeit zu bewirken. Eine andere witzige Anekdote ist, dass das Hotel zwar eigentlich unter Vertrag mit Pepsi steht und im ganzen Hotel nur Pepsi-Produkte inklusive deren Wasser ausgeschenkt werden, doch speziell für uns wird sowohl die Minibar im Zimmer mit Coke-Produkten gefüllt, als auch im Restaurant erhalten wir unsere bevorzugten Softdrinks. Was mich jedoch gewundert hat und es sei an dieser Stelle nur interessehalber einmal erwähnt, das Getränk Coca-Cola macht in Süd-Indien vom Gesamtumsatz der Coca-Cola Getränkepalette lediglich 1% aus. Das beliebteste Getränk ist hier „Thums up“ ein lokales, colaartiges Getränk mit einem etwas seltsamen Nachgeschmack, gefolgt von Sprite. Tja, jedes Land hat eben so seine Eigenheiten, wie es auch mit Deutschland und dem Getränk "Lift" so ist. Apfelschorle, für uns eines der normalsten Getränke auf der Welt, scheint nämlich auch eine typisch deutsche Erfindung zu sein, die man ausserhalb Deutschlands (und vielleicht ein paar wenigen angrenzenden Staaten) nicht kennt und trinkt.
So, das soll es zunächst einmal wieder gewesen sein, denn vom letzten Wochenende gibt es nichts zu berichten. Das habe ich nämlich ganz relaxt im Hotel verbracht, mit viel Schlaf und Entspannung.

Samstag, 17. Mai 2008

Grabmal auf indisch

Wie ja bereits beim letzten Bericht erwähnt ging es am ersten Wochenende in Indien zum Taj Mahal. Das Taj Mahal liegt in Agra, einer Stadt ca. 220km von Delhi entfernt und der Trip hat sich daher ideal fürs erste Wochenende angeboten, da wir zu diesem Zeitpunkt noch alle in Delhi waren. In der Woche darauf ging es dann ja für alle in die einzelnen Einsatzorte. Die Frage, die sich für unseren Trip lediglich gestellt hat war, wie wir am besten dort hinkommen. Fliegen kam für die kurze Distanz nicht in Frage, auf der anderen Seite aber ist es nahezu unmöglich in diesem Land selbst zu fahren. Das liegt nicht etwa daran, dass man kein Auto mieten kann, aber wer einmal die Fahrweise der Inder und die Verhältnisse auf den Strassen gesehen hat, der versteht, dass es wahrscheinlich nicht lange dauern würde, bis man den ersten Unfall hätte. Es ist schwierig die Zustände hier auf den Strassen in Worte zu fassen, aber ich versuche einmal die wesentlichen Fakten aufzuzählen:
  1. Es gibt nahezu keine Verkehrsregeln und die wenigen die es gibt, werden rigoros missachtet
  2. Fahrspuren sind zwar häufig auf der Strasse eingezeichnet, der Großteil der Bevölkerung zieht es aber vor zwischen zwei Spuren zu fahren und aus einer zweispurigen Fahrbahn wird in Indien gerne einmal eine 4-Spurige gemacht.
  3. Wer am lautesten und penetrantesten hupen kann hat Vorfahrt (und hier wird wirklich ständig gehupt und damit meine ich nicht etwa alle 10 Sekunden oder so, sondern wirklich ununterbrochen. Ich sitze gerade am Fenster zur Strasse meines Hotelzimmers und ich würde ohne zu überlegen 1000 Dollar wetten, dass in der nächsten Minute keine drei Sekunden vergehen, in der nicht gehupt wird)
  4. Das Hupen wird benötigt um einen Überholvorgang anzukündigen oder sich für andere Verkehrsteilnehmer bemerkbar zu machen (die LKWs haben sogar häufig die Aufschrift am Heck „Use horn to pass“ oder ähnlich)
  5. Die Seitenspiegel sind bei 90% aller Fahrzeuge eingeklappt, da sie wahrscheinlich nur abgefahren würden. Wozu auch Seitenspiegel, denn wen interessiert hier schon was hinter einem abgeht…vorne spielt die Musik.
  6. Anschnallgurte sind zwar meistens vorhanden, nur was bringen die wenn das entsprechende Gegenstück zum Einhaken ab und an fehlt
  7. Helmpflicht für Roller und Motorradfahrer besteht zwar offiziell, bei der ungebildeten Bevölkerung wird der Sturzhelm aber gerne mal mit einem Bauarbeiterhelm, einem Turban oder schlicht und einfach dem luftigen Haar verwechselt.
  8. Die Strasse - wie auch die Autobahn - ist für alle da (Gesehen wurden bereits: natürlich Autos, LKWs, Roller/Motorräder, Fahrräder und viele, viele Tuk Tuks, aber auch Fußgänger, Rollstuhlfahrer, kleine Imbisswagen, Kühe, Schweine, Hunde und Kamele; aber natürlich nur wenn sich das Kamel in einem verkehrstüchtigen Zustand befindet und in der Lage ist eine Mindestgeschwindigkeit von 3 km/h zu erreichen :-))
  9. Es herrscht zwar Linksverkehr was aber nicht bedeutet, dass nicht auch rechts gefahren werden kann, insbesondere von Rollern und Motorrädern, denn die sind ja schmal und schlupfen irgendwie hindurch
  10. Geisterfahrer auf der Autobahn sind eine willkommene Abwechslung um nicht einzuschlafen und die Bremsen mal wieder zu testen

Ich könnte hier jetzt wahrscheinlich noch einige Punkte mehr aufführen, aber ich denke das genügt wohl erst einmal um aufzuzeigen, dass das Führen eines Kraftfahrzeuges für Ausländer nicht ratsam ist. Daher haben wir uns für den Weg zum Taj Mahal für einen Wagen inkl. Fahrer entschieden. Das Gute ist, dass einer unserer chinesischen Kollegen verheiratet ist und mit Frau um die Welt reist und sie sich natürlich in ihrer Langeweile gerne dazu bereit erklärt hat den Transport zu planen. Und da wir für den Trip 6 Personen waren, hat sie uns einen witzigen Kleinbus mit Mittelgang und 4 Reihen vom Hotel organisiert. Das Beste daran war aber, dass wir den Bus mit Fahrer plus Assistenten bekommen haben und uns die Beiden das ganze Wochenende zur Verfügung gestanden haben. Ich hab zwar keine Ahnung wo die beiden Burschen geschlafen haben, zumindest nicht in unserem Sheraton Hotel, aber morgens standen sie immer pünktlich auf der Matte. Auf der Fahrt zum Taj Mahal, habe ich es dann schnell vorgezogen aus dem Seitenfenster zu schauen, da der Blick nach vorne aus oben genannten Gründen nicht gut fürs Herz ist.
Am Samstagmorgen ging es dann auf zum Taj Mahal und zwar in aller Frühe, denn wer zu spät kommt den bestraft die Sonne. Der Mai und Juni sind in Indien die heißesten Monate des Jahres und man hat uns gesagt, dass man es mittags beim Taj Mahal aufgrund der glühenden Hitze keine 15 Minuten aushält. Daher wurden wir bereits um 7.30 Uhr von unserem Fahrer und einem organisierten Guide am Hotel abgeholt, so dass wir noch vor acht das Taj Mahal betrachten konnten. Zu diesem Zeitpunkt haben draußen schon Temperaturen von über 30 Grad geherrscht und wir waren froh so früh aufgestanden zu sein. Das frühe Aufstehen hat sich aber nicht nur wegen der Temperaturen gelohnt, auch der Anblick des Taj Mahal hat dafür entschädigt. Das Bauwerk ist wirklich beeindruckend und wenn man davor steht schon verrückt wenn man bedenkt, dass es als Grabmal für die verstorbene Frau des damaligen Schahs gebaut wurde. Dafür hat es aber auch 20.000 Arbeiter und 22 Jahre benötigt. Ich glaube, ich werde mich auch langsam mal auf die Suche nach 20.000 Arbeitern machen, die mir ein solches Grab für meine spätere Ruhe bauen. Können sich auch ruhig 70 Jahre Zeit lassen, denn die will ich auf diesem Planten doch noch gerne verbringen.
Am nächsten Morgen ging es dann noch zum Roten Fort von Agra, eine Festungsanlage aus der Zeit der Mogule, die in rotem Sandstein gehalten ist. Das Fort war zwar nicht ganz so beeindruckend, ist aber nach dem Taj Mahal die wichtigste Sehenswürdigkeit in Agra und so haben wir auch dieses noch besichtigt. Danach ging es gegen Mittag wieder zurück nach Delhi, da man für die Entfernung von etwa 200km ca. 4,5 Stunden benötigt. Da ich mir nicht sicher war, ob ich später noch mal die Gelegenheit habe etwas von Delhi zu sehen (bedingt durch die Tatsache, dass es ein paar Tage später in Richtung Vijayawada weiterging), habe ich mir im Hotel angekommen noch schnell ein Taxi ins Zentrum von Delhi genommen. Delhi ist mit seinen 12 Millionen Einwohnern, recht weitläufig und unübersichtlich und so war es mir nur möglich eine kleine Ecke von Delhi anzuschauen. Ich habe mich vom Taxi am India Gate, einem Triumphbogen, der ein wenig an den Arc de Triomphe in Paris erinnert absetzen lassen und bin von dort dann die Strasse zum Regierungspalast hochgelaufen. Diese Ecke von Delhi ist sehr sauber und mit viel grün versehen, was viele Inder dazu nutzen, in den Grünanlagen den Sonntag entspannt zu verbringen. Das Komische war jedoch dass ich ausschließlich Inder gesehen habe und vergeblich nach weiteren Touristen gesucht habe. Bedingt ist dies sicher dadurch, dass Mai aufgrund der Hitze nicht mehr zur Hauptreisezeit gehört und so war ich der einzige Tourist in dieser Ecke. Das habe ich auch erheblich wahrnehmen müssen, denn man hat mich überwiegend angeschaut wie einen Außerirdischen.

(Bilder: 1) Bus auf dem Weg nach Agra, 2) Taj Mahal, 3) Tja Mahal 2, 4) Rotes Fort Agra, 5) India Gate in Delhi)

Donnerstag, 8. Mai 2008

Kurzer Abstecher nach Berlin

Ich bin inzwischen sicher in Indien angekommen und versuche gerade mich zu aklimatisieren, was nicht wirklich ganz einfach ist. Der Grund dafür ist sicher die Verhältnisse hier in Indien, aber vielleicht auch ein bisserl die Tatsache, dass ich zuvor noch ein paar Tage in Berlin verbracht habe. Wie ja schon zuvor erwähnt, musste ich für die Beantragung meines Indien-Visa einen Zwischenstopp in unserer Bundeshauptstadt einlegen. Und da ich schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr dort gewesen bin, war ich auch neugierig was sich in Berlin alles so getan hat in den letzten Jahren. Und jeder der einmal in letzter Zeit dort war weiss, dass dies ne Menge ist. Ich bin also Freitag abend in Berlin angekommen und da die Botschaft nun mal immer nur von Montag bis Freitag geöffnet hat, stand das gesamte Wochenende zur freien Verfügung und erst am Montag gings zur Botschaft. Besonders gefreut habe ich mich natürlich über die Tatsache, dass sich meine Eltern kurzfristig entschlossen haben mir einen Besuch abzustatten. Wir haben uns bereits Freitag abend zum Abendessen getroffen und es gab natürlich ne Menge zu erzählen, nach 8 Wochen in Zentralamerika. Danach bin ich aber dann doch recht schnell ins Bett gefallen, da seit meiner Ankunft am Flughafen von Costa Rica inzwischen ca 22 Stunden vergangen waren und der Schlaf während des Flugs doch eher rar war. Am Samstag und Sonntag haben wir dann ein wenig die Stadt zu Fuß und per Spree-Boot erkundet und haben dabei die wichtigsten Ecken wie Brandenburger Tor, Reichstag, Berliner Dom, Fernsehturm und vieles mehr abgeklappert. Am Sonntag Nachmittag gegen 15 Uhr ging es dann für meine Eltern mit dem Auto wieder in Richtung Heimat und ich konnte mich langsam seelisch darauf einstellen was da auf mich wartet: Indien. Aber zuvor musste noch eine kleine Hürde genommen werden, und zwar die indische Botschaft. Jeder kann sicher schon so die ein oder andere lustige Anekdote von einem Amt gleich welcher Art erzählen und ähnlich geht es halt auch in einer Botschaft zu. Das blöde an meiner Situation war, dass ich den Flug nach Delhi noch für den gleichen Tag um 17.20 Uhr gebucht hatte und ich daher darauf angewiesen war, mein Visum schnellstmöglich zu erhalten. Es fing auch gleich schon gut an, als ich um 08.40 Uhr vor der Botschaft stand um möglichst als erster da zu sein, denn laut Internet sollte die Botschaft um 9Uhr aufmachen. Ein freundlicher, unter Valium stehender Mitarbeiter hat mir dann aber zu verstehen gegeben, dass die Botschaft erst um 9.30 uhr öffnen würde und ich mich wieder vom Gelände zu entfernen hätte. Nun gut, die Botschaft lag zum Glück direkt am Tiergarten und so habe ich mich entschlossen noch einen kleinen Spaziergang durch eben diesen zu machen. Zurückgekehrt an der Botschaft standen dann aber dummerweise schon 5 Personen Schlange vor der Tür und meinen Plan an diesem Morgen als Erster das Visum zu beantragen, konnte ich mir abschminken. Nicht schlecht gestaunt habe ich dann, als plötzlich einer dieser indischen Landsgenossen ankam und sich doch glatt 2 Plätze vor mir unauffällig in die Reihe schmuggeln wollte. Ich habe mich zunächst gefragt, sind wir hier vielleicht auf der Ostberliner Seite und der kleine Freund denkt sich, dass die Versorgung wie früher in der DDR noch etwas knapp ist und die Stempelfarbe fürs Visum ausgehen könnte. Na ja wie auch immer, die Gründe für seinen dreisten Versuch habe ich nicht erfahren, aber nach einem dezenten Hinweis von mir und dem Herren vor mir hat er sich dann doch hinten eingereiht.
Nach Einlass und 30 Minuten Wartezeit war ich dann doch schon um 10 Uhr an der Reihe mein Visum zu beantragen. Da ich im Internet über die Möglichkeit einer Schnellerteilung des Visums innerhalb einer Stunde für einen kleinen Aufpreis von 20 EUR erfahren habe, war ich dann auch recht optimistisch, dass alles glatt läuft. Komischerweise erfuhr ich dann aber von dem Konsularbeamten, dass das mit dem Internet ja alles so ne Sache wäre und das nicht alles so richtig wäre und ich um 16 Uhr mein Visum abholen könnte. Mir natürlich erst einmal die Kinnlade heruntergeklappt, denn schliesslich ging ja um 17.20 Uhr mein Flieger und ich war mir nicht sicher, ob ich den so kurzfristig noch ändern konnte. Ich also mit meiner freundlichsten Stimme und Mimik ihm langsam erklärt, dass ich bis 16 Uhr leider nicht warten könnte und nach kurzer Überredungsarbeit hat er sich dann schweren Herzens doch bereit erklärt, mir 20 EUR mehr abzuknüpfen und sein Bestes zu versuchen. Um 11.15 Uhr hatte ich dann zum Glück mein Visum und ich konnte beruhigt meine Reise nach Indien antreten.

Tja und nun sitze ich hier und denke, hätten sie mir doch die Einreise verweigert. Aber nein, ganz so schlimm ist es nicht. Bin momentan noch in Delhi, wo wir für insgesamt 1,5 Wochen Planungsaktivitäten und ähnliches machen. Delhi ist die Hauptstadt von Indien, damit auch gleichzeitig mehr oder weniger Vorzeigestadt und ist dementsprechend von den Verhältnissen noch recht erträglich. Das Hotel (Crowne Plaza) und der Service in Indien im allgemeinen sind absolute Spitze, leider kann man das von der Sauberkeit, dem Geräuschpegel und der Hygiene nicht behaupten. Selbst das Coca-Cola Gebäude, von dem ich viel mehr erwartet habe, ist ein alter hässlicher Komplex, dem wahrscheinlich selbst Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp den Eintritt verweigern würden. Hinzu kommt, dass derzeit im Mai Aussentemperaturen von 40 Grad herrschen und in unserem Konferenzraum, in dem wir arbeiten, die von uns manuell nicht einstellbare Klimaanlage kalte 18-20 Grad in den Raum bläst. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der erste ne Erkältung hat. Alles in allem kann man aber trotzdem froh sein in Delhi zu sein, da die Kollegen die schon einmal hier waren uns versichert haben, dass es in den bevorstehenden Einsatzorten noch wesentlich schlimmer wird.
Und ich glaube Vijayawada ist da ein Paradebeispiel. Aber daran sollte ich jetzt erst einmal nicht denken, denn zunächst steht morgen noch ein Wochenende vor der Tür, an dem wir das Nonplusultra einer jeden Indienreise besichtigen: das Taj Mahal!!!
Davon dann mehr nächste Woche, denn jetzt muss ich die Koffer packen.