Die Zeit in Indien ist ueberstanden und mir faellt ein riesiger Stein vom Herzen. Die vergangenen 8 Wochen stellten wirklich eine Bewaehrungsprobe dar und man musste das ein oder andere Mal an seine nervlichen Grenzen gehen. Manch einer wird sagen, auch eine solche Erfahrung muss man einmal mitmachen... ja richtig, aber dafuer haetten mir auch schon 2 oder 3 Wochen gereicht. Wie auch immer, nun es ist ja ueberstanden und ich kann mit dem Kapitel abschliessen und positiv nach vorne schauen. Aber zunaechst einmal gilt es noch vom letzten Wochenende zu berichten.
Fuer die letzte Woche hat sich das gesamte Team zwecks Abschlussarbeiten des Audits wieder in Delhi zusammengefunden. Die Anreise nach Delhi am Freitag haette ich mir allerdings gerne erspart. Da wie zuvor ja bereits mehrfach berichtet, die Flugv

erbindungen aeusserst bescheiden sind, mussten wir zunaechst einmal nach Bangalore fliegen. Das liegt dummerweise aber weit im Sueden des Landes und somit garnicht auf dem Weg nach Delhi, welches im Norden liegt. Man kann das in etwa damit vergleichen wenn man von Duesseldorf nach Hamburg moechte, aber einen Zwischenstop in Muenchen einlegen muss. Sehr vorteilhaft! Der Flug von Vijayawada nach Bangalore hat bereits 2 Stunden gedauert, dort hatten wir dann 2 Stunden Aufenthalt und anschliessend ging es weitere 2 Stunden Flugzeit nach Delhi. Vorausgesetzt das Wetter ist in Ordnung. Bei unserem Pech gab es jedoch leider ein kleines Unwetter in Delhi, sodass wir 40 Kilometer vor Delhi eine Stunde lang schoen im Kreis geflogen sind, bis wir die Landeerlaubnis erhalten haben. Anschliessend noch im obligatorischen Immigration-Bereich anstellen fuer den Stempel im Reisepass und eine 40 minuetige Fahrt im Schrotttaxi zum Hotel

verbringen und schon hat mein sein Ziel (gerechnet vom Abflug in Vijayawada) nach 8 Stunden erreicht. Wenn man bedenkt, dass ein Flug von Deutschland nach Indien weniger Zeit in Anspruch nimmt, dann kann man vielleicht nachvollziehen, dass einen das Leben in Indien manchmal echt zum Wahnsinn treibt.
Da Delhi und Mumbai flugtechnisch die Knotenpunkte Indiens sind, hatte ich das Wochenende die Moeglichkeit, das Land einmal fuer 2 Tage zu verlassen. Und so habe ich mich entschlossen, einen Abstecher nach Kathmandu in Nepal zu machen. Die schoensten Seiten des Landes sind sicherlich die Gebiete des Himalaya, mit dem Mount Everest und vielen weiteren der weltweit hoechsten Berge, aber dafuer bietet ein Wochenende leider nicht ausreichend Zeit. Es werden dort herrliche Trekkingtouren angeboten, von denen ich viele Bilder gesehen habe. Eine davon fuehrt beispielsweise zum Basislager des Mount Everest auf 5600m Hoehe und dauert ca 2 Wochen und wer weiss, vielleicht ist das ja ne Idee fuer einen Trip in der Zukunft, wenn man mal etwas mehr Zeit hat als nur ein Wochenende. Aber fuers Erste habe ich mich halt einmal mit der Hauptstadt Kathmandu begnuegt. Auf den ersten Blick, hat Kathmandu zunaechst viel mit Indien gemein. Auch Kathmandu ist laut und an vielen Stellen dreckig, der Verkeh

r ist aehnlich chaotisch und die Armut des Landes ist staendig spuerbar. Beim zweiten Betrachten jedoch erkennt man die Unterschiede. Das Leben geht gemuetlicher zu, die Bevoelkerungsdichte ist wesentlich geringer und die umliegende Natur mit Bergen und viel Gruen ist deutlich ansprechender als viele Teile Indiens. Angekommen in Nepal sind wir (ein deutscher Kollege hat mich begleitet, der sonst eigentlich ausschliesslich auf Audits in Deutschland arbeitet und fuer die 2 Monate einen Gasteinsatz im International Department gemacht hat) Samstag morgen um 8.15 Uhr. Dafuer mussten wir allerdings bereits um 6.30 Uhr den Flug in Delhi nehmen und haben unser Hotel in Richtung Flughafen um 3.30 verlassen. Dennoch haben wir diesen Flug anderen Fluegen vorgezogen, da wir somit nahezu 2 volle Tage fuer Kathmandu zur Verfuegung hatten.
Den Samstag haben wir genutzt, um das Zentrum Kathmandus zu erkunden. Allerdings war es zunaechst garnicht

so einfach dorthin zu gelangen. In Nepal wurde kuerzlich der Koenig abgesetzt und es gibt immer mal wieder ein paar Unruhen und Proteste. Und gerade an diesem Wochenende sind viele auf die Strassen gegangen um gegen zu hohe Preise und sonstiges zu protestieren und haben die Hauptverkehrswege blockiert. Und so versuchte uns der Fahrer vom Hotel ueber Nebenstrassen und Feldwege ins Zentrum zu bringen. Er hat es auch fast geschafft, 1 Kilometer vorm Ziel war dann aber kein Durchkommen mehr und wir mussten den Rest des Weges zu Fuss zuruecklegen, was aber zu verschmerzen war. Ausser diesen kleinen Problemen hat man aber nichts von Unruhen mitbekommen und man hatte zu keiner Zeit das Gefuehl, dass die Stadt unsicher sei.
Kathmandu hat viele historische Hindu-Tempel und diese waren unser primaeres Ziel fuer den Tag. Die Tempel sind auch wirklich sehr interessant, leider fehlt dem Land aehnlich wie Indien ein wenig der Sinn dafuer seine historischen Staetten zu pflegen und sauber zu halten. Und so lag leider recht viel Muell herum und die Tauben haben die Tempelanlagen vollgesch... Hinzu kommt, dass zumindest in Europa die meisten touristischen Attraktionen zur Fussgaengerzone erklaert wurden und man somit in Ruhe umherschlendern kann. Nich

t so allerdings in Nepal, hier sausen Fahrraeder, Roller, Motorraeder und Autos um einen herum und man muss beim Fotografieren der Tempel aufpassen, dass man nicht platt gemacht wird. Nachmittags sind wir dann wieder zurueck zum Hotel, wofuer wir den Fahrer des Hotels angerufen haben, da Taxis aufgrund der Proteste nicht unterwegs waren. Der hat uns dann vorgeschlagen noch einen kurzen Abstecher bei einer weiteren Tempelanlage zu machen, die zu einer der heiligsten Staetten Nepals gehoert. Und was uns da erwartet hat, war wirklich einen Stop wert. Neben den obligatorischen Tempelgebaeuden laeuft durch die Anlage ein kleiner Fluss, dessen Wasser als heilig gilt. Und so werden hier arme Leute, die sich keine klassische Beerdigung und ein Grab leisten koennen, am Ufer des Flusses verbrannt. Ja ihr habt richtig gehoert... verbrannt! Und das oeffentlich fuer jedermann. Man kann sich ganz in Ruhe an

s Ufer des Flusses setzen und der Verbrennung zusehen. Und das passiert hier nicht etwa 2 oder 3 mal am Tag sondern im Minutentakt. Wir waren etwa 20 Minuten vor Ort und allein in dieser Zeit haben wir beobachten koennen wie drei weitere Tote herangetragen wurden. Die maennlichen Familienangehoerigen tragen den Verstorbenen in einem weissen Leinentuch ans Ufer, wo Holzscheite zu einer Art Bett aufeinandergestapelt sind. Dort wird der Verstorbene dann draufgelegt und anschliessend werden verschiedene spirituelle Rituale vollzogen, deren Sinn ich nicht so ganz nachvollziehen konnte. Zum Abschluss wird der Tote dann mit trockenem Stroh bedeckt und das Holz von unten angezuendet. Interessant war die Erklaerung unseres Fahrers, dass die Familienangehoerigen nach der Verbrennung fuer ein Jahr lang kein Fleisch mehr essen und ein Jahr lang ausschliesslich weisse Kleidung tragen. Auf der einen Seite war die Erfahrung einer oeffentlichen Verbrennung von Menschen zuzusehen doch sehr ungewoehnlich und der Geruch der in der Luft lag war auch recht unangenehm, andererseits war dies aber auch ein sehr interessantes und aufschlussreiches Erlebnis, dass mir von meinem Nepal-Trip vermutlich am staerksten im Gedaechtnis verankert bleiben wird.
Tja und nun sitze ich in Dubai und geniesse das Leben hier, das mit seinem Luxus in volligem Kontrast zu allem was ich Indien erlebt habe steht. Von Dubai gibt es dann naechste Woche mehr, wenn ich wieder zurueck in Good Old Germany bin.