Um das wahre Feeling von Brasilien zu bekommen, muss man einmal in Salvador da Bahia gewesen sein. So wie man

im Ausland mit Deutschland Lederhosen und die Kuckucksuhr verbindet, so verströmt Salvador das bilderbuchartige Flair der brasilianisch-afrikanischen Kultur. Salvador die drittgrößte Stadt Brasiliens nach Sao Paulo und Rio de Janeiro, war der Ort an dem in der Vergangenheit der Großteil der von den Portugiesen verschleppten Sklaven aus Afrika ankam. Und daher hat die Stadt auch heute noch mit mehr als 80% einen der höchsten Anteile an Einwohnern afrikanischer Abstammung. Dies ist auch an der weiterhin gepflegten Kultur, der Zubereitung der Speisen, dem Capoeira – einer Mischung aus Tanz und Kampfsport – und der afro-brasilianischen Sambarhythmen zu spüren. Zudem besitzt Salva

dor aufgrund der Tatsache, dass sie bis ins Jahr 1763 Hauptstadt Brasiliens war, eine Fülle an historischen Kolonialgebäuden und die gesamte Altstadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.
Auf der anderen Seite muss man allerdings auch ungeheuer vorsichtig sein, da die Stadt in der heutigen Zeit auch von großer Armut geprägt ist und die Kriminalitätsrate zu den höchsten Brasiliens gehört und das in einem Land, in dem die Kriminalität eh schon allgegenwärtig ist. Überall auf den Strassen liegen Obdachlose herum und Kinder die bis oben mit Drogen vollgepumpt sind laufen bettelnd durch die Strassen. Und gerade vor diesen Kindern ist die größte Vorsicht geboten, denn um an Geld für Drogen zu kommen wird gerne einmal in die Taschen der Touristen gegriffen und auch vor körperlicher Gewalt schrecken sie nicht zurück. Unser Tourguide hat uns auch direkt zu Beginn als er uns von unserer Pousada (eine Art kleines Hotel in privatem

Besitz) abgeholt hat, empfohlen jeglichen sichtbaren Schmuck, Uhren und auch Portemonnaies im Hotel zurückzulassen. Denn alles was funkelt oder den Anschein von Geld ausstrahlt, verlockt solche Straßenkids nur dazu, einen zu beklauen oder zu überfallen. Daher ging es lediglich in kurzer Hose, T-Shirt, Sportschuhen, mit ein paar Geldscheinen und Kamera bewaffnet auf Erkundungstour durch die historische Altstadt. Auf unserer Tour gingen die Warnungen des Guides dann weiter, man solle nicht in die Strasse hier links abbiegen und auch die Gasse dort vorne rechts sei nicht zu empfehlen. Selbst er als Einheimischer meide diese Straßen, ließ er uns verstehen. Ich kann euch aber versichern, wir haben die 2 Tage dort sicher überstanden und das Flair der Stadt hat uns trotz der allgegenwärtigen Gefahr begeistert. Wer ein paar allgemeine Sicherheitsregeln beachtet, hat nichts zu befürchten.
Am letzten Wochenende ging es dann ab in den Dschungel, zum Amazonas bei Manaus. Die Anreise sollte sich allerdings als Tortur herausstellen. Der Inlandsflug der eh schon 4 Stunden 20 Minuten von Rio aus benötigt (das muss man sich mal vorstellen… mehr als 4 Stunden für nen Inlandsflug, da befindet man sich von Deutschland aus schon auf den Kanaren), war natürlich verspätet. Und das nicht nur um ein paar Minuten. Den gesamten Freitag hatte es in Rio geregnet und der Himmel war grau. Das war vermutlich zu viel für eine sonnenverwöhnte Nation wie Brasilien. Ob dies wirkl

ich der einzige Grund war für die Verspätungen, ist uns bis heute nicht ganz klar. Wir sollten zumindest um 20.40 Uhr abfliegen. Da man in Rio schon mal mit viel Stau rechnen muss, sind wir frühzeitig vom Büro aufgebrochen und nach 2 Stunden im Taxi sind wir dann auch tatsächlich am Flughafen angekommen (es sei angemerkt, die Taxifahrt zum Flughafen dauert für gewöhnlich nur 35-40 Minuten). Dort angekommen war die Freude jedoch groß, denn selbst Leute die um 15 oder 16 Uhr hätten starten sollen, warteten noch auf ihren Fliegen. Keiner wusste Bescheid was eigentlich genau los war, Ansagen wurden auch keine gemacht – und wenn dann nur auf portugiesisch – und unser Flug erschien zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal auf den Bildschirmen der abgehenden Flüge. Die spärlichen Sitze im Terminal waren längst alle besetzt und auch auf dem Boden, machten sich genervte Passagiere sitzend, liegend und schlafend breit. Da half nur eins, gute Miene zum bösen Spiel machen und erst einmal ein kühles Bier ordern. Mit ein wenig Musik aus dem Laptop und zwei, drei weiteren Bier ließ sich das Warten so einigermaßen ertragen und um Mitternacht war es dann endlich so weit, s hieß Boarding. Unser Flieger war dann gegen 0.30 Uhr in der Luft und um 4 Uhr morgens Ortzeit

sind wir letztendlich in Manaus gelandet.
Vollkommen übermüdet sind wir dann zu unserem Hotel gefahren, wo wir noch zwei Stunden Schlaf wahrnehmen konnten, denn um 7 Uhr morgens mussten wir schon wieder aufbrechen. Denn unser Ziel war ein Bootspier in Manaus, von wo aus ein Boot in den Dschungel ablegte. Die zweite Nacht haben wir uns nämlich in das weltweit größte Treetop Hotel (Ariau Towers) eingebucht, ein Hotel erbaut in den Baumkronen des Amazonas-Dschungel. Das witzige an diesem Hotel ist, dass es wirklich mitten im Dschungel an den Ufern des Rio Negro liegt. Die einzige Zivilisation dort draußen sind ein paar traditionell lebende Stämme und Familien. Das Hotel, das aufgrund seiner Besonderheit auch seinen Preis hatte, bot Vollverpflegung und ein volles Programm interessanter Adventure-Touren an. So standen in den nur 1 ½ Tagen vor Ort eine Dschungelwanderung, der Besuch einer traditionell lebenden, einheimischen Familie, Piranha-Fischen, Kaiman Spotting nach Einbruch der Dunkelheit und Schwimmen mit pinken Delfinen auf dem Programm. Begonnen hat der Nachmittag mit dem Besuch der traditionellen Familie, wo wir ein wenig über die Lebensweise der Familie erfahren haben und die Zubereitung eines traditionellen Fladengericht aus Maniok beobachten konnten. Wir durften – oder soll ich eher sagen mussten – das Endprodukt auch kosten, und haben unseren Gastgebern versichert, dass es ausgezeichnet geschmeckt hat. Das fanden auch die im Hotel

lebenden Affen, die sich später über die von uns nach zwei Bissen verbleibenden Reste gefreut haben. Die Hinweisschilder „Do not feed the monkeys“ haben wir wohl irgendwie übersehen. Nach dem Besuch der Familie ging es zum Piranhafischen. Jeder von uns im kleinen Dschungelboot bekam eine Angel und einige Happen rohes, blutiges Fleisch als Appetitanreger. Nach ein paar Fehlversuchen, bei denen der Piranha schlauer war als ich und einfach das Fleisch vom Haken abgeknabbert hatte, sollte ich dann aber doch noch meinen Erfolg haben, denn gleich zweimal zappelte einer der kleinen Gesellen mit scharfen Zähnen an meinem Haken. Und damit zweimal mehr als bei meinem Kollegen Nacho der leer ausging… hehe, damit stand es Deutschland 2 : Mexiko 0. Am Abend nach Einbruch der Dunkelheit ging es dann in unserem kleinen Boot wieder raus auf den Fluss um Kaimane zu sichten. Und nach kurzer Zeit hatten wir auch schon einen mit unserem Scheinwerfer im Spotlight. Einer unserer Begleiter im Boot ist dann kurz an Land gesprungen und hat sich den kleinen Gesellen geschnappt. Es war zwar kein großes Exemplar, ansonsten wäre unser Bootguide jetzt vielleicht auch nicht mehr am Leben

, aber einen wildlebenden Kaiman aus der Nähe zu sehen, war doch schon recht interessant. Und da dies noch nicht aufregend genug war, hat der Guide jedem der wollte den Kaiman auch einmal kurz übergeben, was für ein Foto reichte. Wichtig war nur, dass man den Anweisungen folgte wie man den Kaiman am Hals zu greifen hat, ansonsten könnte man die Rückfahrt schon mal mit einem oder zwei Fingern weniger antreten. Das waren schon mal klasse Touren. Am nächsten Tag ging es dann noch nach einer kurzen Dschungelwanderung mit ausführlichen Beschreibungen von Flora und Fauna zum Schwimmen mit Amazonasdelfinen. Die recht großen Delfine, die ein Gewicht von mehr als 250kg erreichen, haben ungewöhnlicherweise eine leicht rosa Färbung. Und nachdem wir uns ins Wasser des Rio Negro begeben hatten, unser Guide mit einem Eimer Fische bewaffnet, ließen die quirligen Gesellen auch nicht lange auf sich warten. Am Anfang ist dies noch ein wenig unheimlich, wenn einen ein Delfin unter Wasser plötzlich am Bein streift und im nächsten Augenblick nur wenige Zentimeter entfernt ein Delfinkopf aus dem Wasser ragt. Aber die Erfahrung war doch ziemlich aufregend, so wie das ganze Wochenende ein Abenteuer war. Nach zwei Stunden Bootsfahrt zurück in Manaus, haben wir die nächste Nacht dann wieder einmal fast gar nicht geschlafen, denn unser Flug zurück nach Rio ging aufgrund der begrenzten Flugverbindungen nach/von Manaus bereits um 4:20 Uhr nachts. Und anstelle uns wiederum nur 2-3 Stunden Schlaf zu gönnen, haben wir die ganze Sache dann gleich mal komplett gecancelt und haben uns bis 1:30 Uhr ins Nachtleben von Manaus gestürzt, von dort zurück zum Hotel, Koffer geschnappt, ausgecheckt und ab zum Flughafen. Mit einigen Caipirinhas und Bier im Blut konnten wir so zumindest im Flieger ein wenig schlafen. Und die restlichen Stunden Schlafmangel haben wir dann, den Montag in Rio nachgeholt, denn der war in Brasilien ein Feiertag.