Seit nunmehr drei Wochen bin ich in Rio de Janeiro und ich genieße die Zeit hier doch sehr. Von allen Einsatzorten, in die mich mein Job führen kann, steht Rio zusammen mit anderen gefragten Zielen wie z.B. Japan und Australien ganz oben auf der Liste der Beliebtheitsskala bei den Kollegen und jeder versucht diese Ziele zu bekommen. Unglücklicherweise sind die Chancen bei einem Team von 4 Mann in Rio und knapp 30 Kollegen in der Abteilung doch sehr gering. Daher freut es mich umso mehr, dass ich diese Gelegenheit dieses Jahr bekommen habe. Wenn ich derzeit aus dem Fenster schaue regnet es zwar und der Himmel war den ganzen Tag grau, aber dies war in den vergangenen drei Wochen eher die Ausnahme. Man muss bedenken, dass hier gerade erst der Frühling begonnen hat und dafür sind die Temperaturen mit über 20 Grad (selbst bei Regen), für europäische Verhältnisse doch schon sehr warm. An den sonnigen Tagen, springt das Thermometer auch jetzt schon über 30 Grad. Und der Tag beginnt auch jeden Tag schon sehr gut, wenn man aufwacht und vom Hotelzimmer aus direkt auf den Strand und das Meer blickt. Nach dem Frühstück, natürlich auch mit Blick auf den Atlantik, führt uns dann die 10 Kilometer lange Fahrt zum Büro direkt vorbei an den weltbekannten Stränden von Leblon, Ipanema und Copacabana. Beeindruckend ist an jedem Morgen auch der Körperkult, der von den Brasilianern betrieben wird, denn schon um 8 Uhr morgens laufen, walken und skaten hier die Cariocas (so werden die Einwohner Rios genannt) in Massen die Strandpromenaden entlang und das bevorzugt Oberkörper frei (zumindest die männlichen Einwohner). Da fühlt man sich gerade zu schlecht, wenn man mal ne Woche keinen Sport gemacht hat und das Abendessen bevorzugt bei McDonalds und Co eingenommen hat. Auch das Büro ist einfach herrlich gelegen. Schaut man von der einen Seite aus dem Fenster so sieht man auf das Meer und den Zuckerhut und auf der gegenüberliegenden Seite kann man die Christusstatue sehen. Da fällt einem das Arbeiten doch gleich ein wenig leichter.
Am ersten Wochenende hat es mich dann jedoch zunächst einmal aus Brasilie

n heraus geführt, aber das auch das einzige Mal in den gesamten acht Wochen. Das Ziel lautete Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens. Die Beliebtheit der Argentinier bei den Brasilianern ist ungefähr so groß, wie die der Holländer bei einem Fußballländerspiel gegen Deutschland, was natürlich gleich zu ein wenig Unmut bei den Kollegen hier vor Ort geführt hat. Ich konnte die Gemüter jedoch gleich auch wieder beruhigen, indem ich versprochen habe, die restlichen Wochenenden allesamt in Brasilien zu verbringen. Buenos Aires wurde mir zuvor von vielen Kollegen als die vermutlich europäischste Stadt Südamerikas angepriesen. Und in der Tat, erinnert aufgrund der Häuserfassaden, der historischen Gebäude und der kleinen gemütlichen Restaurants die Stadt das ein oder andere Mal an Europa. Dennoch

sind die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Buenos Aires relativ überschaubar und an einem Tag zu Fuß hat man die wichtigsten Punkte der Stadt erkundet. Am Abend haben wir uns dann live in einer der vielen Bars das WM-Qualifikationsspiel Argentinien-Brasilien angeschaut, was natürlich hier der Klassiker schlechthin ist. Die Tatsache, dass die Argentinier dieses Spiel zu Hause gegen den Erzrivalen verloren haben, hat natürlich nicht gerade zur Stimmungssteigerung beigetragen, dennoch war der Abend recht witzig und emotional.
Am Sonntag danach stand dann noch Nervenkitzel auf dem Programm, der Höhepunkt des Wochenendes. Mein mexikanischer Kollege Ignacio, von allen nur Nacho genannt ist ein recht verrückter Vogel und speziell für alle Aktivitäten verbunden mit Adrenalin zu begeistern. Er hatte nahe Buenos Aires einen Fallschirmsprungverein ausgemacht und konnte mich in nur wenigen Minuten davon überzeugen einen Tandemsprung zu machen. Wir haben uns also am Sonntagmorgen in das ca. 70km von Buenos Aires entfernte Chascomus begeben, um uns aus einem Flugzeug zu stürzen. Nach einer kurzen Einweisung wie w

ir uns beim Sprung verhalten sollten, ging es dann auch schon los. Da das Flugzeug aber dermaßen klein ist, dass gerade einmal drei Personen Platz finden, nebst Pilot, mussten wir nacheinander springen. Und wie der gute Nacho nun einmal so ist, hat er mir freundlicherweise den Vortritt gelassen. Neben 4 weiteren Argentiniern, die sich an diesem Tag diesem Abenteuer hingeben wollten, war ich also der erste der feststellen durfte, ob der Fallschirm sich auch wirklich öffnet. Das Flugzeug war schon ein wenig holprig, aber nicht weiter schlimm, denn was sollte schon passieren… im Falle eines Absturzes, ich habe ja einen Fallschirm, hehe. Es ging hoch auf 3000m und dann kam der Moment als sich die Tür der Cesna öffnete. Das ist der Moment in dem einem dann doch ein wenig mulmig wird und der Puls langsam hochschnellt. Mit mir und meinem Tandemspringer, war noch ein Kameramann dabei, als Beweis dafür dass ich auch wirklich gesprungen bin. Der Kameramann ist dann a

ls erster über uns geklettert und hat an einem kleinen Trittbrett an der Außenseite des Fliegers gehangen. Dann war ich an der Reihe. Zunächst die Beine aus dem Flieger hängen und alles was dann kommt war nicht mehr in meiner Macht, denn schließlich war hinter mir mein Tandemspringer eingeklinkt. Und wer der entscheidet jetzt geht es raus, dann geht es raus. Und genau dieser Moment war auch der Extremste, die eins, zwei Sekunden wenn man aus dem Flugzeug fällt. In diesem Moment rast der Puls auf 250 und ehe man sich versieht geht es in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit in Richtung Erdboden. Der Freifall dauerte 35 Sekunden, in denen einen der Fallwind die Haut nahezu vom Gesicht zieht und die Haare zu Berg steigen lässt. Ich kann nur sagen… Adrenalinkick pur! Die 35 Sekunden sind jedoch schneller vorbei als man denkt und nach einem kurzen Ruck durch den sich öffnenden Schirm, geht es dann ganz entspannt für ca. 5 Minuten schwebend nach unten. Mit festem Boden unter den Füßen fühlen sich die Beine dann zwar doch ein wenig weich an, aber es auf jeden Fall eine unglaubliche Erfahrung. Nach mir durfte dann auch Nacho sein Glück versuchen, der verrückt wie er nun einmal ist im Spiderman-Kostüm gesprungen ist.
Das zweite Wochenende ging es nicht ganz so aufregend zur Sache, aber nicht

minder schlecht, denn ich bin das Wochenende in Rio geblieben. Denn was man in der Woche neben der Arbeit nicht erleben kann, sind die schönen Seiten Rios mit seinen Stränden und den herrlichen Panoramablicken vom Berg Corcovado, auf dem die Christusstatue steht und dem Zuckerhut. Leider war es den Samstag bewölkt und so machte eine Fahrt h

och auf den in Wolken verdeckten Corcovado oder Zuckerhut keinen Sinn. Ich habe den Tag daher genutzt um ein wenig im Zentrum Rios herumzuspazieren und einem anschließenden ausgiebigen Walk entlang den Stränden von Ipanema und Lebon. Den Sonntag wurden wir dann glücklicherweise mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein belohnt und es ging hoch auf den Corcovado, um das Wahrzeichen Rios, Cristo Redentor zu sehen. Die Aussicht von dort oben ist wirklich atemberaubend schön und es bietet sich ein Rundumblick auf die von oben so friedlich wirkende Stadt Rio de Janeiro. Leider ist sie in Wirklichkeit nicht ganz so friedfertig, denn überall in den Hängen der so typischen Hügel von Rio liegen die Favelas, die

Armenviertel Rios. Die Favelas, in denen Drogen und Waffengewalt an der Tagesordnung sind, sollten von jedem Touristen weit umgehen werden, will man sich nicht selbst in Gefahr bringen. Trotz dieser Gefahr die hier allgegenwärtig ist, besitzt die Stadt eine unglaubliche Anziehungskraft, was einem spätestens bei der Aussicht vom Corcovado bewusst wird. Die Fahrt hoch auf den Zuckerhut habe ich zwar am gleichen Tag nicht mehr geschafft, dies ist aber vor meiner Abreise in 5 Wochen auf jeden Fall noch geplant.
(Bilder: 1. Regierungsgebäude Casa Rosada, 2. Flugzeug des Grauens, 3. Erste Sekunde nach dem Absprung, 4. Freifall über Argentinien, 5. Panoramablick auf Rio de Janeiro, 6. Cristo Redentor, 7. Eines der zahlreichen Favelas)