Freitag, 19. Dezember 2008

Mein letzter Arbeitstag in China

Es ist Freitag und damit gleichzeitig mein letzter Arbeitstag in 2008. Es liegen 8 Wochen China hinter mir und die Eindrücke die ich hier in den vergangenen Wochen gesammelt habe sind sehr vielfältig. Da gibt es viele positive und neue Eindrücke, aber auch negative Eindrücke, an die man sich als Europäer nur schwer gewöhnen kann. Fangen wir einmal mit den eher nicht so schönen Dingen an. Das ist sicherlich das Verhalten und die Angewohnheiten der Menschen hier, bei denen man manchmal das Gefühl hat man befände sich wieder in der Steinzeit. Ich denke die Chinesen sind wirklich das unzivilisierteste Volk, dem ich bisher begegnet bin. Da wird was das Zeug hält geschmatzt, gerülpst, gefurzt und gespuckt und keinen scheint es zu stören. Dies gehört hier zum Alltag einfach dazu, ist aber sicher nicht jedermanns Sache. Ein anderes beliebtes Hobby ist das Rempeln und Drängeln. Bei der Fortbewegung zu Fuß wird man gerne mal angerempelt, aber das juckt keinen und sich dafür zu entschuldigen ist einfach unvorstellbar. Auch das Drängeln an Eingängen, in der U-Bahn oder wo auch immer wird als Volkssport betrieben. Immer wieder gerne beobachtet wurde dies beim Einstieg ins Flugzeug, wenn von allen Seiten Menschen heraneilen, um möglichst als Erster das Flugzeug zu betreten. Es könnte ja passieren, dass man seinen Platz schon besetzt vorfindet und man wie bei der „Reise nach Jerusalem“ leer ausgeht und den Flieger wieder verlassen muss. Und während man dann gerade sein Handgepäck in den Fächern über dem Sitz verstaut, drängen sich drei Chinesen irgendwie hinter einem durch. Die Kotztüte im Flugzeug wird auch schon mal gerne benutzt, nicht aber etwa weil sich jemand übergeben muss… nein, sie wird kurzerhand zur Spucktüte umfunktioniert. Und derjenige dem die Erfindung dieser Tüte entgangen ist, spuckt dann eben auf den Boden im Flugzeug, was auch schon erlebt wurde (kein Scherz!). Und das ist, so muss ich sagen auch wirklich das woran man sich am wenigsten gewöhnen kann, das Spucken. Es ist ganz gleich von wem man spricht. Ob der Bauarbeiter, der Manager im schwarzen Anzug, die 80jährige Oma mit ihren Einkaufstüten, das 10 jährige Schulmädchen, der Polizist an der Ecke oder der buddhistische Mönch, es wird mit aller Herzenslust gespuckt. Es wäre zwar unfair zu sagen, dass es 100% der Bevölkerung machen, aber der Großteil des Landes widmet sich gerne dieser Freizeitbeschäftigung. Und das Spucken wird nicht etwa dezent vorgenommen… nein, man muss es nach einem ganz speziellen Ritual zelebrieren. Da wird zunächst mit einem langen, lauten Geräusch a la „krrrrrchhhhh“ das Spuckobjekt aus den Tiefen des Rachens hervorgeholt und dann mit Schwung auf den Bürgersteig gepfeffert. Wirklich delikat! :-( Auch nicht wirklich angenehm, sind die Gerüche die einem überall in die Nase steigen. An jeder Ecke kann es einem passieren, das plötzlich dieser seltsame fiese Geruch in der Luft liegt. Es ist für mich schwer zu definieren, wonach es riecht, aber es ist auf jeden Fall nicht angenehm und dieses Phänomen tritt bevorzugt in Ecken auf, wo Essen zubereitet wird.
Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Thema, das ich nicht als negativ bezeichnen würde, aber doch als gewöhnungsbedürftig: die Essgewohnheiten. Es ist ja bekannt, dass die Chinesen recht ungewohnte Dinge verzehren, aber was ich hier alles gesehen (und gerochen) habe ist doch schwer begreifbar, wie ein Mensch diese Dinge ernsthaft gerne zu sich nimmt. Es wird wirklich alles was sich bewegt verzehrt, gleichgültig ob es sich zu Lande, zu Wasser oder in der Luft bewegt. Ob Insekten, Reptilien, seltsame Meeresfrüchte oder auch Wurzeln, der Chinese weiß aus allem ein Gericht zu zaubern. Leider hat das Sprichwort „Das Auge isst mit“ seinen Weg noch nicht nach China gefunden und viele Dinge sehen auch abstoßend aus. Zudem kommt dass wirklich alles von dem erlegten Tier verarbeitet wird und nicht etwa wie bei uns, nur Dinge wie z.B. Hüfte, Brust oder Bein. Da landen das Herz, der Kopf, die Füße, das Gehirn oder die Augen auf dem Teller und selbst das Geschlechtsteil des ein oder anderen Tieres wird verwertet und teuer verkauft, da es als Aphrodisiakum gilt. Nichtsdestotrotz bin ich ja recht experimentierfreudig und habe mich nicht davon abhalten lassen, das Ein oder Andere zu probieren. Das Exotischste darunter war vermutlich Schildkröte, frittierte Würmer und frittierte Bienenlarven. Nicht alles was ich probiert habe war wirklich köstlich und ein schönes saftiges Rindersteak würde ich nach wie vor den meisten Dingen vorziehen, aber so kann man mir später wenigstens nicht vorwerfen, ich hätte es nicht einmal probiert. Für mich wichtig zu betonen ist noch, dass das Chinarestaurant zu Hause in Deutschland um die Ecke, wirklich nichts, aber auch gar nichts mit dem Essen in China zu tun hat. Ich weiß nicht wo die Chinesen, die in Deutschland ein Restaurant betreiben herkommen, oder ob sie eigens für den europäischen Markt gezüchtet werden, aber ich habe zumindest hier in China Gerichte wie Chop Suey oder ähnliches wie man sie aus Deutschland kennt, hier nicht vorgefunden. Ich möchte hier jetzt nicht den Eindruck hinterlassen das Essen in China sei nicht gut, denn ich habe wirklich viele leckere Gerichte gefunden und habe es mir durchaus schmecken lassen. Man sollte es aus meiner Sicht vielleicht lediglich bei etwas klassischeren Gerichten belassen, mit Reis oder gebratenen Nudeln, einer Nudelsuppe oder Rind, Schwein und Huhn.
Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass all diese Erlebnisse zwar grundsätzlich auch in Shanghai zum Alltag gehören, ich dies aber noch viel intensiver erlebt habe innerhalb meiner 6 Wochen in Kunming im Süden Chinas. Generell möchte ich sagen, man sollte nicht meinen, wenn man einmal in Shanghai gewesen ist, man habe China gesehen und erlebt. Aufgrund meiner Erfahrungen sowohl in Shanghai, als auch in vielen anderen Teilen des Landes (insbesondere im Süden) muss ich sagen, dass Shanghai, die moderne, aufstrebende Megametropole so wenig gemein hat mit dem Rest von China, wie der Ballermann-Abschnitt auf Mallorca mit Spanien.
Neben den geschilderten Dingen, die jetzt vielleicht eher ein wenig abschreckend wirken, habe ich aber auch unheimlich viele positive Erfahrungen sammeln dürfen. Das Land in seinem gesamten Ausmaße ist so vielfältig und interessant und hat mich immer wieder auch beeindruckt. Es leben unheimlich viele Minderheiten in China, speziell im Süden in Yunnan, wo ich 6 Wochen verbracht habe und die traditionelle Kultur der Menschen ist unheimlich interessant, wenn doch auch so fremd. Als Europäer in China, wird man mal abgesehen von Shanghai, Peking und den anderen touristischen Hauptattraktionen, doch immer noch angesehen, als käme man von einem anderen Stern. Wenn man dann aber mal auf die Menschen zugeht, wird man überwiegend doch sehr freundlich empfangen. Es ist zwar nicht immer leicht mit den Leuten zu kommunizieren, da kaum jemand Englisch spricht, aber irgendwie funktioniert es auch ohne Worte. Manchmal sogar besser als in Europa, wenn man sich mit den Menschen verständigen kann. Oder wer hat es schon mal erlebt, dass man z.B. in einer Bar nach einmal Anstoßen mit einer Gruppe von Leuten, die einem vollkommen fremd sind, anschließend an deren Tisch eingeladen wird und fortan für den Rest des Abends Reiswein, Bier und Schnaps nur noch auf deren Kosten trinkt. Darüber hinaus bin ich in den Genuss gekommen, 3 verschiedene traditionelle Shows/Aufführungen zu sehen, mit vielen traditionellen Kostümen, Tänzen und Gesängen und war positiv überrascht, wie gut diese waren.
Alles in allem muss ich als Fazit ziehen, das Land mit all seinen Lebensgewohnheiten war sicherlich das fremdeste, das ich in diesem Jahr erlebt habe, aber sicherlich auch eines der spannendsten und vielfältigsten Länder und ich halte es in guter Erinnerung.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Lijiang und Xi’an

Sieben Wochen China sind vorüber und ich habe heute mein letztes Wochenende hier beendet, an welchem ich nach Xi’an geflogen bin. Xi’an in der Provinz Shaanxi gelegen, 2 Stunden entfernt von Shanghai ist vor allem für eine Attraktion bekannt: die Terrakotta-Armee. Die Terrakotta-Armee ist der bedeutendste archäologische Fund Chinas. Bereits im 3 Jahrhundert vor Christus hatte der damalige Kaiser mit der Herstellung der Tonkrieger begonnen, die zu einem späteren Zeitpunkt seine Grabstätte „beschützen“ sollten. Die Ausgrabungen dauern noch immer an, aber es wurden inzwischen etwa 3000 Krieger geborgen und diese Armee ist eine der touristischen Hauptattraktionen des Landes. Und obwohl ich nicht so sehr davon begeistert war nur wegen der Terrakotta-Armee nach Xi’an zu fliegen, habe ich mich dazu überreden lassen mitzukommen und dieses „Muss“ Chinas zu besichtigen. Ansonsten hat Xi’an aber eher wenig zu bieten und so haben Diego und ich uns entschlossen lediglich einen Tag in Xi’an zu verbringen und Samstag abend bereits zurück nach Shanghai zu fliegen. Denn dort war geplant am letzten Samstag in China noch einmal gemeinsam mit den Kollegen das Nachtleben von Shanghai ausgiebig zu genießen. Letztendlich war mein Gespür auch richtig und ich war ein wenig enttäuscht von Xi’an.
Die Terrakotta-Armee war zwar recht interessant und vor dem historischen Hintergrund, dem Ausmaß der Anlage und der Anzahl der Krieger kulturell sicherlich sehr bedeutsam für China, aber irgendwie fehlte mir dann doch der Wow-Effekt. Neben der Terrakotta-Armee haben wir in der wenigen Zeit, die wir hatten noch die Große Wildgans-Pagode besichtigt, die die zweitwichtigste Sehenswürdigkeit Xi’ans ist aber total unspektakulär ist. Und so muss ich als Fazit ziehen, dass der Tag in Xi’an sicher nicht zu meinen besten Wochenenden in China zählte.

Aber zuvor gab es ja noch ein weiteres Wochenende, von dem ich noch nicht berichtet habe. Das Wochenende bevor wir unsere Zelte in Kunming abgebrochen haben und zurückgekehrt sind nach Shanghai, haben wir (Diego, Nacho und Ich) in Lijiang verbracht. Und ich muss vorwegnehmen, dass dieses Wochenende aus meiner Sicht ganz klar das Beste war. Lijiang, diese kleine verschlafene Stadt in der Provinz Yunnan, an den Ausläufern des Himalaya ist ein faszinierender, wunderschöner Ort und die Entscheidung dorthin zu fliegen war goldrichtig. Die Stadt, dessen Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, liegt auf einer Höhe von 2600m und ist umgeben von Bergen. Der höchste Berg der Umgebung ist der Jadedrachen-Schneeberg zu dem wir den Samstag einen Ausflug gemacht haben. Der Berg ist 5596m hoch und es besteht die Möglichkeit mit einer Gondel bis auf eine Höhe von 4506m zu fahren. Doch bevor wir diese Möglichkeit wahrgenommen haben, haben wir uns noch eine traditionelle chinesische Show angeschaut. Die Show „Impressions of Lijiang“ findet direkt am Fuße des Berges, in einem offenen Amphitheater statt und bei gutem Wetter hat man den Vorteil die Show vor der spektakulären Kulisse des 5-Tausender zu verfolgen. Die Show handelt über die vielen Minderheiten die in der Provinz Yunnan leben und ist landesweit bekannt und sehr erfolgreich. Produziert wird die Show von dem gleichen Regisseur der auch die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Peking entwickelt hat. An der Show nehmen über 500 Darsteller teil, in ihren sehr vielfältigen, bunten, traditionellen Kleidungen, teilweise auf Pferden durch das Theater reitend, und begleitet von stimmungsvoller Musik. Die Show ist sehr spektakulär und war definitiv einen Besuch wert. Einziger Wehrmutstropfen war, dass es an dem Tag bewölkt war und nur ab und an die Sonne und der Gipfel mal durch die Wolkendecke geblinzelt haben. Dennoch haben wir die Aufführung sehr beeindruckend empfunden. Anschließend ging es dann mit der Gondel hinauf auf 4506m. Und als ob, das noch nicht genug wäre hatte man von dort aus noch die Möglichkeit über zahlreiche Treppen bis auf 4680m hinauf zu gehen. Glücklicherweise lagen die Wolken, die ich zuvor erwähnt habe nicht auf 4500m und so hatten wir das große Glück mit der Gondel durch die Wolken hindurchzufahren und hatten sodann über den Wolken die freie, sonnige und spektakuläre Sicht auf den Gipfel. Ein wirklich herrlicher Anblick. Der Weg hinauf auf 4680m war allerdings doch recht beschwerlich und man merkte, dass die Luft dort oben doch recht dünn wird. Im Skiurlaub auf 3000 oder 3500m hat man ja bereits manchmal das Gefühl die Luft wird dünner aber, 4680m ist da schon wieder ne ganz andere Hausnummer. Da möchte ich nicht wissen, wie sich Bergsteiger bei der Besteigung des Mount Everest fühlen. Zurück im Tal waren wir dann doch recht müde und auch ein wenig durchgefroren, denn wir sprechen ja immerhin von 4680m im Dezember. Da sind die Temperaturen nicht mehr so angenehm und unsere Kleidung war auch nicht gerade bergsteigertauglich. Da haben wir uns über die Heizung im Taxi gefreut. Apropos Taxi, da gibt es auch noch eine lustige Anekdote zu erzählen. Als wir am Morgen zu unserer Tour in Richtung Jadedrachen-Schneeberg aufgebrochen sind, haben wir uns einfach ein Taxi genommen, da dies die günstigste Alternative ist. Wir hatten also den Namen Jadedrachen-Schneeberg auf einem Zettel in chinesischen Schriftzeichen vom Hotel bekommen. Diesen Zettel haben wir dann dem Taxifahrer gezeigt und los ging es in Richtung Berg, der ca. 30km entfernt von Lijiang liegt. Nun liegt der Berg aber im Niemandsland, es gibt dort kein Dorf oder sonstige Zivilisation und wir wussten nicht wie wir von dort wieder hätten wegkommen sollen. Daher haben wir unserem Taxifahrer zu verstehen gegeben, er solle auf uns warten und er hat mit freundlichem Nicken eingewiligt. Das Dumme war allerdings nur, aufgrund der wie so häufig vorhandenen Sprachbarriere, konnten wir ihm nicht erklären, dass es ein wenig länger dauern werde, da wir uns ja auch noch die Show am Fuße des Berges anschauen wollten. Wir waren also 1,5 Stunden vor Beginn der Show am Berg, plus 1,5 Stunden Dauer der Show und die Fahrt hinauf und herab vom Berg, was ca. 2 Stunden in Anspruch genommen hat. Summa summarum hat der gute Mann, also 5 Stunden in seinem Taxi gesessen und auf uns gewartet. Der alte Mann hat uns in diesem Moment schon ein wenig leid getan. Er hat sich aber keinen Moment beklagt, hat keine Miene verzogen und hat uns anschließend wieder brav zum Hotel gefahren. Und nun kommt der Knaller. Für den gesamten Tag, den wir das Taxi zur Verfügung hatten (und man muss betonen, das Taximeter ist die ganze Zeit gelaufen) und die ca. 60 Kilometer die wir zurückgelegt haben, mussten wir die immense Summe von sage und schreibe 20 Euro auf den Tisch legen. Das war definitiv das günstigste Taxi, das ich in meinem ganzen Leben genommen habe.
Am nächsten Morgen wurde ich beim Öffnen des Vorhangs im Hotelzimmer von strahlendem Sonnenschein empfangen. An diesem zweiten Tag stand die Erkundung des eigentlichen Höhepunktes Lijiangs, der Altstadt, auf dem Programm. Und diese Altstadt ist ein wirklicher Traum. Die Gebäude sind alle im altertümlichen Stil der Naxi (die am stärksten vertretene Minderheit Lijiangs) erbaut, mit geschwungenen Ziegeldächern und viel Holz und halten so wirklich alles was man sich vom klassischen, architektonischen Stil Chinas verspricht. Hinzu kommt, dass die autofreie Altstadt von malerischen, schmalen Kopfsteinpflasterstrassen geprägt ist und viele kleine Kanäle, mit klarem Gebirgswasser durch die Strassen laufen. Aufgrund der Kanäle gelangt man zu den Eingängen der Häuser nur über kleine, hölzerne Brücken und die Strassen sind überall mit den traditionellen, roten Lampions geschmückt. All dies verleiht der Stadt einen unglaublichen Charme und macht die Stadt aus meiner Sicht so einzigartig. Und auch ein altes Sprichwort besagt: "Wenn Du Lijiang nicht besucht hast, warst Du nicht in Yunnan!"
Dummerweise ist Lijiang nicht so einfach zu erreichen, da es keine Nonstop Flüge von Shanghai oder Peking gibt und so dauert die Anreise von Shanghai über den Flughafen Kunming knappe 5 Stunden. Daher ist es für die vielen ausländischen Touristen, die bevorzugt in den Osten Chinas reisen auch eher ein unbekanntes Reiseziel und wir waren eine der sehr, sehr wenigen ausländischen Touristen in Lijiang. Daher freut es mich umso mehr, dass mir aufgrund meines Einsatzes in Kunming die Möglichkeit geboten wurde, dieses wundervolle Städtchen zu besuchen und es zeigt mir wieder einmal welches Glück mir durch meinen Job zuteil wird.

Und nun sitze ich in meinem Hotelzimmer in Shanghai und es bleiben mir nur noch weitere 5 Tage in China bevor es zurück in die Heimat geht. Ich hatte ja bereits in meinem letzten Bericht angekündigt mich ein wenig mehr den Gewohnheiten und meinen Erlebnissen im chinesischen Alltag zu widmen. Ich hoffe, dass ich noch vor meiner Abreise am kommenden Samstag die Gelegenheit habe, dies zu tun und auch um ein Resümee meines ersten Jahres zu ziehen, das so vielfältig und aufregend war.

(Bilder: 1) Terrakotta-Armee in Xi'an, 2) Show "Impressions of Lijiang" am Fusse des Bergs, 3) Ausblick vom Berg auf 4680 m, 4) Altstadt-Gasse von Lijiang bei Nacht, 5) Wasserraeder von Lijiang am Eingang der Altstadt, 6) Altstadt-Gasse von Lijiang bei Tag, 7) Ueber den Daechern von Lijiang, 8) Schwarzer Drachenteich mit kleiner Pagode in Lijiang)

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Ab in den Süden, der Sonne entgegen

Nachdem es Mitte November nun doch auch in Kunming langsam kälter wurde, ging es an den vergangenen beiden Wochenenden noch weiter in Richtung Süden als das eh schon südlich gelegene Kunming. Nach 4 Wochen in China und damit der Halbzeit meiner Zeit hier ging erstmals raus aus dem Land und zwar nach Bangkok. Dieser Trip war nicht ganz freiwillig, denn obwohl wie zuvor erwähnt mit meiner Visum-Beantragung für China in den Philippinen doch noch alles geklappt hat, gab es da einen Haken. Denn das einzige Visum das man uns ermöglicht hat, war ein Doppeleinreisevisum mit jeweils 30tägiger Aufenthaltserlaubnis. Dies bedeutet wir dürfen innerhalb der nächsten 6 Monate zweimal in das Land einreisen und jeder Aufenthalt darf die Dauer von 30 Tagen nicht überschreiten. Da wir nun aber 8 Wochen Projektlaufzeit haben, kommen wir da mit den 30 Tagen nicht ganz hin und somit mussten wir das Land einmal verlassen. Wir haben zwar noch versucht das Visum in China zu verlängern, um länger im Land bleiben zu dürfen, aber dies wäre wiederum mit zu hohen und aufwendigen Formalien verbunden gewesen. Und da wir 56 Tage im Land bleiben und dies nahe an die 2 mal 30 Tage grenzt, musste die Ausreise speziell am vierten Wochenende geschehen, um mit den 30 Tagen pro Aufenthalt hinzukommen. Von Kunming im Süden Chinas blieben da nicht allzu viele Optionen, denn neben Thailand kam höchstens noch Vietnam (wofür man allerdings ein Visum benötigt) und Hong Kong (was als Ausreise aus China zählt, obwohl es offiziell zu China gehört) in Frage. Ich habe mich dann aber für Bangkok entschieden, entgegen der Entscheidung der meisten Kollegen nach Hong Kong zu fliegen und habe das Wochenende auch gleich noch um einen Tag Urlaub verlängert. Denn obwohl ich nur über 10 Tage Urlaub pro Jahr verfüge (mal abgesehen von den 3 Wochen Homeleave über Weihnachten und Neujahr), habe ich davon bisher nur 5 Tage über das Neusser Schützenfest in Anspruch genommen und ich sollte meine Urlaubstage nach Möglichkeit bis Jahresende genommen haben. Ich habe die 3 Tage in Bangkok wirklich genossen und das Wetter war ebenfalls ausgezeichnet. November gehört sicherlich zu den besten Reisezeiten für Thailand, denn die Temperaturen sind etwas angenehmer als beispielsweise im Sommer, aber dennoch war es mit Temperaturen über 30 Grad keineswegs kühl. Begleitet wurde der Trip durch den positiven Nebeneffekt, dass wir aufgrund unserer Visumssituation gezwungen waren China zu verlassen und wir somit durchsetzen konnten, dass der Flug nicht von unserem Wochenendenbudget zu bezahlen ist, sondern separat von der Firma übernommen wurde. Somit stand ausreichend Kapital zur Verfügung um es für Hotel, Taxis, Ausflüge und sonstige Aktivitäten zu nutzen. Dies habe ich dann auch getan, indem ich eine Vielzahl der interessanten Sehenswürdigkeiten Bangkoks besichtigt habe, sowie einen Tagesausflug in die nahe gelegene historische Stadt Ayuthaya, die über zahlreiche alte Tempelanlagen verfügt, gemacht habe. Dies waren meine Aktivitäten für den Freitag und den Samstag. Besonders gut gefallen hat mir hierbei die Architektur und der Stil der vielen Sehenswürdigkeiten Bangkoks. Der Palast, sowie die vielen buddhistischen Tempelanlagen sind von vielen Farben und vor allem Gold geprägt und wirken dadurch sehr prunkvoll und beeindruckend.
Darüber hinaus habe ich mir aber am Wochenende auch ein wenig Entspannung gegönnt, in Form von zwei Massagen und Samstag Abend habe ich eine Veranstaltung des in Thailand überaus beliebten Thai-Boxing angeschaut. Auch den Sonntag habe ich ruhig angehen lassen und habe die überwiegende Zeit am Pool des Hotels verbracht und habe die Sonne genossen, bevor es zurück nach China ging.

Wenn man China bereist, so sind das Ziel primär historische Stätten, denn China verfügt über endlose Kulturreichtümer. Oder aber man begibt sich in eine der Metropolen, wie z.B. Shanghai oder Peking. An Sonne und Strand denkt man bei China jedoch eher nicht und dennoch gibt es einen Ort an dem wunderbar ein sonniges Wochenende am Strand verbringen kann. Und dies war für mich und meinen spanischen Kollegen Diego, der die Sonne so viel mehr vermisst als ich, das Ziel unseres Wochenendes. Der südlichste Punkt Chinas ist die Stadt Sanya auf der Insel Hainan, die auf der Höhe Nordvietnams liegt und somit von ganzjährig warmen bis heißem Wetter profitiert. Bei Sanya liegt die Yalong Bucht, dessen Strand der Schönste Chinas ist und somit von mehreren luxuriösen Resorts gesäumt ist. Unser ausgewähltes Domizil für das Wochenende war das Sheraton Resort, das in den vergangenen 5 Jahren dreimal Austragungsort der Miss World Wahl war. Das klang für uns viel versprechend und so haben wir uns dort 2 Nächte einquartiert. Und wir wurden nicht enttäuscht, denn das Resort verfügt über drei Pools, wovon einer im Lagunenstil errichtet ist, über einen herrlichen Strandabschnitt mit nahezu weißem Sand und komfortablen Liegen und das gesamte, weitläufige Areal mit Palmen, Koi-Teich und vielem, vielem mehr war in der Tat eine Oase der Erholung. Der Samstag wurde uns zwar von einem bewölkten Himmel zunächst ein wenig vermiest, wir haben uns es aber mit Vodka und Red Bull am Strand gut gehen lassen und haben das Vergnügen bei einer Partynacht in Sanya fortgesetzt. Sonntag wurden wir dann, nachdem wir aus dem Bett gekrochen sind, mit strahlend blauem Himmel und Sonne satt verwöhnt und wir haben es nicht bereut, neben den vielen Wochenenden in China, an denen wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten jagen, auch einfach mal ein relaxtes Wochenende eingelegt zu haben.

Inzwischen ist meine Zeit in Kunming nahezu gelaufen, denn heute hatten wir unsere Abschlussbesprechung in der Coke Niederlassung hier und am Wochenende geht es wieder zurück nach Shanghai, um die letzten 2 Wochen die Ergebnisse der drei über China verteilten Audits zu konsolidieren. Ich habe recht viel über die vergangenen 5 Wochenenden berichtet, daneben habe ich aber auch wirklich viele Eindrücke während der Woche in Kunming gesammelt, die so glaube ich hier ein wenig zu kurz gekommen sind. Daher denke ich es ist an der Zeit, mal ein wenig mehr über dieses unheimlich vielseitige und doch so sehr fremde Land, seine Leute und alltäglichen Gewohnheiten zu erzählen. Dies möchte ich aber erst in meinem nächsten Bericht in der kommenden Woche machen, wenn ich zurück in Shanghai bin und sich meine erlebnisreiche Zeit in China langsam ihrem Ende nähert.

Sonntag, 23. November 2008

Peking und Guilin

Nach dem ersten Wochenende in Shanghai ging es am zweiten Wochenende in die Hauptstadt Chinas, nach Peking. Die Entscheidung Shanghai und Peking an den ersten beiden Wochenenden zu machen habe ich bewusst getroffen. Der Grund hierfür ist das Klima. Da ich von Ende Oktober bis Weihnachten in China bleibe und es im Norden Chinas im Dezember mit Minusgraden und Schnee doch recht eisig werden kann, ist es eine sinnvolle Entscheidung die nördlichen Ziele zu Beginn anzugehen und danach bevorzugt Ziele im Süden des Landes zu bereisen. Die restliche Wochenend-Planung sieht wie folgt aus:

  • Guilin, ein beliebtes Touristenziel in der Provinz Guanxi im Süden des Landes, mit bizarren Karstlandschaften
  • Bangkok, Metropole und Hauptstadt Thailands
  • Sanya, südlichste Stadt Chinas auf der Insel Hainan
  • Lijiang, malerische, traditionelle Stadt an den Ausläufern des Himalaya, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Lediglich, das letzte Wochenende in China ist noch nicht geplant, aber ich bin mir sicher, auch dafür findet sich noch etwas interessantes, denn China bietet eine Fülle an spannenden Zielen.
Aber nun zurück zu Peking ode Beijing wie es in China genannt wird. Die Hauptstadt hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten und wie ich am Ende des Wochenendes feststellen musste, reicht ein Wochenende nicht aus um all die interessanten Punkte zu sehen. Ein absolutes Muss für ein Peking-Wochenende, auch wenn es nicht wirklich zur Stadt zählt, ist ein Besuch der chinesischen Mauer. Es gibt im engeren Sinne 4 verschiedene Stellen, an der man die Mauer besuchen kann. Zum Glück gibt es einige Kollegen, die schon zuvor die Mauer besucht haben und von allen wurde uns die Peking am nächsten gelegene Stelle Badaling abgeraten. Denn egal zu welcher Jahreszeit, gleicht die Mauer dort eher einem Jahrmarkt mit tausenden dicht gedrängten Menschen. Daher fiel die Wahl auf Mutianyu, einer Stelle die nur geringfügig weiter entfernt liegt, dafür aber wesentlich ruhiger ist und somit mehr Gelegenheit bietet die Mauer auch wirklich zu genießen. Und da sich für das Wochenende eine große Gruppe von mehr als 10 Kollegen in Peking eingefunden hatte, haben wir vom Hotel einen Kleinbus angeheuert, der uns sicher und ohne große Umwege zur Mauer chauffiert hat. Es ist wirklich beeindruckend wie sich die Mauer über die Bergketten schlängelt und der Gang über den nur gut zwei Kilometer langen Abschnitt ist an der ein oder andern Stelle aufgrund der enormen Steigung doch recht anstrengend. Und obwohl die Temperaturen bei nur etwa 10 Grad lagen, ist trotzdem der Schweiß geflossen. Der Trip war aber jeden Tropfen Schweiß wert, denn aus meiner Sicht ist die chinesische Mauer vollkommen zu Recht Chinas Touristenattraktion Nr. 1. Nachdem wir dort einige Stunden verbracht haben, ging es mit dem Bus wieder in zurück in Richtung Peking. Dort angekommen war der Tag aber auch schon fast gelaufen und die Zeit reichte nur noch für einen kurzen Abstecher zum Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz).
Am nächsten Morgen ging es trotz langer Feierlichkeiten in der Nacht zuvor, wieder um 9 Uhr morgens los, denn auf dem Programm standen zwei weitere Höhepunkte Pekings. Die Verbotene Stadt, sowie der Sommerpalast der ehemaligen Kaiser. Auch diese Bauwerke waren wiederum sehr beeindruckend und haben nahezu den ganzen Tag in Anspruch genommen. Und somit war das Wochenende auch schon fast wieder gelaufen. Bevor es zum Flughafen ging, blieb lediglich noch Zeit einen kurzen Zwischenstop von 15 Minuten am Olympiastadion zu machen, um das faszinierende Stadion, dass man seit diesem Sommer aus dem Fernsehen kennt, mal aus nächster Nähe zu sehen. Tja, wie zuvor bereits gesagt, ein Wochenende reicht nicht wirklich aus um Peking in seiner gesamten Fülle zu besichtigen und sollte mich mein Job ein weiteres Mal nach China verschlagen, so werde ich Peking sicherlich noch einmal einen Besuch abstatten.

Nach einer weiteren Woche Arbeit, die ohne besondere Vorkommnisse verlaufen ist, ging es am darauf folgenden Wochenende mit einer Gruppe von 7 Kollegen nach Guilin. Der Flug dauerte nur 1 Stunde 20 Minuten, was nach den jeweils 3stündigen Flügen nach Shanghai und Peking mal recht angenehm war. Der Name Guilin hat mir zuvor nichts gesagt, aber Guilin ist gemäß meinem Reiseführer der am zweithäufigsten besuchte Ort Chinas nach Peking und der chinesischen Mauer. Guilin ist geprägt von Karstbergen, die sowohl in der Stadt als auch im gesamten Großraum um Guilin aus dem Boden herausragen. Hauptattraktion ist eine Bootsfahrt auf dem Fluss Li. Die Bootsfahrt dauert ca. 4 Stunden und führt auf ihrem Weg in die Stadt Yangshuo vorbei an beeindruckenden Felslandschaften. Dies war daher auch unser erster Programmpunkt für den Samstag und dauerte bis knapp 16 Uhr. Das Wetter war uns glücklicherweise wohl gesinnt und so konnten wir den gesamten Tag bei knapp über 20 Grad genießen. Zurück in Guilin blieb uns noch Zeit, den Elefantenrüsselberg zu sehen. Der Elefantenrüsselberg trägt seinen Namen, weil er (zumindest mit ein wenig Phantasie) wie ein Elefant aussieht der aus dem Fluss Li trinkt. Die Sonne geht im Süden Chinas zu dieser Jahreszeit mit ca. 18.30 Uhr doch deutlich später unter als z.B. in Deutschland und so hatten wir zur Abenddämmerung auch noch die Gelegenheit den Sonnenuntergang hinter den Pagoden am Shanhu-See zu betrachten. Guilin ist sich seiner touristischen Bedeutung in China sehr wohl bewusst und daher ist Guilin im Vergleich zu manch anderer chinesischen Stadt auch erstaunlich sauber, verfügt über unheimlich viele Blumen und Grün und das ganzjährig angenehme Klima macht es zu jeder Jahreszeit zu einem beliebten Reiseziel.
Der Sonntag bestand für mich nur noch aus einem weiteren Trip, zu einer beeindruckenden Tropfsteinhöhle (Schilfrohrflötenhöhle), da ich mich für einen Rückflug bereits um 16.15 Uhr entschieden habe. Die andere Möglichkeit wäre gewesen gegen 21. 30 Uhr zurück nach Kunming zu fliegen, so wie es die anderen beiden Kollegen getan haben. Doch auf Dauer ist es ganz schön ermüdend sonntags immer erst gegen 22 oder 23 Uhr zurück zu sein und so war ich auch mal ganz froh schon gegen 18 Uhr wieder im Hotel in Kunming zu sein. Das bot mir dann auch die Gelegenheit noch in aller Ruhe mein Abendessen einzunehmen und einen erholsamen Spaziergang durch den dem Hotel nahe gelegenen Green Lake Park zu machen. Und während die beiden Kollegen noch im Flieger in Richtung Kunming saßen, habe ich um 22.30 Uhr das Licht im Hotelzimmer ausgeknipst und habe meinen Schlaf genossen.

(Bilder: 1) Chinesische Mauer bei Mutianyu, 2) Verbotene Stadt, 3) Sommerpalast, 4) 100m-Finale vorm Olympiastadion, 5) Flussfahrt auf dem Li, 6) Pagoden am Shanhu-See, 7) Tropfsteinhöhlen von Guilin)

Montag, 10. November 2008

Kunming und Shanghai – Tradition versus Moderne

Inzwischen bin ich seit knapp 2 Wochen in meinem Einsatzort in Kunming. Kunming ist außerhalb von China wohl kaum jemandem geläufig und daher will ich mal ein paar mehr Informationen über diese (Klein)stadt erwähnen. Klein setze ich in Klammern, da die Chinesen Kunming als Kleinstadt bezeichnen, wäre diese Stadt jedoch in Deutschland so wäre sie die größte Stadt Deutschlands, denn es leben dort ca. 5 Millionen Menschen. Kunming liegt in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Yunnan grenzt an Vietnam, Laos und Myanmar und aufgrund der Lage im Süden herrscht hier das ganze Jahr über ein angenehmes Klima vor. Die Temperatur fällt selbst im Winter nur selten unter 8 Grad und so ist das Wetter auch derzeitig mit Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad wirklich angenehm. Daher trägt die Stadt in China auch den Beinamen Spring City. Natürlich hätte ich mir lieber gewünscht in Shanghai oder Peking zu arbeiten, aber zumindest das Wetter in Kunming ist ein absoluter Vorteil. Es hätte nämlich auch schlimmer kommen können. Wir haben ein Team in Dalian, den Erzählungen der Kollegen zu Folge eine sehr nette Stadt, aber die Lage nördlich von Peking bringt dann leider sehr kalte Temperaturen mit sich und so liegen die Temperaturen jetzt Anfang November bereits bei kühlen 5-8 Grad. Da graut es den Kollegen schon vor dem Dezember.
Kunming liegt etwa 2000m über dem Meeresspiegel, ist umgeben von Bergen und landschaftlich sehr reizvoll. Daher ist die Provinz Yunnan für die Chinesen auch ein beliebtes touristisches Ziel. Außerdem verfügt die Stadt über alle Annehmlichkeiten anderer Grosstädte und auch Fastfood-Ketten wie McDonalds, KFC oder Pizza Hut haben hier bereits ihren Platz gefunden. Ansonsten merkt man aber doch schon deutlich den Unterschied zu einer modernen Metropole wie Shanghai. Insbesondere beim Aussehen und Stil der Kleidung hängt Kunming Städten wie Shanghai oder Peking noch deutlich hinterher. Während in Shanghai oder Peking mittlerweile alle bekannten Designer und Marken ihre Shops eröffnet haben, herrscht in Kunming noch eher traditioneller Stil vor und Fashion spielt eine untergeordnete Rolle. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass Yunnan in China für die dort zahlreich lebenden Minderheiten bekannt ist. So war z.B. das Erste was mir ein chinesischer Kollege auf meine Frage wie Kunming sei antwortete, dass es dort sehr viele Minderheiten gebe.
Dies haben wir dann auch am vergangenen Donnerstag live erleben können. Die Leiterin des Finanzbereichs hat uns zum Dinner eingeladen. Was wir aber nicht wussten ist, dass das Restaurant ein traditionelles Showrestaurant ist. Das Restaurant hat einen großen Saal, in dem runde Tische für 6-8 Personen stehen und verfügt über eine große Bühne. Dort führen dann Gruppen der verschiedenen Minderheiten traditionelle Tänze auf. Zudem wird traditionelle chinesische Küche serviert. Das Essen war zwar nicht in jeder Hinsicht mein Fall, aber das Bühnenprogramm war wirklich sehr interessant, da man so etwas halt nicht alle Tage sieht und erlebt. Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass mir Kunming eigentlich ganz gut gefällt und es vielleicht sogar ganz gut ist, nicht die gesamten 8 Wochen in Shanghai zu sein, da man so das wirkliche Leben Chinas mitbekommt. Denn Shanghai, die moderne Megacity, die eher Städten wie New York oder London gleicht, steht sicherlich nicht stellvertretend für das ganze Land und das Leben in den ländlicheren Gegenden. Der Einzige wirklich große Nachteil, den ich hier feststellen musste ist, dass nahezu kein Mensch Englisch spricht. Während man in Shanghai, noch einigermaßen zurecht kommt, auch wenn noch lange nicht jeder Englisch spricht, so ist es in Kunming wirklich ein Desaster. Selbst im Coke-Office, von dem man als Niederlassung einer amerikanischen Firma doch wenigstens ein Basiswissen an Englisch erwartet oder erwarten kann, sprechen lediglich zwei unserer Ansprechpartner Englisch. Dadurch können wir fast kein Gespräch allein mit den Mitarbeitern führen, ohne die Unterstützung einer unserer drei chinesischen Teammitglieder. Das bringt mich auch gleich zu einer weiteren witzigen Anekdote. Es gibt eine goldene Regel: Verlasse niemals das Hotel, ohne die Adresse zu der man möchte, in chinesischen Zeichen auf einem Blatt Papier notiert zu haben. Aufgrund der günstigen Preise eines Taxis in China, ist dies unsere bevorzugte Fortbewegungsweise. Die Taxifahrer haben jedoch keinen blassen Schimmer von Englisch, vermutlich wissen sie nicht einmal, dass diese Sprache existiert. Und so kommt man nicht einmal mit den Worten City Center, Downtown oder Airport weiter. Daher immer ein Blatt Papier nehmen und sich die Adresse vom Hotelpersonal aufschreiben lassen. Ist man dann letztendlich sicher z.B. im Restaurant angekommen, so geht das nächste Problem los. Wie bestellt man ohne größere Probleme sein Essen. Denn auch dort ist es eher unwahrscheinlich bis nahezu unmöglich ein Exemplar der Minderheit „Englischsprecher“ oder „Englischversteher“ anzutreffen. Also gilt es sich sein Essen nach Bildern auszusuchen und zu hoffen, dass das Fleisch das nach Hühnchen aussieht, in Wirklichkeit kein Frosch oder eine Schildkröte ist. Denn im Grunde gilt, in China und speziell im Süden Chinas, wird beinahe alles was zwei oder mehr Beine hat und sich bewegt, verzehrt. Hinzu kommt, dass vom Kopf, über das Herz und die Innereien bis hin zu den Füßen nahezu alles seinen Weg auf den Teller findet. So hatten wir bereits einmal das Vergnügen eine Suppe mit Hühnchen zu essen und bei dem Versuch sich Nachschlag aus dem Suppentopf zu nehmen, tauchte plötzlich ein Hühnerfuß in der Suppenkelle auf. Die Suppe an sich war aber ganz lecker. J Auch die Idee sich ein saftiges Rindersteak zu bestellen, hat bei uns am ersten Tag in Kunming zu Schwierigkeiten geführt. Die Bestellung des Steaks ist zunächst nicht weiter schwer gefallen, doch mach dann dem Kellner der munter in chinesisch auf uns einplappert mal klar, dass man sein Steak englisch, medium oder gut durch haben möchte. Und so landeten letztendlich alle drei Steaks, die wir bestellt hatten gut durch auf unserem Tisch. Na ja, der Geschmack und die Konsistenz des Fleischs war ohnehin eher mangelhaft, da hätte es auch nicht weitergeholfen wenn das Steak medium gewesen wäre. Letztendlich ist das Problem mit dem Englischen aber auch nicht ganz so tragisch. Man arrangiert sich irgendwie damit und lernt geduldig zu sein und auf der anderen Seite ist es halt eben auch genau das, was meinen Job so spannend und abwechslungsreich macht. Für unser Lunch haben wir inzwischen schon unser chinesisches Stammrestaurant gefunden, wo natürlich auch niemand Englisch spricht. Beim Betreten des Restaurants kommt immer Freude beim Personal auf und wir werden mit zurückhaltendem, chinesischem Gekicher empfangen. Und auch bei uns hebt sich die Laune, denn wir wissen dass nun wieder unser witziger Bestellmarathon beginnt, in dem wir mit Händen und Füssen unsere Bestellung aufzugeben versuchen. Das kann schon mal an die 10 Minuten dauern. Am Anfang hat unser Kollege Nacho noch Tiere wie z.B. ein Schwein, eine Kuh oder ein Huhn auf ein Blatt Papier gemalt und als Witz auch mal einen Hund, was von der Kellnerin aber direkt mit einem entsetzten „No, No, No“ kommentiert wurde. Mittlerweile haben wir uns aber zumindest mit einem Basislexikon aus einem Reiseführer bewaffnet, der über hilfreiche Übersetzungen für z.B. Rindfleisch, Hühnerfleisch, Fisch, Gemüse, Reis, Wasser und noch vieles mehr verfügt. Damit kommen wir dann schon ganz gut über die Runden.
Soviel zu Kunming und seinen alltäglichen Tücken. Fürs erste Wochenende bin ich dann zurück nach Shanghai geflogen, um die Stadt mal ein wenig näher kennen zu lernen. Shanghai hat mir im Grunde recht gut gefallen, da es sehr modern und dynamisch ist und man wirklich alle Annehmlichkeiten, die man auch von Deutschland gewohnt ist finden kann. Touristisch gesehen, hat es jedoch aus meiner Sicht relativ wenig zu bieten. Da ist zum Einen die recht nette Uferpromenade am Fluss im Viertel Bund, mit Blick auf das Finanz- und Geschäftsviertel Pudong, wo auch das Wahrzeichen Shanghais, der Pearl Tower steht. Des Weiteren ist da noch eine schöne Gartenanlage (Yu Garden) in der Altstadt Shanghais, die allerdings recht überlaufen ist. Es gibt da vermutlich noch die Ein oder Andere ganz interessante Sache, aber im Wesentlichen war es das schon. Erwähnenswert ist allerdings noch eine Entdeckung, auf die ich mit meinem Kollegen Diego eher per Zufall gestoßen bin. Wir sind durch einen Park (Peoples Park) gelaufen und sind plötzlich an eine Stelle gekommen, an der wir eine große Menschenansammlung vorgefunden haben. Wir wussten zunächst nicht so ganz, was da vor sich geht, also haben wir uns das mal ein wenig genauer angeschaut. An der Stelle waren Frauen und Männer alle im Alter so zwischen 50 und 70 versammelt und an zahlreichen Leinen, die wie Wäscheleinen zwischen den Bäumen gespannt waren, hingen mit chinesischen Zeichen bedruckte DIN A4 Blätter die einen kurzen Text aufweisen. Ein Zettel hatte den Text sowohl in Chinesisch als auch in Englisch und wir konnten daher lesen, dass es sich bei den Zetteln um eine Art Kontaktanzeige handelt. Nun gut dachten wir, ist ja recht interessant, die Leute suchen halt auf diese Art und Weise nochmal einen Partner fürs Leben. Die Sache geht aber noch weiter, denn wir lagen mit unserer Vermutung nicht ganz richtig. Auf dem Ersten Zettel haben wir die Zahl 76 gelesen und wir sind davon ausgegangen, dass es sich dabei um das Alter der Frau handelt, die laut Infos ehrliche Heiratsabsichten hat. Drei Bäume weiter haben wir dann aber einen weiteren Zettel in Englisch erblickt, der zudem über ein Foto verfügte. Das Foto zeigte aber keine Frau im Alter von 79 sondern eine junge Chinesin, die 29 Jahre alt ist, denn die Zahl 79 auf dem Zettel stand nicht für das Alter sondern für das Geburtsjahr. Und so haben wir herausgefunden, dass es sich bei der Menschenansammlung um einen in China üblichen sog. Heiratsmarkt handelt. Die Eltern hängen Zettel mit den Informationen ihrer Töchter und Söhne aus und suchen so einen Mann oder Frau für ihre Kinder, die um die 30 Jahre oder älter sind. Denn in China ist es nicht angesehen, wenn man mit 30 Jahren noch immer unverheiratet ist und so versuchen die Eltern alles um den Sohn oder die Tochter endlich unter die Haube zu bringen. Ich hoffe meine Eltern kommen jetzt nicht auf dumme Gedanken und hängen Zettel von mir in Neuss aus. J
Ein Höhepunkt stand dann noch am Ende meines Shanghai-Wochenendes auf dem Programm und zwar die Fahrt zum Flughafen. Denn was in Deutschland nie durchgesetzt werden konnte, ist in Shanghai seit einigen Jahren Wirklichkeit… der Transrapid oder Maglev wie er in Shanghai genannt wird. Die Magnetschwebebahn die Shanghai mit dem außerhalb liegenden internationalen Flughafen verbindet, benötigt für die 30 Kilometer lange Strecke gerade einmal 7 Minuten. Für die gleiche Strecke braucht man mit dem Taxi je nach Verkehr zwischen 30 und 45 Minuten. Die Fahrt mit dem Transrapid war wirklich ein Erlebnis, denn er rast mit einer Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h durch die Stadt und ehe man sich versieht ist man auch schon am Flughafen angekommen.

(Bilder: 1) Eingang zu unserem Stammrestaurant in Kunming, 2) Altstadt von Shanghai, 3) Yu Garden Shanghai, 4) Heiratsmarkt in Shanghai, 5) Pearl Tower, 6) Geschwindigkeitsanzeige im Transrapid)

Dienstag, 4. November 2008

Die letzte Runde in 2008 hat begonnen

Letztendlich hat mit dem Visum für China doch noch alles geklappt und wir konnten unser Visum rechtzeitig von den Philippinen aus beantragen. Es hat uns zwar noch endliche Stunden in der chinesischen Botschaft gekostet, inklusive Interview mit dem Konsul für all diejenigen die erstmals nach China einreisen, aber zumindest sind wir am Schluss doch alle pünktlich am 26. Oktober in Shanghai eingetroffen. Das Wochenende davor habe ich wie zuvor bereits erwähnt in Taipei verbracht. Die Entscheidung dafür ist nicht etwa aufgrund der Tatsache getroffen worden, dass ich schon immer mal nach Taiwan wollte, aber es war schlichtweg die beste Flugverbindung. Der Flug von Manila nach Taipei dauerte gerade einmal 1 Stunde 50 Minuten und auch der Weiterflug nach Shanghai war mit 2 ½ Stunden recht kurz. Eigentlich hätte ich das Wochenende lieber in Seoul, Hanoi oder Bangkok verbracht, aber die Flugverbindungen waren allesamt so schlecht, dass sich ein Aufenthalt dort nicht gelohnt hätte. Also habe ich mich für die bequeme Alternative entschieden und habe Taipei fürs Wochenende gewählt. Beeindruckt hat mich die Stadt jedoch keineswegs. Die Gebäude sind überwiegend grau und sanierungsbedürftig, die Strassen sind auch nicht gerade als sauber zu bezeichnen und die Sehenswürdigkeiten der Stadt halt sich doch stark im Rahmen. Aber nun war ich halt mal hier und so habe ich das Beste daraus gemacht. Taipei verfügt mit dem Taipei 101 über das höchste Gebäude der Welt. Es hat 101 Stockwerke (daher der Name) und ist 509 Meter hoch. Das Gebäude wird zwar in naher Zukunft vom noch in Bau befindlichen Burj Dubai in Dubai abgelöst werden, aber zum heutigen Zeitpunkt gilt es noch als das höchste Gebäude der Welt. Daher war es auch das erste Ziel für mein Wochenende. Die Aufzüge bringen einen in weniger als 40 Sekunden zum Aussichtsdeck von wo man wirklich eine herrliche Aussicht über Taipei genießt. Neben dieser Hauptattraktion gibt es noch ein paar weitere interessante Ecken, darunter ein buddhistischer Tempel und eine Gedächtnishalle für einen angesehen Revolutionär und Politiker, die ich besucht habe. Das war es aber auch schon im Großen und Ganzen und den Sonntag habe ich daher dazu genutzt mal wieder richtig auszuschlafen und nichts zu tun, bis zu meinem Abflug nach Shanghai.

Dort bin ich dann auch Sonntag abend angekommen und die Stadt macht auf den ersten Anblick einen wirklich gewaltigen Eindruck. An jeder Ecke schießen neue moderne Wolkenkratzer und Büro- oder Shoppingkomplexe aus dem Boden und auch einer meiner aus Shanghai stammenden Kollegen hat mir bestätigt, dass sich die Stadt im Grunde monatlich verändert. Die enorme Dynamik die in der Stadt herrscht ist momentan vermutlich nur noch mit Dubai zu vergleichen. Leider hatte ich aber zunächst nur 2 Tage Zeit in der Stadt zu verweilen, denn mein eigentlicher Einsatzort für die ersten 6 Wochen ist das im Südwesten Chinas gelegene Kunming. Daher ging es Dienstag Nachmittag nach ersten Meetings und Planungsarbeiten schon wieder mit dem Flieger weiter. Aber zumindest hatte ich Montag abend noch die Gelegenheit mal wieder ein gutes deutsches Bier zu genießen. Denn zusammen mit Martin und unserer japanischen Kollegin Miyuki, ging es am ersten Abend los schon mal ein wenig das Nachtleben zu erkunden. Und so sind wir in das vom Concierge empfohlene Xin Tian Di aufgebrochen, eine Fußgängerzone mit vielen Restaurants und Bars. Doch wer hätte gedacht, dass man dort ein Paulaner Brauhaus vorfindet. Das haben Martin und ich uns natürlich nicht nehmen lassen und haben Miyuki auf ein herrliches Weissbier in das Brauhaus geschleppt. Das Bier hatte zwar auch seinen Preis (ca. 8 Euro für ein 0,5 Glas), aber das haben wir uns den Gaumenspaß mal kosten lassen.
Am Dienstag ging es dann wie gesagt schon weiter nach Kunming. Zumindest ein Punkt hat es mir ein wenig erleichtert, Shanghai schon wieder so früh zu verlassen und zwar der Himmel. Während der olympischen Spiele haben die Kommentatoren in Peking ja doch des Öfteren den grauen, mit Smog belasteten Himmel beklagt und ich muss sagen Shanghai ist da leider keinen Deut besser. Weder in den ersten beiden Tagen die ich in Shanghai verbracht habe, noch an dem darauf folgenden Wochenende an dem ich wieder nach Shanghai zurückgeflogen bin, habe ich auch nur eine Sekunde einen blauen Himmel gesehen. Wenn es jetzt die ganze Zeit bewölkt und verregnet gewesen wäre so könnte man da ja nichts weiter sagen, denn dann haben wir auch in Deutschland einen grauen Himmel, aber in Shaghai ist es eindeutig die Luftverschmutzung die für den grauen Schleier über der Stadt verantwortlich ist. Ich kann mir vorstellen, dass man sich daran mit der Zeit gewöhnt wenn man in Shanghai lebt, aber auf Dauer stelle ich mir das doch auch recht belastend vor und ich würde mich nicht wundern, wenn der Ein oder Andere davon depressiv wird.
So, dies möchte ich an dieser Stelle schon einmal vorwegschicken und von meinen ersten Eindrücken aus Kunming, sowie meinem ersten Wochenende in Shanghai folgt dann mehr in den kommenden Tagen.

(Bilder: 1) Taipei 101, 2) Buddhistischer Tempel in Taipei, 3) Grauer Alltag in Shanghai, 4) Ein Gefühl von Heimat)

Freitag, 24. Oktober 2008

Good Bye Philippinen

Wir haben heute Sonntag den 26. Oktober und am Freitag war mein letzter Tag auf den Philippinen. Ich sitze derzeit im Hotel in Taipei, wo ich das Wochenende verbringe und lasse gerade einmal die vergangenen 7 Wochen Revue passieren. Meinen Abflug am Freitag aus den Philippinen habe ich mit gemischten Gefühlen empfunden. Auf der einen Seite ist das Land doch ein wenig chaotisch, unterentwickelt und die ständigen Temperaturen über 30 Grad verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit können auf Dauer doch recht belastend sein. Andererseits hat mir die Zeit jedoch sehr gut gefallen, wie es zuvor vermutlich nur meine Zeit in Costa Rica getan hat. Hervorzuheben sind dabei 2 Dinge: Die zahlreichen wunderschönen Strände die das Land zu bieten hat und insbesondere die MENSCHEN hier. Die Freundlichkeit, die einem hier von den Menschen entgegengebracht wird ist wirklich einzigartig. Ich bin in den vergangenen 10 Monaten bei Coke und auch auf meinen Reisen zuvor, ja schon ein wenig in der Weltgeschichte herumgekommen, aber die Freundlichkeit der Menschen auf den Philippinen, habe ich zuvor wirklich noch nirgendwo sonst auch nur annähernd so erlebt. Das wird sicher eine der Dinge sein, die ich von den Philippinen im Gedächtnis behalten werde und aufgrund dessen ich eine Rückkehr auf die Philippinen nicht ausschließen würde. Aber nun gilt es ja zunächst noch von den zwei zurückliegenden Wochenenden zu berichten.

Vor 2 Wochen bin ich nach Brunei geflogen. Jetzt wird sich sicherlich der ein oder andere fragen, wo das denn liegt und warum man dort ein Wochenende verbringt. Zur ersten Frage kann ich sagen, dass es auf der Insel Borneo im südchinesischen Meer liegt und eingerahmt wird von Malaysia. Zur zweiten Frage weiß ich allerdings selbst keine vernünftige Antwort, denn Brunei hat nicht wirklich viel zu bieten. Die Entscheidung dorthin zu fliegen wurde eher spontan getroffen. Ich habe einen Kollegen (Sylvain), der Länder sammelt so wie andere Leute Briefmarken. Er zählt die Länder, die er in seinem Leben schon bereist hat und da er in Brunei noch nicht war, meinte er da müsse man unbedingt mal hinfliegen. Und so habe ich mich zusammen mit drei weiteren Kollegen kurzerhand dazu entschlossen mich anzuschliessen, ohne groß über das Ziel nachzudenken. Für einen unserer Kollegen war die Reise aber bereits am Check-In Schalter des Flughafens von Manila zu Ende. Der Grund ist, dass er sich nicht über die Visa-Bestimmungen informiert hat und als chilenischer Staatsbürger ein Visum benötigt, welches er natürlich nicht hat. Damit war die Absicht nach Brunei zu fliegen für ihn gestorben. Aber flexibel wie nun mal viele der Kollegen sind, ist er gleich im Anschluß an den Ticketschalter von Philippines Airlines gegangen und hat sich ein Ticket für Samstag morgen auf die Insel Boracay gebucht. Denn das Wochenende in Manila zu verbringen, ist halt doch zu langweilig. Für den Rest von uns ging es jedoch nach Brunei. Aufgrund der recht spärlichen Attraktionen in dem Land bestand unser Wochenende aus einer Dschungeltour am Samstag und einer Erkundung der Hauptstadt Bandar Seri Begawan am Sonntag. Das Einzige, das es in der Hauptstadt jedoch zu sehen gibt, sind zwei große Moscheen, denn das Land ist streng muslimisch. Die Moscheen sind aufgrund des Reichtum des Sultans von Brunei sehr prunkvoll und mit viel Gold ausgestattet und waren recht interessant. Der muslimische Glauben bringt mich aber auch gleich zum nächsten Punkt. Man bekommt in dem Land absolut keinen Alkohol. Egal ob man sich in einem Restaurant oder Hotel befindet, man hat keine Möglichkeit auch nur 1 Glas Bier oder Wein zu erhalten. Dementsprechend ist ein Nachtleben auch nicht existent in Brunei und das einzige Vergnügen, das man sich gönnt sind Kinos. Das Gesetz wird sogar so streng ausgelegt, dass es für Muslime nicht einmal gestattet ist Alkohol in das Land einzuführen. Dies gilt jedoch nicht für Angehörige anderer Konfessionen und so haben wir uns vorrausschauend wie wir sind, am Flughafen von Manila mit einer Flasche Bacardi eingedeckt. Und so haben wir am Samstag abend auf der Poolterrasse unseres Hotels gesessen und haben unseren eigens mitgebrachten Rum genossen. So kam zumindest ein wenig Freude auf. :-) Zusammenfassend muss man jedoch sagen, es war eher eines der nicht so spannenden Wochenenden und ich kann niemandem guten Gewissens empfehlen Brunei zu bereisen.

Das letzte Wochenende auf den Philippinen habe ich dann noch einmal dazu genutzt um die Schönheit des Landes zu genießen. In jedem Reiseführer der Philippinen und auch von den Kollegen die zuvor auf den Philippinen waren, wurde eine Insel immer wieder als absolutes Muss genannt: Palawan. Dort ging es daher auch hin und zwar nach El Nido. Vor der Küste El Nidos liegt das sogenannte Bacuit-Archipel, welches über 45 kleine Inseln verfügt, die jedoch über keine Zivilisation verfügen. Lediglich auf zwei der Inseln liegt jeweils ein wunderschönes Resort. An dieser Stelle muss ich bereits vorwegnehmen, ich glaube an diesem Wochenende habe ich den schönsten Flecken Erde gesehen an dem ich bisher gewesen bin. Uns stand am letzten Wochenende ein verlängertes Wochenende von 3 Tagen zur Verfügung, da wir einen Feiertag der auf den Philippinen am 1. Oktober war, auf den letzten Montag geschoben haben. Drei Tage sind auch mehr oder weniger notwendig, da die Anreise nach El Nido doch etwas beschwerlich ist. Es gibt keinen richtigen Flughafen in El Nido, sondern lediglich einen kleinen Landeplatz, der nicht einmal richtig asphaltiert ist. Die Landebahn besteht aus einer Mischung von Asphalt, Sand und Staub. Man keinen Flug dorthin direkt buchen. Der Flug wird vom Hotel organisiert wenn man eines der beiden Resorts bucht. Ich dachte ja bereits der Flieger nach Boracay war klein, doch ich wurde eines Besseren belehrt. Das Flugzeug nach El Nido verfügte über genau 16 Sitze, die Sicherheitseinweisung wurde aus Platzgründen bereits am Boden durchgeführt und zum Cockpit besteht keine abgetrennte Tür, sodass man dem Pilot während des ganzen Fluges bei seinen Aktivitäten zuschauen kann. Stewardessen oder Flugbegleiterinnen wie sie heute ja auch gerne genannt werden, gab es auch keine und so fiel dann dementsprechend auch der Service aus. Glücklicherweise habe ich die erste Reihe, direkt hinter dem Co-Piloten erwischt und so konnte ich den Flug sogar aus der Frontscheibe des Flugzeuges beobachten. Die Flughöhe ist bei gerade einmal 450km/h auch sehr gering und so hatte man einen herrlichen Blick auf die Inselwelt der Philippinen. Der Flug war an der ein oder anderen Stelle schon ein wenig unruhig und insbesondere der Rauch/Qualm der aus dem Bodenbereich aufstieg war doch etwas beunruhigend. Man hatte uns aber vor dem Flug versichert, dass der Qualm normal sei und aufgrund der Klimaanlage entstehen würde. Nach der sicheren Landung auf der Feldpiste ging es dann mit einem Boot weitere 40 Minuten durch das Inselarchipel zu unserem Resort auf Miniloc Island. Das ganze Wochenende war ein Traum. Neben der Tatsache, dass das Resort herrlich in einer kleinen Bucht umrahmt von hohen, tropisch bewachsenen Felsen liegt, waren speziell die ganzen Aktivitäten und Leistungen die in unserem Paket inbegriffen sehr angenehm. Neben vielen sportlichen Aktivitäten wie Schnorcheln, Kayakfahren in kleinen Buchten mit kristallklarem und blau-grünlich schimmerndem Wasser, Windsurfen, Segeln, Beachvolleyball und Klettern hatte man auch durchgehend die Möglichkeit sich von einem der Boote des Resorts auf eine der anderen Inseln fahren zu lassen, wo die Resorts kleine private Strände besitzen. Selbstverständlich verfügen diese Strände über alle Eigenschaften, die man von einem paradiesischen Strand erwartet. Weißer Sand, palmengesäumt, kristallklares Wasser, komfortable Liegen, überdacht von kleinen schattenspendenden Holzhütten, einer Bar, die einen mit allen gewünschten Getränken versorgt und natürlich Sonne ohne Ende. Zudem hat man die Möglichkeit das Mittagessen an einem der Strände einzunehmen, sodass man nicht zurück zum Resort fahren muss. An einem der von uns besuchten Strände (Entalula Island), geschieht dies in Form eines Picknicks im japanischen Stil, mit Sitzkissen und niedrigen Tischen und frisch am Strand gegrilltem Fleisch und Fisch. Die andere Insel (Pangulasian Island) bietet einen kleinen offenen Restaurantbereich, in dem ein Buffet angeboten wird und wiederum frisch gegrillter Fisch, Garnelen, Beef und Hühnchen.
Der einzige Nachteil, den man eventuell erwähnen könnte ist, dass ein Nachtleben nicht vorhanden ist, bedingt vielleicht auch dadurch, dass die Resorts bevorzugt von koreanischen und japanischen Hochzeitsreisenden besucht werden. Aber wenn man dort hinfliegt sucht man auch nicht in erster Linie Party, sondern eher Erholung. Und wenn man die Möglichkeit hat an diesem himmlischen Ort ein paar Tage zu verbringen, dann genießt man es einfach mal mit einem Buch unter Palmen zu liegen und die Seele baumeln zu lassen. Ich kann abschließend sagen, dass war ganz gewiss das bisher schönste Wochenende, dass ich in den letzten 10 Monaten erlebt habe und ich würde wenn sich die Gelegenheit bietet, ohne zu überlegen wieder dort hinfliegen.
Aber nun ist die Zeit auf den Philippinen ja erst einmal vorbei und ich schaue voraus, auf das was mich in den kommenden 8 Wochen in China erwartet.

(Bilder: 1) Brücke durch den Dschungel Bruneis, 2) Sultan Omar Ali Saifuddin Moschee, 3) Weitere Moschee Bruneis, 4) 16-Sitzer nach El Nido, 5) Resort in El Nido, 6) Einer der unzähligen schönen Strände, 7) Palmenstrand auf Pangulasian Island, 8) Sonnenuntergang vom Boot aus gesehen)

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Hong Kong - Da gewesen und doch nichts gesehen

Ich hatte mich ja so auf Hong Kong gefreut und es haette auch so schoen sein koennen, doch leider wurde mir da ein Strich durch die Rechnung gemacht. Denn am Donnerstag abend begann sich bei mir in der Magendgegend ein seltsames Gefuehl breit zu machen. Und am Freitag lag ich dann leider mit Magen-Darm-Infekt im Bett und musste die Arbeit zunaechst einmal streichen fuer den Tag. Das waer ja noch nicht weiter tragisch gewesen, haette da nicht das Wochenende vor der Tuer gestanden und der Abflug nach Hong Kong um 19.10 Uhr. Ich fuehlte mich an dem Tag auch wirklich dreckig und musste mich mehrere Male uebergeben und so kam mir auch der Gedanke, den Trip einfach abzusagen und das Wochenende in San Fernando zu verbringen. Doch letztendlich war das Flugticket ja bereits bezahlt und fuer eine Rueckerstattung war es bereits zu spaet. Zudem war ich ja nach wie vor voller Hoffnung, dass es Samstag ja vielleicht schon wieder besser ist und ich die 2 Tage in Hong Kong doch in vollem Umfang geniessen kann. Doch daraus wurde leider nichts, denn auch den sonnigen Samstag habe ich im Hotelzimmer verbracht und lediglich einmal fuer einen 15 minuetigen Spaziergang an der Hafenpromenade verlassen. Erst am Sonntag morgen nachdem ich um 11 Uhr aufgestanden bin, ging es mir wieder besser, doch zu meinem Pech hat es an diesem Tag auch noch geregnet. Na ja, fuer ausgiebige Erkundungen Hong Kongs war es ja eh zu spaet, da ich gegen 16 Uhr schon wieder in Richtung Flughafen aufbrechen musste. Also dachte ich mir, mach das beste aus der Situation und dem Wetter und nutze die verbliebene Zeit zum Shoppen. Hong Kong ist ein absolutes Shopping-Paradies und insbesondere fuer Elektro-Artikel ist es vermutlich einer der weltweit besten und vor allem guenstigen Orte. Egal ob Computer, Kamera, Hifi oder Handy, die Preise dort sind nicht zu schlagen. Und so habe ich mein Gepaeck zumindest ein klein wenig erweitert. Danach ging es dann auch schon wieder zum Flughafen, aber passend zu meinem Glueck des Wochenendes erst mit zwei Stunden Verspaetung wieder in Richtung Manila. Tja, das war mein Wochenende in Hong Kong. Sicherlich nicht das was ich mir davon versprochen hatte, denn auf den ersten Blick bei der Ankunft sah die Stadt wirklich beeindruckend aus, aber es sollte sich doch eigentlich waehrend meines naechsten Einsatzes in China, der bis kurz vor Weihnachten andauert noch einmal die Moeglichkeit ergeben einen Abstecher nach Hong Kong zu machen.

Am Montag morgen ging es dann zunaechst zur chinesischen Botschaft in Manila, denn ohne Visum duerfte es schwer werden nach China einzureisen. Unser fahrer, den wir beauftragt hatten die Oeffnungszeit der Botschaft in Erfahrung zu bringen, meinte sie wuerde bereits um 7 Uhr oeffnen. Das erschien mir zwar ein wenig merkwuerdig, denn fuer gewoehnlich oeffnen Botschaften erst so gegen 9 Uhr, doch er war fest davon ueberzeugt, dass die Tore bereits um 7 Uhr aufgehen. Wir also um 6.45 dort angekommen und welch Wunder, die Botschaft oeffnet erst um 9 Uhr. Letztendlich hat sich unsere fruehe Ankunft aber als garnicht schlecht herausgestellt, denn vor uns warteten bereits ca. 40 Personen auf den Einlass. Und als 2 Stunden spaeter zumindest die Tueren zum Vorraum geoffnet wurden, standen geschaetzte 300 Personen in Zick-Zack Schlange vor der Tuer. Wir haben also das Beste aus unserer Situation gemacht, haben einen Kollegen in die Schlange gestellt und die anderen haben 1,5 Stunden beim Starbucks an der Ecke verbracht. Na ja, um die Geschichte ein wenig zu verkuerzen, wir sind letztendlich alle an unser Ziel gekommen und hatten das Vergnuegen zu einem der freundlichen Beamten zu sprechen, doch unser Visum haben wir dennoch nicht. Denn leider stellt sich die Beantragung des Visums als recht problematisch heraus. China hat anlaesslich der Olympischen Spiele die Regeln fuer die Beantragung eines Visums verschaerft. Fuer die Ausstellung eines Business-Visum verlangen die Botschaften neuerdings ein Einladungsschreiben vom chinesischen Aussenministerium, was durch den Arbeitgeber dort beantragt werden muss. Der Clou ist allerdings, will man das Visum in einem anderen Land als seinem Heimatland beantragen, so benoetigt man in dem dortigen Land eine Arbeitserlaubnis oder eine Aufenthaltserlaubnis. Doch dummerweise besitze ich in den Philippinen weder das Eine noch das Andere, denn wir sind ja schliesslich nur fuer ein 8-woechiges Projekt hier. Daher laeuft es nun letztendlich darauf hinaus, dass alle ihr Visum im jeweilige Heimatland beantragen muessen. Doch da kommt der naechste Witz... denn Beantragungen fuer ein Visum werden nicht auf dem Postweg angenommen. Zum Glueck besteht zumindest in Deutschland die Moeglichkeit jemandem eine Vollmacht fuer die Beantragung in meinem Namen zu erteilen, sodass mir wahrscheinlich zumindest der Flug nach Deutschland, um anschliessend direkt wieder nach China zu fliegen, erspart bleibt. Fuer andere Kollegen sieht es da aber wohl nicht so gut aus, d.h. der ein oder Andere wird vermutlich nach Hause reisen muessen, um das Visum zu erhalten. Na ja, schauen wir mal was da noch auf uns zukommt und ob wir alle wie geplant am 26.10. unsere Zelte in Shanghai aufschlagen.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Boracay & Bohol

Es ist inzwischen schon fast die Hälfte meiner Zeit auf den Philippinen verstrichen und es wird Zeit für meinen zweiten Bericht. Nach nunmehr gut 3 Wochen muss ich wirklich sagen, dass es mir sehr gut hier gefällt. Hätte mir jemand vorher gesagt, du musst mal auf die Philippinen reisen, wäre ich sicher nicht gerade begeistert gewesen. Die Philippinen standen auf meiner Reisehitliste nicht wirklich weit oben, dies aber vollkommen zu Unrecht und vermutlich eher aufgrund der Tatsache, dass die Philippinen als Reiseziel noch eher unbekannt sind. Wenn man primär auf der Suche nach Kultur und historischen Sehenswürdigkeiten ist, dann haben die Philippinen in der Tat nicht viel zu bieten. Dafür macht das Land dies aber locker wett aufgrund seines Reichtums an wunderschönen Stränden, tropischer Natur und ganzjährig sommerlichem Wetter. Es ist zwar noch bis Ende Oktober Regenzeit hier, aber das bedeutet nicht, dass es ununterbrochen regnet. Es regnet zwar immer mal wieder und das auch nahezu täglich, aber dies dann auch nur für einige Minuten bis maximal 1 oder 2 Stunden. Wenn der Regen dann wieder abgezogen ist, kommt auch schnell wieder die Sonne raus und die Temperaturen sinken selten unter 30 Grad. Wenn es allerdings regnet, dann aber auch richtig und es kommt aufgrund des eher bescheidenen Kanalisationssystem schnell mal zu überfluteten Strassen. So kam es dann auch, dass wir bereits einmal auf der Heimfahrt vom Office zum Hotel plötzlich mitten im ca. 40 Zentimeter hohen Wasser standen und unser Fahrer besorgt war, dass ihm der Motor gleicht absäuft. Aber es ist noch mal alles gut gegangen, lediglich die Heimfahrt hat dann halt mal 1,5 Stunden gedauert für die 15 Kilometer Distanz. War aber auch witzig, denn man erlebt es halt doch nicht alle Tage von einem Moment auf den anderen tief im Wasser zu stehen und nichts bewegt sich mehr auf den Strassen.
Die vergangenen beiden Wochenenden waren auch wieder sehr erlebnisreich. Zunächst ging es nach Boracay, einer kleinen Insel in der Mitte der Inselgruppe. Boracay ist bekannt für seine ausgezeichneten Stränden, was es aber auch gleichzeitig zum touristischen Mittelpunkt der Philippinen macht und daher ein wenig überlaufen ist. Hinzu kommt, dass der letzte schwere Taifun im Juni diesen Jahres die Insel doch ordentlich mitgenommen hat und der Strand an der ein oder anderen Stelle noch ein wenig unaufgeräumt wirkt. Dennoch haben wir (Martin, Gaston und Ich) das Wochenende genossen. Wir haben unsere Zeit in einem klasse Beach Resort verbracht mit Zimmern, die über Terrassen mit direktem Zugang zum Pool verfügen. Dort haben wir auch die meiste Zeit des Wochenendes verbracht, bedingt auch dadurch, dass das Meer aufgrund starken Windes eher rau war und überwiegend im Besitz der Kitesurfer war.
Erwähnenswert ist aber noch die Anreise nach Boracay. Die Insel verfügt über keinen eigenen Flughafen und auch der Flughafen auf der Nachbarinsel ist eher mit einem Flugplatz für Segelflugzeuge vergleichbar. Der Flughafen verfügt lediglich über eine kleine Landebahn und ein noch viel kleineres Flughafengebäude, so dass Flugzeuge normaler Größe keine Möglichkeit haben dort zu landen. Daher ging es mit einem kleinen Flieger, der über geschätzte 50 Sitzplätze verfügt von Manila in Richtung Boracay. Doch selbst für Flieger dieser Größenordnung ist die Landebahn eher kurz und der Pilot muss über ausreichend Erfahrung verfügen um dort zu landen. Als ich im Landeanflug die Landebahn zum ersten Mal gesehen habe, war ich doch zunächst ein wenig erschrocken über die Kürze der Bahn die am Ende direkt ins Meer mündet. Dies hat zur Folge dass der Flieger direkt am Anfang der Bahn aufsetzen muss und stark bremsen muss, um rechtzeitig zum Stillstand zu kommen und kein Bad zu nehmen. Und das hat er dann auch getan! Mit einem ordentlichen Knall, wie ich es zuvor noch nicht erlebt habe, hat der Flieger aufgesetzt und ist dann extrem in die Eisen gegangen. Anschließend ging es dann mit einem kleinen Bus zum Meer, wo man auf ein kleines Fischerboot umsteigen musste, um nach Boracay zu gelangen. Habe aber alles heil überstanden und so konnte ich ein herrliches Wochenende verbringen, ohne an den bevorstehenden Rückflug zu denken, der aufgrund starken Windes und heftiger Turbulenzen noch einmal ganz schön ungemütlich wurde. Aber zum Glück dauerte der Flug ja nur 50 Minuten.
Am vergangenen Wochenende sind wir dann mit einer großen Truppe von 12 Mann in Richtung Bohol aufgebrochen, der 10größten Insel der Philippinen. Da die Flugverbindungen dorthin jedoch nicht so gut sind, haben wir uns entschlossen am Freitagabend zunächst einmal nach Cebu City zu fliegen, was auf der gleichnamigen Nachbarinsel Cebu liegt und dort die erste Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen sollte es dann per Fähre nach Bohol gehen. Nun gut, das klingt ja alles nach einem einfachen Plan, dummerweise hat sich aber keiner so richtig um die Abfahrtszeiten der Fähren gekümmert. Wir also Samstagmorgen um 8.30 Uhr erst einmal gemütlich zum Frühstück gegangen, als plötzlich einer unserer Kollegen in den Frühstückssaal kam und meinte wir müssten sofort los. Der Grund dafür, die letzte Fähre am Morgen geht um 9.20 Uhr, ansonsten müssten wir bis 13 Uhr warten. Und damit war die morgendliche Entspannung abrupt unterbrochen. Wir also allesamt schnell ausgecheckt und da die ganze Truppe zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden ist, gefrühstückt und ausgecheckt hat, sind wir in 4 zeitversetzten Trupps mit Taxen losgedüst Richtung Hafen. Als wir am Fährhafen angekommen sind waren zwei Kollegen bereits auf der Fähre und 4 weitere Kollegen warteten auf uns (ich befand mich mit drei weiteren Kollegen im 3. Taxi) am Eingang des Hafengebäudes. Der nächste Schritt war der zügige Gang zum Ticketschalter, denn inzwischen zeigte der Tacho schon 9.15 Uhr an. Der freundliche Herr am Ticketschalter machte uns dann jedoch klar, dass die Fähre nahezu voll sei und er nur noch 5 Tickets übrig habe. Das war an diesem Punkt dann mein Aus, denn auch gutes Zureden und ein diskreter Bestechungsversuch mit umgerechnet 20 Dollar (was für philippinische Verhältnisse verdammt viel Geld ist) konnten den guten Mann nicht umstimmen. Und so verabschiedeten sich 5 weitere Kollegen in Richtung Fähre und ich bin mit einem weiteren Kollegen und seiner Frau zurückgeblieben, mal abgesehen von zwei weiteren Kollegen die sich noch im Taxi befanden und in 5 Minuten am Hafen erscheinen sollten. Seltsamerweise kam dann 2 Minuten später doch noch jemand auf uns zu und meinte es wären jetzt doch noch 4 Tickets zu haben. Das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen und haben direkt zugeschlagen. Am Bootssteg angekommen hatte der gute Frachter dann witzigerweise schon zum Ablegen angesetzt und der Abstand zwischen Steg und Fähre betrug bereits knapp 20 Zentimeter. Wir also schnell unsere Koffer und Taschen (war ja zum Glück nur Wochenendgepäck) einem der „Matrosen“ zugeworfen und mit einem beherzten Sprung haben wir die Fähre geentert, wie im besten Piratenstreifen. Klingt alles ziemlich unglaubwürdig und hätte ich es nicht selber erlebt, so würde ich selbst daran zweifeln. Wir waren natürlich überglücklich, dass wir es noch zu Stande gebracht haben auf der Fähre zu sein und die anderen Kollegen haben auch nicht schlecht gestaunt, als wir plötzlich doch noch zur Tür reinkamen. Nichtsdestotrotz mussten zwei Kollegen in den sauren Apfel beißen und mussten bis zur nächsten Fähre um 13 Uhr warten, um dann die 2 Stunden Fahrtzeit zurückzulegen. Die beiden Kollegen hätte sich jetzt natürlich überlegen können, ob sie nicht gleich auf Cebu bleiben, da sich die Überfahrt ja fast gar nicht mehr lohnte. Das ging aber nicht, denn den Rückflug am nächsten Tag hatten wir von Tagbilaran auf Bohol gebucht. Es blieb den Beiden also nichts anderes übrig als bis 13 Uhr zu warten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon in unserem traumhaften Beach Resort auf Panglao Island angekommen. Jetzt wird sich der ein oder andere fragen… Panglao Island? Schon wieder ne andere Insel? Ich dachte die wollten nach Bohol? Ist auch richtig unser Resort für die zweite Nacht war allerdings auf Panglao Island, welche alber direkt neben Bohol liegt und mit einer kurzen Brücke, vergleichbar mit einer Rheinbrücke zwischen Neuss und Düsseldorf, verbunden ist. Panglao Island ist insbesondere für seine schönen Stränden und guten Tauchgründe bekannt und da lag es halt nahe, die Nacht dort zu verbringen. Den Samstag haben wir dementsprechend auch ganz entspannt am weißen Strand mit seinem kristallklaren Wasser und den Schatten spendenen Palmen verbracht. Der eigentliche Grund für den Trip nach Bohol war aber ein Anderer, denn Bohol ist insbesondere für zwei Dinge bekannt: 1. Die „Chocolate Hills“, eine kurios wirkende Beulenlandschaft, die aus über 1200 Hügel besteht und 2. Der „Tarsier“ oder auch „Koboldmaki“, die mit ca. 15cm Körpergröße kleinste Affenart der Welt. Dieses Programm hatten wir uns daher für Sonntag vorgenommen. Da den meisten allerdings der Strand und das Hotel so gut gefallen hat, ist am nächsten Morgen nur eine Truppe von 4 Personen in Richtung der genannten Attraktionen aufgebrochen. Ich hatte zwar auch kurzzeitig überlegt im Hotel zu bleiben, aber einen relaxten Tag am Strand kann man halt immer wieder machen. Doch wann hat man mal die Möglichkeit die kleinste Affenart der Welt zu sehen, dessen Augen größer als sein Gehirn sind. Sonntag morgen ging es daher also für Diego (Spanien), Sylvain (Frankreich), Nacho (Mexiko) und mich in einem Kleinbus ins Inselinnere. Das erste Etappenziel waren die Chocolate Hills. Dort angekommen meinte Nacho er hätte noch eine Überraschung parat. Nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen waren, ging es die Treppen zur Aussichtsplattform hoch und Nacho schleppte seinen Koffer mit. Keiner wusste was das soll und das sollte sich auch erst ändern als wir oben angekommen waren und er seinen Koffer öffnete. Denn dort kamen dann zahlreiche Kostüme und Perrücken zum Vorschein und Nacho war der festen Überzeugung wir sollten mal nicht einfach die üblichen Fotos machen, sondern etwas Verrücktes. Das dieser kleine mexikanische Kauz ein wenig verrückt ist, war mir ja schon bekannt, aber wie durchgeknallt er ist, wurde mir erst dort oben bewusst. Und so genossen wir dann also die Aussicht auf die Chocolate Hills und schossen verrückte Fotos mit Koboldmütze, Weihnachtsmannmütze, Hexenhut, blondem Haar, schwarzem Haar, vielen anderen Kopfbedeckungen und selbst Feenkostüm mit blauen Flügelchen und Zauberstab. Der Sinn dieser ganzen Aktion ist mir zwar bis heute verborgen geblieben, aber zumindest waren wir an diesem Tag die Attraktion für die vielen anderen Besucher vor Ort und auch unsere Lachmuskeln wurden ordentlich beansprucht.
Zurück im Bus ging es dann zu den Tarsier, die nur wenige Minuten von den Chocolate Hills entfernt sind. Diese Affen waren wirklich zu putzig und man hätte am liebsten eine der kleinen, flauschigen , tamagotchi-ähnlichen Gestalten mitgenommen, da diese aber vom Aussterben bedroht sind, wäre das sicherlich keine so gute Idee gewesen. Nach den Affen ging es dann noch zum Lobok-Fluss auf dem wir eine 1stündige Flussfahrt auf einem schwimmenden Restaurant inklusive Mittagessen genießen konnten. Die Fahrt ging mitten durch tropische Vegetation, vorbei an kleinen Hütten der Einheimischen und stoppte zudem an einem kleinen Dorf wo uns ein Orchester einheimischer Kinder mit seinen für Bohol so typischen Gitarren eine kleine Kostprobe ihres Könnens dargeboten hat.
Danach war es inzwischen auch schon Nachmittag geworden und wir mussten wieder in Richtung Flughafen aufbrechen, wo wir dann die anderen Kollegen getroffen haben, um unseren Rückflug gemeinsam anzutreten. Alles in allem muss man sagen, dass dieser Sonntag, vermutlich der bisher spannendste und abwechslungsreichste Tag auf den Philippinen war. Aber das nächste Wochenende naht ja auch schon wieder, an dem es dann raus aus den Philippinen und ab in die Megametropole Hong Kong geht. Davon dann mehr beim nächsten Mal.

(Fotos: 1) Flieger nach Boracay, 2) Boracay Regency Resort, 3) Beach Resort auf Panglao island, 4) Strand des Beach Resort, 5) Chocolate Hills, 6) Verrueckte Kollegen bei den Chocolate Hills, 7) oeffentliche verkehrsmittel auf philippinisch, 8) Der Koboldmaki... 9) ... und nochmal auf meiner Schulter, 10) Bootstour auf dem Lobok River)