Donnerstag, 12. November 2009

Peru

Zum ersten Mal in zwei Jahren bei Coca-Cola habe ich mir mal ne ganze Woche Urlaub gegoennt. Ich komme zwar das ganze Jahr in der ganzen Welt herum, aber immer nur fuer 2 Tage an den Wochenenden. Da bleibt einem nicht gerade viel Zeit ein Ziel zu geniessen. Daher habe ich es sehr genossen mal wieder ne ganze Woche Zeit zu haben. Da ich nun einmal in Suedamerika war und man ja nie weiss, wann sich die Moeglichkeit nochmals bietet, habe ich beschlossen die Woche in Suedamerika zu verbringen und zwar in Peru. Eine Woche ist fuer ein Land wie Peru, dass so reich an kulturellen und archaeologischen Highlights ist zwar viel zu wenig, aber fuer mich war eine Woche ausreichend. Schliesslich bin ich ja auch alleine unterwegs gewesen und da macht es nicht ganz so viel Spass wie an den Wochenenden mit den Kollegen.
Angekommen in Lima, der Startpunkt fuer alle Perureisen war ich allerdings ziemlich muede. Ich konnte naemlich die Nacht zuvor nicht wirklich schlafen. Mein Flug von Rio nach Lima ging erst Samstag morgen gegen 7Uhr, da dies der einzige Nonstop Flug ist und das Hotel in Rio konnte meinen Aufenthalt nicht von Freitag auf Samstag verlaengern, da es vollkommen ausgebucht war. Notloesung waere zwar gewesen fuer eine Nacht in ein anderes Hotel umzuziehen, da ich aber sowieso gegen 4 Uhr zum Flughafen aufbrechen musste, habe ich mich dafuer entschieden die Nacht in der Lobby zu verbringen. Da war zwar an Schlafen nicht zu denken, aber ich hatte ja noch einen fuenfstuendigen Flug nach Lima vor mir. Und wenigstens dort habe ich 3-4 Stunden Schlaf bekomme. Jetzt koennte man meinen, dass ich ja anschliessend in Lima im Hotel den Schlaf nachholen kann, aber dafuer war auch keine Zeit. Denn am Sonntag morgen ging es schon weiter nach Cusco, die touristisch beliebteste Region Perus. Zuvor wollte ich aber noch etwas von Lima sehen, und da mir nur etwas mehr als ein halber Tag zur Verfuegung stand, habe mich einer gefuehrten Bustour angeschlossen, wovon ich normalerweise nicht der Fan bin. Aber das war aufgrund der knappen Zeit, vermutlich die beste Alternative. Zurueck im Hotel so gegen 6 Uhr war ich dann aber doch ziemlich erschlagen und bin glaube ich schon gegen 20 Uhr ins Bett gefallen.
Am naechsten Morgen ging dann der Flug nach Cusco und bei der Landung wird dem Piloten ganzes Koennen abverlangt. Denn das auf 3400m gelegene Cusco ist umringt von den Bergen der Anden und beim Anflug auf den kleinen Flughafen muss der Pilot eine scharfe Kurve nehmen und Sekunden spaete setzt der Flieger auch schon auf. Aber auch diesen Flug, der uebrigens mein ungefaehr 150igster in den 2 Jahren war, habe ich wieder heil ueberstanden. Cusco das einmal das Zentrum des Inkareiches war, hat jede Menge historische Staetten zu bieten und ist Ausgangspunkt fuer Touren zum Highlight Perus, Machu Picchu. Daher bot es sich an hier ein paar mehr Tage zu verbringen und so bin ich dort 3 Tage verblieben. Den Sonntag, nach Ankunft in Cusco habe ich dazu genutzt mir die historische Altsatdt von Cusco anzuschauen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zaehlt. Am naechsten Tag habe ich mir noch ein paar archaeologische Staetten um Cusco herum angeschaut, obwohl es an dem Tag eigentlich bereits zur alten Inkastadt Machu Picchu gehen sollte. Da wurde ich dann aber dafuer abgestraft, dass ich dies nicht zuvor organisiert hatte. Die Anfahrt nach Machu Picchu gestaltet sich naemlich etwas schwieriger. Von Cusco muss man zunaechst in das 70km entfernte Ollantaytambo, von wo ein Zug seine 1,5 stuendige Fahrt in das am Fusse von Machu Picchu gelegene Aguas Caliente aufnimmt. Vondort sind es nur noch 10 Minuten in einem Bus, der sich die Serpentinen in das hoch auf einem Berg gelegene Machu Picchu hinaufschlaengelt. Dumm ist nur, dass die Zugtickets limitiert sind und der Ansturm auf diese relativ hoch ist. Fuer Montag waren aber zu diesem Zeitpunkt schon keine Tickets mehr zu haben. Da blieb mir also nur noch der Dienstag, dummerweise war aber auch der Verkaufsschalter fuer Tickets am Bahnhof den Sonntag bereits geschlossen. Mein Hotel hat mir daher empfohlen, gleich Montag morgen dort vorbeizuschauen um nach Tickets zu fragen. Bei meiner Tour durch Cusco bin ich dann aber bei einer kleinen Travel Agency vorbeigekommen, die Touren zu Machu Picchu und sonstiges anbietet. Fragen kostet ja nichts und tatsaechlich, man konnte mir dort noch Zugtickets fuer Dienstag offerieren. Aber auch hier war ich schon ein wenig spaet, denn die besten Zeiten fuer den Zug der ca. 4 oder 5 mal am Tag aufbricht, waren schon vergeben. Verfuegbar waren lediglich Tickets fuer 5.07 Uhr oder 14 Uhr irgendwas. Und da 14 Uhr bei noch bevorstehenden 1.5 Stunden Zugfahrt etwas spaet ist um Machu Picchu ausgiebig zu besichtigen, musste ich wohl notgedrungen die Tickets um 5.07Uhr nehmen. Das bedeutete allerdings bereits kurz nach 3 Uhr vom Hotel aufzubrechen, denn die Taxifahrt nach Ollantaytambo dauert auch noch mal 90 Minuten. Was man macht nicht alles dafuer die Welt zu sehen :-). All die Strapazen haben sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn Machu Picchu ist definitiv einer der genialsten Orte, die ich je gesehen habe. Ich dachte ja bereits im August als ich nach Angkor Wat gereist bin, dass dies fantastisch ist, aber Machu Picchu hat dem Ganzen noch mal ne Schippe draufgelegt. Die Atmosphaere dieser alten Inkaruinenstadt, die noch wirklich recht gut erhalten ist, ist wirklich genial. Am Morgen wenn die Stadt noch von dichten Wolken umgeben ist und kaum ihr herrliches Antglitz offenbart, wirkt sie ein wenig mysterioes, doch wenn dann am Mittag die Sonne heraus kommt und die Wolken sich verziehen, dann sieht es einfach nur noch umwerfend aus. Ich war bereits gegen 7.30 Uhr oben und da mein Zug zurueck erst gegen 14.30 Uhr ging hatte ich ausgiebig Zeit die Atmosphaere zu geniessen und die Stadt aus allen Perspektiven zu betrachten. Und einen Vorteil hatte die fruehe Anreise auf jeden Fall... denn um 8 Uhr morgens bleiben die Besuchermassen noch aus, der grosse Ansturm erfolgt erst spaeter. Dieser Tag war sicherlich der aufregendste der ganzen Woche, aber Machu Picchu ist halt eben auch nicht umsonst der Anziehungspunkt des Landes.
Am Mittwoch ging es zu meinem letzten Ziel der Woche zum Titicacasee. Einfachste Moeglichkeit waere ein kurzer Flug von Cusco, da dieser allerdings etwa 250USD kosten sollte, habe ich mich fuer eine andere Alternative entschlossen. Denn fuer die Strecke Cusco-Puno (Hauptort am Titicacasee) werden interessante touristische Busfahrten angeboten, die zwischendurch Stops an verschiedenen Sightseeingspots machen und auch noch ein Mittagessen beinhalten. Und das fuer unschlagbare guenstige 35USD. Man muss dazu sagen, dass die Strecke 380km betraegt und mit den ganzen Stops ca. 10 Stunden dauert. Unsere Fahrt, die um 7.30 Uhr morgens begann hat allerdings 11.5 Stunden gedauert, denn wir hatten das Glueck den Bus zu erwischen, der unterwegs eine Panne hat. Ich dachte schon das sieht nicht gut aus, als der Busfahrer ploetzlich mitten in der Andenpraerie Stop machte, kurz seinen Bus inspizierte und dann mit schwarzen Fingern und in spanisch fluchend zurueckkam. Nach mehrmaligen Versuchen war dann auch wirklich nichts zu machen und der Busfahrer liess sich von einem vorbeifahrenden Fahrzeug in den naechstgelegen Ort mitnehmen, um ein Ersatzteil zu besorgen. Gluecklicherweise hatte ich ein spannendes Buch dabei, dass ich waehrend der Wartezeit ausgelesen habe. Nach knapp 1.5 Stunden kam er dann auch schliesslich wieder zurueck und der Busfahrer, der in Peru wohl gleichzeitig auch Kfz-Mechaniker sein muss, brachte den Bus in wenigen Minuten wieder ins rollen. Am Titicacasee angekommen war es dann natuerlich schon dunkel, aber die Tour auf dem See stand ja eh erst fuer den naechsten Tag auf dem Programm.
Ja wie gesagt, am naechsten Tag ging es raus auf den Titicacasee. Der Titicacasee, der der groesste See Suedamerikas ist, ist auch gleichzeitig auf 3800m der weltweit hoechstgelegene See seiner Groessenordnung, wenn mal von ein paar sehr kleinen Seen absieht die noch hoeher liegen. Und wie gross der See ist, habe ich dann auch auf der Bootstour erlebt, denn bis zu einer Insel die nicht einmal in der Mitte des Sees liegt haben wir 2.5 Stunden benoetigt. Um sich die Groessenordnung mal ungefaehr vorstellen zu konnen, hier mal ein paar Daten: Er ist an die 200km lang und 65 km breit, womit er ungefaehr 15mal so gross ist wie der Bodensee. Also wirklich gewaltig. Interessantester Teil der Tour waren kuenstliche angelegte Inseln im See, auf denen der Stamm der Uros ein nachwievor sehr traditionelles Leben fuehren. Die Uros bauen sich diese schwimmenden Inseln aus Schilfplatten und auch ihre Boote und Huetten sind komplett aus Schilf gebaut. Und so leben sie nun dort abgeschieden von der Menschheit und ernaehren sich hauptsaechlich von Fisch, den sie aus dem See bekommen und Gemuese das sie anbauen. Elektrizitaet und fliessend Wasser gibt es selbstverstaendlich auch nicht (sind ja schliesslich schwimmende Inseln), aber durch den Tourismus, den sie mittlerweile als zusaetzliche Einnahmequelle erkannt haben, koennen sich einige Familien inzwischen ein paar Solarpanel leisten, die sie mit dem noetigen Strom versorgen. Dies war auf jeden Fall auch eine sehr interessante Erfahrung, die Leb ensweise dieser Menschen zu erleben, die auch noch ihre eigene Sprache Aymara sprechen und nicht wie in Peru ueblich spanisch.
Ja, das war der letzte Teil meiner Perureise. Sicherlich haette es noch die ein oder andere Ecke gegeben, die ich mir gerne zusaetzlich angeschaut haette, aber alles in allem war dies doch eine sehr schoene und erlebnsireiche Woche. Tja und inzwischen ist dies schon wieder ueber eine Woche her und ich bin wieder im winterlichen und nasskalten Europa angekommen, in meinem naechsten Einsatzort Bruessel. Diese Gelgenheit habe ich natuerlich auch genutzt, um am ersten Wochenende mal wieder in die Heimat nach Neuss zu fahren, um Familie und Freunde zu sehen. Und natuerlich auch um die Winterklamotten wieder einzupacken. Die hatte ich naemlich bis auf einen Pullover fuer Brasilien bewusst zu Hause gelassen. Schoen nach der ersten Woche in Bruessel wieder eine waermende Jacke dabei zu haben :-).

(Bilder: 1. Lima - Plaza Mayor, 2. Cusco von oben, 3. Cusco - Plaza de Armas, 4. Machu Picchu am morgen, 5. Machu Picchu II, 6. Traditionelle Peruanerin mit Haustier, 7. Titicacasee - Urosinseln, 8. Titicacasee - Panorama)