Es ist inzwischen schon fast die Hälfte meiner Zeit auf den Philippinen verstrichen und es wird Zeit für meinen zweiten Bericht. Nach nunmehr gut 3 Wochen mu

ss ich wirklich sagen, dass es mir sehr gut hier gefällt. Hätte mir jemand vorher gesagt, du musst mal auf die Philippinen reisen, wäre ich sicher nicht gerade begeistert gewesen. Die Philippinen standen auf meiner Reisehitliste nicht wirklich weit oben, dies aber vollkommen zu Unrecht und vermutlich eher aufgrund der Tatsache, dass die Philippinen als Reiseziel noch eher unbekannt sind. Wenn man primär auf der Suche nach Kultur und historischen Sehenswürdigkeiten ist, dann haben die Philippinen in der Tat nicht viel zu bieten. Dafür macht das Land dies aber locker wett aufgrund seines Reichtums an wunderschönen Stränden, tropischer Natur und ganzjährig sommerlichem Wetter. Es ist zwar noch bis Ende Oktober Regenzeit hier, aber das bedeutet nicht, dass es ununterbrochen regnet. Es regnet zwar immer mal wieder und das auc

h nahezu täglich, aber dies dann auch nur für einige Minuten bis maximal 1 oder 2 Stunden. Wenn der Regen dann wieder abgezogen ist, kommt auch schnell wieder die Sonne raus und die Temperaturen sinken selten unter 30 Grad. Wenn es allerdings regnet, dann aber auch richtig und es kommt aufgrund des eher bescheidenen Kanalisationssystem schnell mal zu überfluteten Strassen. So kam es dann auch, dass wir bereits einmal auf der Heimfahrt vom Office zum Hotel plötzlich mitten im ca. 40 Zentimeter hohen Wasser standen und unser Fahrer besorgt war, dass ihm der Motor gleicht absäuft. Aber es ist noch mal alles gut gegangen, lediglich die Heimfahrt hat dann halt mal 1,5 Stunden gedauert für die 15 Kilometer Distanz. War aber auch witzig, denn man erlebt es halt doch nicht alle Tage von einem Moment auf den anderen tief im Wasser zu stehen und nichts bewegt sich mehr auf den Strassen.
Die vergangenen beiden Wochenenden waren auch wieder sehr erlebnisreich. Zunächst ging es nach Boracay, einer kleinen Insel in der Mitte der Inselgruppe. Boracay ist bekannt für seine ausgezeichneten Stränden, was es aber auch gleichzeitig zum touri

stischen Mittelpunkt der Philippinen macht und daher ein wenig überlaufen ist. Hinzu kommt, dass der letzte schwere Taifun im Juni diesen Jahres die Insel doch ordentlich mitgenommen hat und der Strand an der ein oder anderen Stelle noch ein wenig unaufgeräumt wirkt. Dennoch haben wir (Martin, Gaston und Ich) das Wochenende genossen. Wir haben unsere Zeit in einem klasse Beach Resort verbracht mit Zimmern, die über Terrassen mit direktem Zugang zum Pool verfügen. Dort haben wir auch die meiste Zeit des Wochenendes verbracht, bedingt auch dadurch, dass das Meer aufgrund starken Windes eher rau war und überwiegend im Besitz der Kitesurfer war.
Erwähnenswert ist aber noch die Anreise nach Boracay. Die Insel verfügt über keinen eigenen Flughafen und auch der Flughafen auf der Nachbarinsel ist eher mit einem Flugplatz für Segelflugzeuge vergleichbar. Der Flu

ghafen verfügt lediglich über eine kleine Landebahn und ein noch viel kleineres Flughafengebäude, so dass Flugzeuge normaler Größe keine Möglichkeit haben dort zu landen. Daher ging es mit einem kleinen Flieger, der über geschätzte 50 Sitzplätze verfügt von Manila in Richtung Boracay. Doch selbst für Flieger dieser Größenordnung ist die Landebahn eher kurz und der Pilot muss über ausreichend Erfahrung verfügen um dort zu landen. Als ich im Landeanflug die Landebahn zum ersten Mal gesehen habe, war ich doch zunächst ein wenig erschrocken über die Kürze der Bahn die am Ende direkt ins Meer mündet. Dies hat zur Folge dass der Flieger direkt am Anfang der Bahn aufsetzen muss und stark bremsen muss, um rechtzeitig zum Stillstand zu kommen und kein Bad zu nehmen. Und das hat er dann auch getan! Mit einem ordentlichen Knall, wie ich es zuvor no

ch nicht erlebt habe, hat der Flieger aufgesetzt und ist dann extrem in die Eisen gegangen. Anschließend ging es dann mit einem kleinen Bus zum Meer, wo man auf ein kleines Fischerboot umsteigen musste, um nach Boracay zu gelangen. Habe aber alles heil überstanden und so konnte ich ein herrliches Wochenende verbringen, ohne an den bevorstehenden Rückflug zu denken, der aufgrund starken Windes und heftiger Turbulenzen noch einmal ganz schön ungemütlich wurde. Aber zum Glück dauerte der Flug ja nur 50 Minuten.
Am vergangenen Wochenende sind wir dann mit einer großen Truppe von 12 Mann in Richtung Bohol aufgebrochen, der 10größten Insel der Philippinen. Da die Flugverbindungen dorthin jedoch nicht so gut sind, haben wir uns entschlossen am Freitagabend zunächst einmal nach Cebu City zu fliegen, was

auf der gleichnamigen Nachbarinsel Cebu liegt und dort die erste Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen sollte es dann per Fähre nach Bohol gehen. Nun gut, das klingt ja alles nach einem einfachen Plan, dummerweise hat sich aber keiner so richtig um die Abfahrtszeiten der Fähren gekümmert. Wir also Samstagmorgen um 8.30 Uhr erst einmal gemütlich zum Frühstück gegangen, als plötzlich einer unserer Kollegen in den Frühstückssaal kam und meinte wir müssten sofort los. Der Grund dafür, die letzte Fähre am Morgen geht um 9.20 Uhr, ansonsten müssten wir bis 13 Uhr warten. Und damit war die morgendliche Entspannung abrupt unterbrochen. Wir also allesamt schnell ausgecheckt und da die ganze Truppe zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden ist, gefrühstückt und ausgecheckt hat, sind wir in 4 zeitversetzten Trupps mit Taxen losgedüst Richtung Hafen. Als wir am Fährhafen angekommen sind waren zwei Kollegen bereits auf der Fähre und 4 weitere Kollegen warteten auf uns (ich befand mich mit drei weiteren Kollegen im 3. Taxi) am Eingang des Hafengebäudes. Der nächste Schritt war der zügige Gang zum Ticketschalter, denn inzwischen zeigte der Tacho schon 9.15 Uhr an. Der freundliche Herr am Ticketschalter machte uns dann jedoch klar, dass die Fähre nahezu voll sei und er nur noch 5 Tickets übrig habe. Das war an diesem Punkt dann mein Aus, denn auch gutes Zureden und ein diskreter Bestechungsversuch mit umgerechnet 20 Dollar (was für philippinische Verhältnisse verdammt viel Geld ist) konnten den guten Mann nicht umstimmen. Und so verabschiedeten sich 5 weitere Kollegen in Richtung Fähre und ich bin mit einem weiteren Kollegen und seiner Frau zurückgeblieben, mal abgesehen von zwei weiteren Kollegen die sich noch im Taxi befanden und in 5 Minuten am Hafen erscheinen sollten. Seltsamerweise kam dann 2 Minuten später doch noch jemand auf uns zu und meinte es wären jetzt doch noch 4 Tickets zu haben. Das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen und haben direkt zugeschlagen. Am Bootssteg angekommen hatte der gute Frachter dann witzigerweise schon zum Ablegen angesetzt und der Abstand zwischen Steg und Fähre betrug bereits knapp 20 Zentimeter. Wir also schnell unsere Koffer und Tasche

n (war ja zum Glück nur Wochenendgepäck) einem der „Matrosen“ zugeworfen und mit einem beherzten Sprung haben wir die Fähre geentert, wie im besten Piratenstreifen. Klingt alles ziemlich unglaubwürdig und hätte ich es nicht selber erlebt, so würde ich selbst daran zweifeln. Wir waren natürlich überglücklich, dass wir es noch zu Stande gebracht haben auf der Fähre zu sein und die anderen Kollegen haben auch nicht schlecht gestaunt, als wir plötzlich doch noch zur Tür reinkamen. Nichtsdestotrotz mussten zwei Kollegen in den sauren Apfel beißen und mussten bis zur nächsten Fähre um 13 Uhr warten, um dann die 2 Stunden Fahrtzeit zurückzulegen. Die beiden Kollegen hätte sich jetzt natürlich überlegen können, ob sie nicht gleich auf Cebu bleiben, da sich die Überfahrt ja fast gar nicht mehr lohnte. Das ging aber nicht, denn den Rückflug am nächsten Tag hatten wir von Tagbilaran auf Bohol gebucht. Es blieb den Beiden also nichts anderes übrig als bis 13 Uhr zu warten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon in unserem

traumhaften Beach Resort auf Panglao Island angekommen. Jetzt wird sich der ein oder andere fragen… Panglao Island? Schon wieder ne andere Insel? Ich dachte die wollten nach Bohol? Ist auch richtig unser Resort für die zweite Nacht war allerdings auf Panglao Island, welche alber direkt neben Bohol liegt und mit einer kurzen Brücke, vergleichbar mit einer Rheinbrücke zwischen Neuss und Düsseldorf, verbunden ist. Panglao Island ist insbesondere für seine schönen Stränden und guten Tauchgründe bekannt und da lag es halt nahe, die Nacht dort zu verbringen. Den Samstag haben wir dementsprechend auch ganz entspannt am weißen Strand mit seinem kristallklaren Wasser und den Schatten spendenen Palmen verbracht. Der eigentliche Grund für den Trip nach Bohol war aber ein Anderer, denn Bohol ist insbesondere für zwei Dinge bekannt: 1. Die „Chocolate Hills“, eine kurios wirkende Beulenlandschaft, die aus über 1200 Hügel besteht und 2. Der „Tarsier“ oder auch „Koboldmaki“, die mit ca. 15cm Körpergröße kleinste Affenart der Welt. Dieses Programm hatten wir uns daher für Sonntag vorgenommen.

Da den meisten allerdings der Strand und das Hotel so gut gefallen hat, ist am nächsten Morgen nur eine Truppe von 4 Personen in Richtung der genannten Attraktionen aufgebrochen. Ich hatte zwar auch kurzzeitig überlegt im Hotel zu bleiben, aber einen relaxten Tag am Strand kann man halt immer wieder machen. Doch wann hat man mal die Möglichkeit die kleinste Affenart der Welt zu sehen, dessen Augen größer als sein Gehirn sind. Sonntag morgen ging es daher also für Diego (Spanien), Sylvain (Frankreich), Nacho (Mexiko) und mich in einem Kleinbus ins Inselinnere. Das erste Etappenziel waren die Chocolate Hills. Dort angekommen meinte Nacho er hätte noch eine Überraschung parat. Nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen waren, ging es die Treppen zur Aussichtsplattform hoch und Nacho schleppte seinen Koffer mit. Keiner wusste was das soll und das sollte sich auch erst ändern als wir oben angekommen waren und er seinen Koffer öffnete. Denn dort kamen dann zahlreiche Kostüme und Perrücken zum Vorschein und Nacho war der festen Überzeugung wir sollten mal nicht e

infach die üblichen Fotos machen, sondern etwas Verrücktes. Das dieser kleine mexikanische Kauz ein wenig verrückt ist, war mir ja schon bekannt, aber wie durchgeknallt er ist, wurde mir erst dort oben bewusst. Und so genossen wir dann also die Aussicht auf die Chocolate Hills und schossen verrückte Fotos mit Koboldmütze, Weihnachtsmannmütze, Hexenhut, blondem Haar, schwarzem Haar, vielen anderen Kopfbedeckungen und selbst Feenkostüm mit blauen Flügelchen und Zauberstab. Der Sinn dieser ganzen Aktion ist mir zwar bis heute verborgen geblieben, aber zumindest waren wir an diesem Tag die Attraktion für die vielen anderen Besucher vor Ort und auch unsere Lachmuskeln wurden ordentlich beansprucht.
Zurück im Bus ging es dann zu den Tarsier, die nur wenige Minuten von den Chocolate Hills entfernt sind. Diese Affen waren wirklich zu putzig und man hätte a

m liebsten eine der kleinen, flauschigen , tamagotchi-ähnlichen Gestalten mitgenommen, da diese aber vom Aussterben bedroht sind, wäre das sicherlich keine so gute Idee gewesen. Nach den Affen ging es dann noch zum Lobok-Fluss auf dem wir eine 1stündige Flussfahrt auf einem schwimmenden Restaurant inklusive Mittagessen genießen konnten. Die Fahrt ging mitten durch tropische Vegetation, vorbei an kleinen Hütten der Einheimischen und stoppte zudem an einem kleinen Dorf wo uns ein Orchester einheimischer Kinder mit seinen für Bohol so typischen Gitarren eine kleine Kostprobe ihres Könnens dargeboten hat.
Danach war es inzwischen auch schon Nachmittag geworden und wir mussten wieder in Richtung Flughafen aufbrechen, wo wir dann die anderen Kollegen getroffen haben, um unseren Rückflug gemeinsam anzutreten. Alles in allem muss man sagen, dass dieser Sonntag, vermutlich der bisher spannendste und abwechslungsreichste Tag auf den Philippinen war. Aber das nächste Wochenende naht ja auch schon wieder, an dem es dann raus aus den Philippinen und ab in die Megametropole Hong Kong geht. Davon dann mehr beim nächsten Mal.
(Fotos: 1) Flieger nach Boracay, 2) Boracay Regency Resort, 3) Beach Resort auf Panglao island, 4) Strand des Beach Resort, 5) Chocolate Hills, 6) Verrueckte Kollegen bei den Chocolate Hills, 7) oeffentliche verkehrsmittel auf philippinisch, 8) Der Koboldmaki... 9) ... und nochmal auf meiner Schulter, 10) Bootstour auf dem Lobok River)