Montag, 5. April 2010

Tokyo - Megametropole im Land der aufgehenden Sonne

Eigentlich wäre es ja bereits Zeit nach zwei Wochen in Johannesburg meinen ersten Bericht aus Südafrika zu posten, aber da ich mal wieder ein wenig im Verzug bin, möchte ich zunächst noch einen Bericht von Tokyo einschieben.
Als der Abflug aus Atlanta bevorstand war ich dann doch recht glücklich darüber. Zwei Wochen für unsere alljährliche Konferenz und sieben Wochen für das Sonder-Projekt waren dann doch genug. Atlanta ist zwar nicht sooo schlecht, aber es ist halt doch nicht New York oder San Francisco. Nach einigen Wochen wird es dann doch langweilig und das Wetter war für die Südstaaten extrem kalt. Wir hatten einige Male Schneefall und die Temperaturen lagen überwiegend zwischen 0 und 5 Grad Celsius, was für Atlanta schon wirklich ungewöhnlich ist.
Ich war also bereit für mein nächstes Ziel, Tokyo. Und darauf war ich auch sehr gespannt, denn von allen Kollegen die zuvor schon einmal dort waren habe ich nur sehr positives gehört. Die einzige Hürde die ich zunächst einmal nehmen musste, war ein 14 Stunden langer Flug, nonstop von Atlanta nach Tokyo. Das war bisher mein längster nonstop Flug überhaupt, aber eigentlich habe ich ihn ganz gut überstanden. Nach 1 Stunde lesen, einem guten Lunch an Bord und zwei unterhaltsamen Hollywoodfilmen konte ich dann recht gut schlafen und erst etwa eine Stunde vor Ankunft wurde ich wieder wach. Tja, Business Class ist halt doch etwas anderes. In der Economy Class möchte ich mir diesen langen Flug ungerne antun. Denn neben den 14 Stunden Flugzeit muss der Körper sich zudem noch auf 14 Stunden Zeitunterschied zwischen Atlanta und Tokyo einstellen. Das geht schon ein wenig an die Substanz. Glücklicherweise bin ich bereits Freitag morgen geflogen und somit am Samstag nachmittag gegen 16 Uhr in Tokyo gelandet, was mir dann wenigstens noch den Sonntag gab, um den Jetlag einigermassen zu verarbeiten. Doch angekommen am Airport ist der Trip noch nicht vorbei. Denn der Flughafen in der Megametropole Tokyo liegt dermaßen weit außerhalb der Stadt, das es zwei Stunden dauert bis man mit dem Airport Shuttle das Stadtzentrum erreicht. Verständlicherweise war ich an dem Samstag ganz schön erschlagen.
Den Sonntag wollte ich dann aber nicht verpennen, denn schließlich wollte ich ja Tokyo erkunden. Angefangen habe ich mit den historischen Teilen Tokyos, mit seinen Tempeln und Pagoden, um auch ein wenig die traditionellen Seiten Japans zu erahnen. Denn eigentlich ist Tokyo eher die extrem moderne, fortschrittliche Stadt, die überall von Elektronik- und Konsumtempeln geprägt ist und nachts von tausenden bunten und grellen Werbereklamen erleuchtet wird. Erinnert eher an Las Vegas als an Bilder aus ‚Der letzte Samurai‘. Wer das traditionelle Japan entdecken will reist lieber nach Kyoto, wo das kulturelle Herz Japans schlägt.
Von Montag bis Freitag musste ich dann zahlreiche Trainings für die Coke Mitarbeiter vor Ort abhalten, aber glücklicherweise, waren diese meist nur bis etwa 16 Uhr angesetzt, sodass ich gegen 17 Uhr schon wieder zurück im Hotel war. Dort habe ich mich aber auch nie lange aufgehalten, sondern habe versucht jeden Abend einen anderen Stadtteil Tokyos zu erkunden. Und das macht auch durchaus Sinn, denn jeder Stadtteil Tokyo ist irgendwie anders. In Akihabara tritt man aus der U-Bahnstation und findet sich umgeben von glitzernden Elektronikkaufhäusern, in den man über mehrere Etagen verteilt alles findet was das Technikherz begehrt. Dagegen ist ein Saturn oder Mediamarkt der reinste Tante Emma Laden. Shibuya ist der Spielplatz der Jugend von Tokyo, in dem man die ausgefallensten, skurilsten Klamotten findet und auch die Menschen die diese mit Stolz tragen. Ich würde den Modestil der Jugend dort ja gerne hier beschreiben, aber da fehlen mir einfach die richtigen Worte und wenn man es nicht gesehen hat, kann man es sowieso nicht richtig nachvollziehen. Ginza ist das Nobeleinkaufsviertel, das möchte man es beschreiben, am ehesten der Kö in Düsseldorf gleicht und wo man sich mit dem nötigen Kleingeld bei Gucci, Louis Vuitton und Armani ausleben kann. Azabujuban ist ein etwas ruhigeres Viertel, das kaum von Touristen angesteuert wird, das aber unter Einheimischen sehr beliebt ist und mit seinen zahlreichen Izakayas (japanische Kneipe) eine interessante Atmosphäre ausstrahlt und das ich nur entdeckt habe, weil es lediglich einen kurzen Spaziergang von meinem Hotel entfernt war. Shinjuku ist eines der Hauptviertel, wo das Nachtleben am intensivsten stattfindet. Roppongi ist das Party-Pendant für ausländische Touristen und Expats die dort leben. Dort findet man dann auch viele der amerikanischen Restaurantketten und Irish Pubs. Aber mal ehrlich, wer braucht das schon, wenn man an jeder Ecke die ausgezeichnete japanische Küche zu sich nehmen kann. Die mag vielleicht ein wenig teurer sein, aber dafür um Längen köstlicher als die fettigen Burger, Sandwiches und Chicken Wings die man in Ami-Buden wie TGIF, Ruby Tuesday und Co. erhält (an dieser Stelle spricht vermutlich die Stimme aus mir, die 9 Wochen in den USA war und kaum etwas anderes bekommen hat).
Tja, wie schon gesagt, die Küche ist ausgezeichnet und hat noch vieles mehr zu bieten als das klassische Sushi, an das jeder Deutsche denkt wen von japanischem Essen die Rede ist. Natürlich habe ich in der Woche auch Sushi zu mir genommen und zwar besser als je zuvor, aber daneben habe ich noch vieles mehr ausprobiert. An dieser Stelle möchte ich nur mal ein paar dieser Köstlichkeiten nennen, auch dadurch bedingt, dass ich viele Namen der Gerichte schon wieder vergessen habe. Shabu-Shabu ist eine simple, aber ausgezeichnete Idee, die unserem Fondue ähnelt. Man erhält einen heißen Pott auf offener Flamme, der mit Gemüse-/Hühner-/Rindfleisch- oder Fischbrühe gefüllt ist. Je nach Wunsch bestellt man dann verschiedenstes rohes Gemüse, hauchdünne Fleischscheiben oder Fisch und gart diese kurz in der kochenden Brühe. Anschliessend nur noch kurz in eine der zahlreichen köstlichen Sossen auf dem Teller tunken und dann im Mund zergehen lassen. Eine weiteres Highlight ist ein Kaiseki Gericht, die traditionellste Art eines japanischen Dinners. In einem traditionellen Restaurant wird man von Personal, das in Kimono gekleidet ist bedient und erhält zahlreiche Gänge (in meinem Fall 8 Gänge) mit kleinen Köstlichkeiten, die künstlerisch dekoriert und serviert werden. Ein solches Abendessen dauert schon mal gerne an die 2 Stunden, ist aber auf jeden Fall ein Erlebnis wert. Aufgrund des enormen Preis von um die 100 Dollar, sollte man sich dies jedoch für einen besonderen Anlass aufheben. Bei mir war dies mein Geburtstag, den ich glücklicherweise nicht allein feiern musste, sondern zusammen mit meiner japanischen Ex-Kollegin Miyuki die jetzt in Tokyo lebt. Auch immer wieder lecker und vor allem für japanische Verhältnisse günstig ist Ramen, eine simple Nudelsuppe mit viel Gemüse und Fleisch oder Fisch. Und natürlich gibt es noch vieles, vieles mehr. Wer mal ein Gefühl von japanischer Küche bekommen möchte, der sollte mal eines der vielen japanischen Restaurants auf der Klosterstrasse in Düsseldorf ausprobieren, wo es authentische japanische Gerichte gibt.
Was gibt es noch mehr von Tokyo zu berichten. Nun ja, da wäre zum Einen das ausgesprochen gut organisierte und effektive U-Bahn Netz. Mit der U-Bahn kommt man in Tokyo wirklich überall hin und die Pünktlichkeit ist einfach beeindruckend. Ich habe mir sagen lassen, dass die U-Bahn Fahrer nach ihrer Pünktlichkeit beurteilt werden und ich habe es in der Woche nicht einmal erlebt, dass ein Zug auch nur 1 Minute zu spät war. Vielleicht sollten wir mal ein Trainingslager in Japan für Mitarbeiter der Deutschen Bahn einrichten. Dann wäre da noch die ausgesprochene Höflichkeit der Japaner, die einem jede Frage mit einem Lächeln beantworten und der Service der einfach ungeschlagen ist. Menschen die morgens mit dem falschen Bein aufgestanden sind gibt es nicht und Trinkgeld anzunehmen wäre beschämend, denn der Japaner im Dienstleistungsgewerbe empfindet es als eine Ehre einen guten Service anzubieten und würde nie auch nur einen Euro Trinkgeld annehmen. Das ist schon etwas anderes als in den USA, wo man sich schon mal einen dummen Spruch anhören muss, wenn man nur 5-10% Trinkgeld auf die Restaurantrechnung hinzugibt. Ach und dann sind da noch die Getränkeautomaten, die überall in Tokyo in Massen über die Stadt verteilt sind und aus denen man die verschiedensten Getränke ziehen kann, anders als in Europa wo man zum Kiosk an der Ecke geht. Und die Krönung, die ich zuvor noch nie gesehen habe, waren Kühlschränke im Coke Office, ich betone Kühlschränke, aus denen man heißen Kaffee und Tee aus Dosen nehmen kann. Klingt gewöhnungsbedürftig? Ist es auch, aber trotzdem unheimlich interessant und so schlecht schmeckt der Kaffe aus der Dose garnicht einmal.
Das ist Tokyo, oder zumindest ein kleiner Ausschnitt davon und wem sich die Möglichkeit eines Besuchs ergeben sollte, nichts wie hin. Leider ist meine Zeit in Tokyo viel zu schnell herum gegangen, denn es gibt noch zahlreiche andere Stadtviertel zu erkunden, die ich mir aber aufgrund mangelnder Zeit wohl oder übel für den nächsten Besuch aufheben muss.

(Bilder: 1. Senso-ji Tempelanlage, 2. Akihabara, 3. Ginza, 4. Shibuya, 5. Skyline von Tokyo, 6. Kaiseki Dinner, 7. Coca-Cola Getränkemaschine)