Montag, 26. Juli 2010

Ägypten

Ich sitze momentan im Hotelzimmer in Buenos Aires und wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich einen nassen und kalten Tag im argentinischen Winter. Was bietet sich da besser an, als über die 2 Monate meines letzten Audits in Ägypten zu schreiben.

Ganz im Gegensatz zu dem stürmischen Wetter hier in Argentinien, hatten wir in Kairo 8 Wochen lang keinen Tropfen Regen. Begleitet wurde dieses Wetter von konstant heißen Temperaturen, mit Maximalwerten bis zu 48 Grad Celsius. Da war man zeitweise froh wenn man den Tag im klimatisierten Office verbringen konnte. Trotz dieser verrückten Temperaturen, habe ich die Zeit in Ägypten sehr genossen und wir hatten wirklich sehr gute und unterschiedliche Wochenenden.

Da wir ein Wochenende in Kairo verbringen wollten, bot sich direkt das Erste dafür an. Die Planung der Ziele, Flüge und Hotels war noch nicht so sehr fortgeschritten und Kairo selbst hat ja reichlich für ein Wochenende zu bieten. Die meisten der Kollegen hatten die Pyramiden von Gizeh noch nicht gesehen und so war dies natürlich das erste Ziel für sie an diesem Wochenende. Da ich dies bereits zuvor an einem meiner Wochenenden eingebaut hatte, habe ich es vorgezogen den Morgen entspannt am Hotelpool zu verbringen. Am frühen Nachmittag bin ich dann zum Rest der Truppe gestoßen. Als nächstes stand der Bazaar Khan El Khalili auf dem Programm, wo man durch die engen Gassen spazieren kann und umgeben ist von orientalischen Tönen, Düften und Souvenirs. Der Großteil der dort zu erwerbenden Dinge ist zwar ziemlicher Kitsch, aber der ein oder andere Laden besitzt doch ganz nette Souvenirs, wie z.B. traditionelle Lampen. Dies war im Grunde auch schon das ganze Programm an dem Tag. Am nächsten Tag ging es dann noch zu den Pyramiden von Sakkara, die sogar noch älter sind als die Pyramiden von Gizeh. Sie sind jedoch wesentlich kleiner und daher nicht der Anziehungspunkt wie Gizeh. Von dort weiter in eine der vielen sehenswerten Moscheen, den christlich orthodoxen Teil Kairos und zur Citadel, von wo man einen herrlichen Blick über Kairo genießt und wo eine der bedeutendsten Moscheen Kairos steht.

Am zweiten Wochenende haben wir einen Trip in die Wüste unternommen, der nicht unbedingt zum Standardprogramm jeder Ägyptenreise zählt. Über die Bahariya Oase ging es weiter in die Weiße Wüste. Die Wüste hat ihren Namen aufgrund des dort vorherrschenden weißen Kalksteins. Dort in dieser kargen Landschaft, mit ihren bizarren weißen Felsformationen, haben wir eine Nacht unter freiem Himmel übernachtet. Die Kulisse ist einfach unglaublich beeindruckend und erinnert eher an den Mond. Man hört wirklich keinen Ton und auch andere Menschen sind weit und breit nicht zu sehen. Allerdings sollte man diesen Trip nicht alleine unternehmen, da man sich schnell verirrt und daher haben auch wir auf erfahrene Führer zurückgegriffen. Geschlafen haben wir tatsächlich unter freiem Himmel, denn nicht einmal Zelte hatten wir. Lediglich eine Matte und ein Schlafsack für jeden mussten reichen. Als die Sonne dann untergegangen war, wurde es auch recht kühl, wir haben ein Lagerfeuer gemacht und einer unserer Führer hat uns ein schmackhaftes Abendessen mit Hühnchen, Reis und Gemüse zubereitet. Wir haben dann auch recht schnell Besuch bekommen, von zwei Wüstenfüchsen, die hungrig um unser provisorisches Lager gelaufen sind und auch die ganze Nacht dicht an uns herangekommen sind. Gefressen wurden wir von den putzigen Kameraden aber nicht.

Weiter ging es am dritten Wochenende mit einem der bedeutendsten Tempel Ägypten, Abu Simbel. Ziel hierfür war zunächst einmal Assuan, im südlichsten Teil Ägyptens wo wir übernachtet haben. Am nächsten Morgen, oder sollte ich besser Nacht sagen, ging es dann auf die dreistündige Fahrt nach Abu Simbel. Unser Minibus startete um 4 Uhr morgens und aufgrund der Sicherheitslage in diesem Teil des Landes fuhren alle Busse zusammen in einem Konvoi. Sich um diese Uhrzeit für drei Stunden in einen Bus zu setzen, kostet zwar ein wenig Überwindung, aber der Anblick des prächtigen Tempel Ramses II. war dies wert.
Am nächsten Tag stand dann eine Bootsfahrt auf dem Nil an, in einem der klassischen ägyptischen Segelboote, Felucca genannt. Im Internet sind wir glücklicherweise auf ein umwerfendes schönes Boot getroffen, das man ganz für sich alleine für einen Tag mieten konnte. Die ‚Glory of Nubia’. Das Boot war in einem wunderbar traditionellen Stil gehalten und da unsere Gruppe nur aus 7 Personen bestand, war das Boot mit komfortablen Matten ausgelegt, auf denen es sich wunderbar entspannen ließ. Der Anbieter dieses Bootes hatte verschiedene Touren im Angebot und wir haben uns für die nubische Tour entschieden, die den Besuch eines nubischen Dorfes beinhaltete, den Besuch des nubischen Museums und ein nubisches Mittagessen an Bord. Und wie sollte es in Ägypten anders sein, war natürlich auch noch ein Kamelritt zum Dorf inbegriffen. Der Tag war herrlich relaxt und hat seinen Ausklang bei einem kühlen Bier am Pool des Hotels gefunden.

Da Diegos und mein Touristenvisum mit dem wir ins Land eingereist sind nur für 30 Tage gültig war, haben wir nach 4 Wochen das Land für zwei Tage verlassen. Das Ziel unseres Wochenendes hieß Damaskus in Syrien. Beim Namen Syrien, mag jetzt manch einer denken, oh mein Gott, ist das denn sicher. Ich kann aber jeden beruhigen, denn zumindest der Teil des Landes den wir bereist haben, ist absolut sicher und hat nichts mit den Entführungsnachrichten zu tun, wie man sie aus Afghanistan, Jemen oder dem Somalia kennt. Und ich habe die Entscheidung nach Damaskus zu fliegen auch keine Minute bereut. Damaskus mit seiner wunderschönen Altstadt und der beeindruckend schönen Umayyaden-Moschee die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, ist unheimlich interessant und versprüht den wahren Charme des Orients, wie ich ihn in der Megastadt Kairo mit seinen nahezu 20 Millionen Einwohner und dem damit einhergehenden Chaos eher vermisst habe. Auch das Schlendern durch einen der vielen Bazaare, war eine ganz andere Erfahrung, denn man wird nicht wie in Ägypten, alle 2 Meter von einem der aufdringlichen Shopverkäufern belästigt und kann in Ruhe das traditionelle Gut, das zum Verkauf angeboten wird, betrachten. Anders als in Ägypten wo man auf Schritt und Tritt auf Touristen trifft, ist man in Syrien noch eher eine Minderheit. Neben Damascus, haben wir auch noch einen Trip in das 3 Stunden entfernte Palmyra gemacht. Palmyra ist eine Ruinenstadt mit Amphitheater, Tempelanlagen und Strassen, die eine der Hauptattraktionen des Landes ist. Leider hat die Sonne an diesem Tag gnadenlos vom Himmel gebrannt mit Temperaturen um die 45 Grad, was die Besichtigung der Ruinen inmitten der Wüste, ziemlich strapaziös gemacht hat.

Der Höhepunkt vieler Ägyptenreisender stand am fünften Wochenende auf dem Plan, mit dem Besuch von Luxor. Luxor und das angrenzende Dorf Karnak, bieten derart viele Tempel und historische Schätze, dass es nahezu unmöglich ist alles in einem Wochenende abzudecken. Aber dennoch haben wir unsere Zeit dort gut genutzt und haben die Highlights allemal mitgenommen. Nachfolgend die Liste der Sehenswürdigkeiten, die wir in der glühenden Sonne besichtigt haben:
- Luxor Tempel: Große Tempelanlage zu Ehren des Gott Amun, seiner Gemahlin Mut und ihrem Sohn, dem Mondgott Chons
- Karnak Tempel: Noch größere Tempelanlage, die aus mehreren Tempeln und Bereichen besteht und die über Jahrtausende von den damaligen Herrschern errichtet wurde
- Tal der Könige: Tal umgeben von hohen Bergen, in dem sich über 60 Gräber befinden, inklusive derer der bedeutenden Herrscher des alten Ägypten
- Totentempel der Hatschepsut
- Koloss von Memnom
- Ramesseum, der Totentempel Ramses II.
- Medinet Habu, der Totentempel Ramses III:
- Heißluftballonfahrt über Luxor und die Nillandschaft
All das hat natürlich viel Kraft und Schweiß gekostet, aber gehört bei einer Ägyptenreise einfach zum Pflichtprogramm.

Das Luxor Wochenende wurde aber bei weitem übertroffen, von dem darauf folgenden. Ein absolutes Highlight und zusammen mit Machu Picchu eines der beeindruckendsten Bauwerke das ich den vergangenen 2 ½ Jahren bei Coke erleben durfte ist Petra. Petra ist eine verlassene Felsenstadt in Jordanien, welche in der Antike eine blühende Stadt war und die über beeindruckende Grabtempel verfügt. Das faszinierende an diesen Grabtempeln sind ihre Fassaden. Das Schatzhaus, das bekannteste Bauwerk von Petra ist etwa 40 Meter hoch und die Fassade wurde komplette aus dem direkt angrenzenden Fels gemeißelt. Erreicht wird Petra über eine 1,2 km lange Felsenschlucht, der so genannte Siq. Wenn man am Ende der Schlucht ankommt blickt man plötzlich auf das Schatzhaus und wird einfach nur erschlagen von dem herrlichen Anblick. Neben diesem Tempelgrab gibt es noch weitere, die nicht ganz so faszinierend sind, aber dennoch mehr als sehenswert. Den Trip dorthin macht man zwar auch besser im Frühling, denn die Temperaturen im Juni waren wie an allen Wochenenden deutlich zu hoch für einen Mitteleuropäer, aber dies hat die Faszination dieses Trips kaum geschmälert.
Die Fahrt nach Petra haben wir von Amman angetreten, der Hauptstadt Jordaniens, wo wir auch unser Hotel hatten. Am nächsten Tag haben wir dann einen weiteren interessanten Ausflug gemacht und zwar ans Tote Meer. Das Tote Meer ist der tiefstgelegene Punkt der Erde, mit 422m unter dem Meeresspiegel. Der See verfügt über einen 8fach höheren Salzgehalt als das Mittelmeer und erlaubt einem daher ohne jegliche Bewegung an der Wasseroberfläche zu schwimmen. Das Wasser hat zwar ein wenig seltsam gerochen und der Strand am See ist alles andere als ein herrlicher, mit Palmen gesäumter Karibikstrand, aber die Erfahrung von alleine wie eine Boje an der Wasseroberfläche zu treiben, war doch sehr witzig. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Halt am Berg Nebo gemacht, an dem Moses im Alter von 120 gestorben sein soll und von wo man einen schönen Ausblick über den westlichen Teil Jordaniens mit dem Toten Meer hat.

Das letzte Wochenende in Ägypten habe ich dann dazu genutzt nach Hause zu fliegen, denn an diesem Freitag hatte meine Mutter ihren 60. Geburtstag und dafür tritt man auch einmal die etwas komplizierte Reise von Kairo nach Düsseldorf an. Aufgrund mangelnder Flüge von Kairo nach Düsseldorf musste ich nämlich mit Air Berlin über Berlin nach Düsseldorf fliegen und der Abflug von Kairo war bereits um 3.40 Uhr in der Nacht. Nach 4 ½ Stunden Flugzeit nach Berlin, einer Stunde Aufenthalt dort und einem 1stündigen Weiterflug nach Düsseldorf, bin ich dann letztendlich am Ziel gelandet. Für ein Wochenende zwar eine ziemlich lange Reise, aber es ist doch immer schön mal wieder in der Heimat zu sein.

Die letzte Woche in Kairo verging dann auch recht zügig und nach einem kurzen entspannenden Wochenende in El Gouna, das von viel Sonne und Schlaf geprägt war, ging die Reise weiter nach Argentinien. Die Umstellung war nicht ganz einfach, denn nach acht Wochen mit extrem heißen Temperaturen in Ägypten, erwartete mich der argentinische Winter in Buenos Aires, mit Temperaturen um die 10 Grad. Hier habe ich bereits drei Wochen hinter mir, mit bisher allerdings nicht zu spannenden Wochenenden.

Samstag, 3. Juli 2010

Suedafrika

Die letzten 4 Monate waren vor dem Hintergrund der Arbeitsbelastung doch ziemlich anstrengend und es gab kaum einen Tag an dem ich vor 19 Uhr das Buero verlassen habe. Das hat sich natuerlich auch auf das Verfassen meiner Berichte ausgewirkt. Am Abend nach Ankunft im Hotel noch schnell in ein Restaurant um sich zu staerken und dann war es meist auch schon nach 20 Uhr und wie dann meine Motivation aussieht um an meinem Blog zu arbeiten, kann man sich ja vorstellen. Gluecklich bin ich darueber zwar nicht, aber man muss halt Prioritaeten setzen. Die Zeit ist aber dennoch wie im Flug vergangen und nun gilt es halt knapp 4 Monate an Erlebnissen von zwei Audits in Suedafrika und Aegypten aufzuholen. Dazu bietet sich heute gluecklicherweise mal ein wenig Zeit, denn mein Audit in Aegypten ist seit gestern abgeschlossen und ich verbringe mein letztes Wochenende in El Gouna am roten Meer, um von dem ganzen Stress mal ein wenig abzuschalten und einfach nur die Sonne und Ruhe zu geniessen.

Fangen wir also mal mit Suedafrika an. Neben dem bereits oben erwaehnten Stress, war die Zeit im suedlichsten Teil Afrikas durchweg positiv. Die Mitarbeiter im Office vor Ort waren alle extrem nett und hilfsbereit und das ganze Land war in Vorfreude auf die Weltmeisterschaft, die derzeit in ihren Endzuegen steckt. Ueberall im Land konnte man Fanartikel erstehen, die Vuvuzelas die mit ihrem ohrenbetaeubendem Laerm momentan allen auf die Nerven gehen, gab es bei der Bestellung einer Pizza in Familiengroesse gratis dazu und der Freitag wurde vom Praesidenten offiziell als Fussballtag proklamiert, an dem jeder Angestellte ermutigt wurde im Fussballoutfit zur Arbeit zu gehen. Und damit auch unser Audit team dieser witzigen Idee folgen konnte, hat Coke uns auch gleich mal ein Original Fussballtrikot der heimischen Nationalmannschaft geschenkt. Freude auf eine Weltmeisterschaft im eigenen Land kommt eben nicht nur in Deutschland auf. Und neben dem ein oder anderen Versuch der lokalen Polizeikraefte von uns ein Bestechungsgeld einzusacken, aufgrund eines nicht vorhandenen Translation Letter fuer unseren auslaendischen Fuehrerschein (glaube nicht, dass es so etwas ueberhaupt gibt), ist die Zeit wirklich glatt verlaufen. Und auch die oftmals erwaehnte Sicherheitsrisiken, wenn man an Suedafrika denkt, ahben wir nicht erfahren. Natuerlich muss man ein paar Regeln beachten und gewisse Gebiete von Johannesburg besser meiden, aber mal ehrlich, in Berlin geht man ja auch nicht unbedingt nachts alleine durch Neukoelln. Also alles halb so wild. Und die Wochenenden waren durchweg genial. Kommen wir also mal dazu.

Nachdem der Rest des Teams am ersten Wochenende in den Krueger Nationalpark auf Safari gegangen ist – ich war ja noch fuer ein Spezialprojekt in Tokyo – ging es am ersten Wochenende fuer mich nach Drakensberg. Die Region die nur drei Autostunden von Johannesburg entfernt liegt, ist bekannt fuer ihre unheimlich schoene Berglandschaft und ist ein Paradies fuer Wanderungen und Outdoor-Aktivitaeten. In meinem Reisefuehrer habe ich mich vorher ein wenig schlau gemacht und bin auf einige Tageswanderungen gestossen, die vom ihrem Schwierigkeitsgrad von jedermann zu bewaeltigen sind und weniger als einen Tag dauern. Klingt gut und so haben wir mit Hilfe unseres Hotels eine Wanderung auf die Spitze eines Berges zum sogenannten Amphitheater und dem dort liegenden zweithoechsten Wasserfall der Welt arrangiert. Der Hike zaehlt nicht zu den anstrengendsten, dafuer aber zu den schoensten. Unser Guide der uns auf den Berg bringen sollte hat uns morgens frueh am Hotel getroffen und dann ging es mit dem Auto zum Startpunkt der Wanderung. Leider war das Wetter am fruehen morgen nicht so gut, mit dichten Wolken und leichtem Nieselregen, aber dss sollte sich im Laufe des Vormittags aendern und wir wurden spaeter mit Sonnenstrahlen belohnt. Zu Beginn der Wanderung meinte der Guide, dass die Wanderung circa 5 Stunden dauern wuerde, da hat er aber nicht die Richtung mit unseren Maedels im Team gemacht. Speziell Jojo, die aus den Philippinen kommt und knapp 1.45m misst ist extrem unsportlich und s hat die Tour fuer uns 7 Stunden gedauert. Das hat zwar ein wenig genervt und nachdem sie nach 30 Minuten bereits ein Pause einlegen musste, habe ich schon daran gezweifelt ob sie es wirklich auf die Spitze des Bergs schafft. Aber am Ende des Tages war es doch eine gelungene Sache und mal so ganz anders als die Wochenenden, die wir sonst so verbringen, denn einen Hike auf die Spitze eines Berges haben wir zuvor noch nicht unternommen. Und die Aussicht auf die faszinierende Landschaft von dort oben hat jede Minute der Strapazen wett gemacht. Am naechsten Tag haben wir natuerlich unsere Muskeln und Knochen gespuert und wir haben uns fuer die bequmere Alternative entschieden und haben uns auf den Ruecken eines Quadbike gesetzt und sind damit durch die Landschaft gesaust.

Am zweiten Wochenende stand Ostern vor der Tuer und wie auch in Deutschland hatten wir Karfreitag und Ostermontag frei. Das gab uns die Moeglichkeit eine wenig weiter wegzufliegen und wir haben uns fuer die Viktoriafaelle in Zambia entschieden. Nachdem ich zuvor bereits die Niagarafaellein Kanada und die Iguazufaelle in Brasilien und Argentinien gesehen hatte, sollten diese Faelle nicht auf meiner Liste fehlen. Anders als bei den anderen zuvor genannten Faellen ist es bei den Viktoriafaellen von Bedeutung zu welcher Jahreszeit man sie bereist, denn der Wasserstand schwankt erheblich von Monat zu Monat und in der Trockenzeit beispielsweise haben die Faelle so wenig Wasser, dass man sogar am Rande der faelle schwimmen kann. Dies war bei uns aber nicht moeglich, denn als wir im April dort waren, hat der Fluss nahezu den hoechsten Wasserstand und die Faelle haben eine ungeheuere Kraft. Das haben wir auch zu spueren bekommen, denn je naeher man an die Faelle kommt, desto weniger sieht man und man erhaelt eine kraeftige Gratisdusche. Gluecklicherweise haben wir am naechsten Tag eine wesentlich besser Sicht aufdie Faelle erhalten und zwar von oben, bei einem Flug in einem sogenannten Microlighter, eine Art Flugdrachen mit zwei Sitzen und Motor. Das war zwar eine ganz schoen wackelige Angelegenheit aber die Aussicht auf die Faelle von dort ist einfach unschlagbar. Zudem hat mir der Pilot, der zufaelligerweise ein Deutscher war und aus Koeln stammt, die Moeglichekeit gegeben, diesen Flieger fuer drei Minuten mal selber zu steuern. War echt klasse und auch wenn es kein A380 war, so habe ich jetzt zumindest mal meinen ersten Flieger selber geflogen :-). Da wir insgesamt drei Tage vor Ort hatten, haben wir zudem noch eine Speedboatfahrt auf dem Fluss gemacht und am letzten Tag sind wir in das nahegelegene Botswana gefahren um dort eine weitere Safari zu machen. War zwar nicht so spektakulaer wie ein Jahr zuvor in Kenia und Tansania, aber dennoch ne ganz nette Abwechslung.

Weiter ging es mit Capetown, oder auch Kapstadt wiees bei uns genannt wird. Und bevor ich damit beginne davon zu erzaehlen, muss ich vorweg sagen, dass Kapstadt seitdem zu meinen absoluten Lieblingsstaedten zaehlt. Die Stadt ist einfach genial und hat einfach alles zu bieten. Ein absolut gigantische Lage, umrahmt von herrlichen Bergen, direkten Zugang zum Meer, exzellente Restaurants, das wunderschoene Weingebite von Stellenbosch um die Ecke, ein ausgelassenes Nachtleben, schoene Frauen und vieles mehr. Wenn Coca-Cola statt in Johannesburg sein Office in Kapstadt haette, ich waere glaube ich der Erste der sich dort nach einem Job umschaut.
Angekommen in Kapstadt haben wir zunaechst einmal ein gutes Dinner zu uns genommen. Martin und ich haben uns an den exotische Grillteller gewagt, der Springbock, Kudu, Antilope und eine andere Wildsorte beinhaltete. Ich kann nur sagen sehr, sehr lecker. Am naechsten Tag sind wir mit unserem Mietwagen zum Kap der guten Hoffnung gefahren, dass etwa 50-60 Kilometer suedlich von Kapstadt liegt. Das Kap wird oftmals als der suedlichste Punkt Afrikas bezeichnet, obwohl er das eigentlich garnicht ist, aber die Fahrt dorthin ist trotzdem umwerfend, denn die Kuestenstrasse zaehlt zu den schoensten Panoramastrassen der Welt. Auf dem Weg haben wir noch einen Zwischenstop in einem kleinen Fischerdorf und am Boulders Beach gemacht, wo kleine afrikanische Pinguine frei leben und ihre Jungen brueten. Die Maedels sind am Abend frueh ins Bett gegangen, doch Martin und ich wollten uns natuerlich nicht das beruechtigte Nachtleben entgehen lassen. Und der beste Startpunt dafuer ist die Long Street, auf der sich eine Bar an die naechste reiht. Aus unserem anfaenglichen Vorhaben so gegen 1-2 Uhr zureuck ins Hotel zu gehen ist leider nichts geworden und so haben wir erst unseren nach hause Weg angetreten, als alle Laeden dicht gemacht haben. Der Kater am naechsten Morgen, hat uns dann natuerlich einen Strich durch unsere Besichtigungsplaene in Kapstadt gemacht, aber zumindest fuer die Gondelfahrt auf den Tafelberg hat die Kraft noch gereicht, um sich dort oben fuer eine Weile niederzulassen, die Aussicht zu geniessen und die drei Bier zu viel zu bereuen. Die Dinge die wir aufgrund der fehlenden Kraft und Zeit nicht sehen konnten, haben wir nicht zu sehr bedauert, denn nach dem Wochenende haben wir beschlossen an einem weiteren zurueckzukehren.
Dies haben wir am letzten Wochenende in Suedafrika gemacht, denn die Stadt ist einfach zu genial, um dort nur ein Wochenende zu verbringen. Bei unserem zweiten Besuch, haben wir dann die Dinge nachgeholt, die wir beim ersten Mal nicht geschafft haben, wozu ein Helikopterflug ueber Kapstadt und ein Besuch des farbenforhen Viertels Bo Kaap gehoerte. Aber einen Tag in Kapstadt haben wir dazu genutzt, wie beim vorherigen Wochenende einen Abstecher ins ebenso umwerfende Umland zu machen. Diesmal ging es nach Stellenbosch und Franschhoek, um ein paar Weinverkoestigungen in der bekannten und herrlichen Weinregion mitzunehmen. Und nach ein paar Recherchen haben wir einen genialen Weg gefunden, dies mal auf eine etwas andere Art zu machen. Bei einer Fahrt mit Motorrad und Beiwagen. Es gab dort das Angebot ein Motorrad mit Beiwagen im 50iger Jahre Stil fuer einen Tag zu mieten und das Ziel der Fahrt selbst zu bestimmen. Und der Fahrer konnte nach Bedarf auch noch gleich gestellt werden, was ganz praktisch war, denn schliesslich wollten wir ja reichlich Wein probieren. Das haben wir dann auch gemacht. Insgesamt haben wir 4 verschiedene Weingueter angefahren und das Angebot war immer recht aehnlich. Fuer etwa 3-5 Euro konnte man je nach Weingut 4-6 Weine probieren, zwar nicht das ganze Glas voll, aber immer noch genug um etwas fuer sein Geld zu bekommen. Als wir dann gerade zum Mittagessen in ein Weingut abgebogen sind, streikte der Motor ploetzlich. Der Fahrer hat dann erstmal versucht, dass wieder auf die Schnelle hinzukriegen. Das klappte aber leider nicht und er hat uns gesagt wir sollten schon mal vorgehen um unser Lunch zu geniessen. Auf dem Weingut gab es ein traditionelles Essen mit einem ganzen Lamm am Spiess gegrillt und es war echt koestlich. Dazu natuerlich der obligatorische Wein. Als am Ende unseres Mittagessen, der Fahrer mit dem Gefaehrt immer noch nicht erschienen war, haben wir uns erst einmal relaxt in die Sonne gesetzt und eine weitere Staffete Wein geordert. Aaaaah, das Leben kann ja so hart sein. Irgendwann ist dann auch der Fahrer mit seiner Maschine wieder aufgetaucht, allerdings schiebend. Der Nachmittag ging dann leider im Auto der Tochter weiter, die kurzerhand von Kapstadt herangeeilt war. Das war zwar etwas schade, aber nach etwa 16-18 Glaesschen Wein im Kopf, war es vielleicht garnicht mal so schlecht den stabilen Platz im Auto einzunehmen.

So, dann bleiben dann noch zwei Wochenenden zwischen den beiden Kapstadt-Wochenenden. Eines davon haben wir an der Garden Route verbracht. Auch dieses hatte wieder allerlei Abwechslung zu bieten. Die Garden Route, die aufgrund ihrer unheimlich schoenen Landschaft viele Touristen anzieht ist gleichzeitig auch ein Paradies fuer Outdoor- und Adventureaktivitaeten. Und eine ganz besondere Bruecke, die Bloukrans Bridge, zieht eine Schar Verrueckter an, denn dort gibt es den weltweit hoechsten Bungee-Sprung. Und einer dieser Verrueckten bin ich. Am Anfang noch ein wenig unsicher, ob ich diesen Wahnsinn wirklich machen sollte, denn die Bruecke ist einfach verdammt, verdammt hoch, musste ich mich am Ende einfach dafuer entscheiden. Denn dort erst einmal angekommen sieht die ganze Sache einfach zu gut aus und man moechte ja am Ende auch nicht als Maedchen dastehen, sich nicht getraut zu haben. Das haette mir mein Kollege Martin vermutlich bis ans Ende meiner Zeit aufs Auge gedrueckt. Nachdem man also das entsprechende Gurtzeug das ans Bergsteigen erinnert angelegt bekommen hat, geht man mit der Gruppe Waghalsiger unter der Bruecke entlang zur Mitte. Dort ist dann ein DJ, der einen mit lauten Housebaessen einheizt. Das ist ganz gut um die aufsteigende Nervositaet ein wenig zu lindern. Doch spaetestens wenn der eigene Name aufgerufen wird, hilft das auch nichts mehr, denn jetzt weiss man... gleich geht es abwaerts. Noch schnell das Bungeeseil an den Beinen eingeklinkt und noch mal checken lassen, ob auch alles fest sitzt. Und dann wird man auch schon von zwei Instructors an den ausgebreiteten Armen an die Kante der Bruecke begleitet. Dann geht alles ganz schnell, die beiden Jungs zaehlen 5, 4, 3, 2, 1, BUNGEEEEEEE ... und man stuerzt sich in die Tiefe der Schlucht. Ich habe ja zuvor schon den Fallschirmsprung in Argentinien hinter mich gebracht, aber ich glaube dieses Erlebnis ist noch ein wenig extremer, da man kopfueber auf den Boden zurast. Auch wenn der freie Fall nur 4-5 Sekunden dauert, das reicht um einen gewaltigen Adrenalinschub zu bekommen. Am Ende oben auf der Bruecke wieder angekommen, bekommt man das Grinsen fuer drei Stunden nicht mehr aus dem Gesicht. Neben diesem Erlebnis haben wir den Rest des Wochenendes im Wesentlichen damit verbracht, die Kueste entlang zu fahren und die herrliche Landschaft zu geniessen. Bis auf einen kleinen Abstecher nach Oudsthoorn wo man in einem Tierpark die Gelegenheit hat ausgewachsene Geparden und weisse Tigerbabys zu streicheln. Das war auch noch mal eine ganz schoene Sache, auf wenn Martin von einem der Tigerbabys ins Knie gebissen wurde, was wohl trotz der geringen Groesse schon deutlich spuerbar war. Sorry Martin, der wollte doch nur spielen.

Es fehlt jetzt nur noch ein Wochenende. Aufgrund eines weiteren Feiertages in Suedafrika an einem Dienstag, haben wir den Montag gleich noch Urlaub genommen und konnten so ein weiteres 4-Tage Wochenende geniessen, an dem wir nach Namibia geflogen sind. Windhoek, die Hauptstadt dort hat nicht viel zu bieten und so haben wir nach Ankunft lediglich die erste Nacht dort verbracht und ein gutes deutsches Abendessen mit Leberkaese eingenommen. Denn Namibia war mal deutsche Kolonie und noch heute lebt dort eine grosse Anzahl Deutscher. Am naechsten Morgen haben wir uns mit unserem gemieteten Gelaendewagen in Richtung Namib Wueste aufgemacht. Die Fahrt dauerte mehr als 6 Stunden und fuehrte zumeist ueber ungeteerte Strassen. Daher auch der Gelaendewagen. Die Fahrt hat sich allerdings gelohnt. Denn die Wueste war wirklich beeindruckend. Anders als die meisten anderen Wuesten mit ihrem gelben Sand, ist die Namibwueste von rotem Sand gepraegt. Ueberall sieht man gewaltige Duenen, die rot im Sonnenlicht leuchten, ein wahrlich faszinierender Anblick. Und wie es sich fuer eine Wueste gehoert, hat natuerlich auch die Sonne gnadenlos gebrannt und die Temperaturen lagen tagsueber um die 40 Grad. Dazu haben wir noch eine wirklich coole Unterkunft gehabt. Eine Mischung aus Campingplatz und Lodge. Das Camp verfuegte ueber gut 20 Huetten, die zwar eine Grundstruktur aus Beton hatten, aber alle Waende und Fenster waren aus Zeltplane. Und ein Restaurant gab es auch nicht, sodass wir am Abend unser eigenes Barbecue gemacht haben, mit Impalasteaks die wir im Camp bestellen konnten. War mal etwas ganz anderes, aber wirklich genial. Und von der Spitze des nahegelegenen Berges den wir erklommen haben, den Sonnenuntergang mit einem kuehlen Bier zu genessen, ist einfach unbezahlbar.
Am naechsten Tag sind wir dann weitergezogen nach Swakopmund an der Atlantikkueste. Eigentlich gibt es dort nicht allzu viel zu unternehmen, in dem Staedtchen das so deutsch ist, deutscher geht es kaum. Ueberall gibt es Restaurants mit deutscher Kueche, Hotels haben so schone Namen wie Europa Hof und ein Konditorei findet man auch an jeder dritten Ecke. Selbst beim kaufen einer Postkarte wurde ich auf deutsch von der Verkaeuferin angesprochen Komisch, sehe ich denn so deutsch aus? Den Tag dort haben wir dazu genutzt um einer dort beliebten Sportart nachzugehen. Sandboarding. War echt ne riesen Gaudi, mit nem Snowbaord die Duene hochzusteigen und dann auf Sand den Hang runterzugleiten. Das Gefuehl ist zwar etwas anders als auf Schnee, aber nach ein paar Versuchen hat man das Feeling schnell raus. Einzig und allein der Lift fehlt noch, denn jedes Mal zu Fuss wieder den Berg hochzukraxeln, kostet doch ganz schoen viel Kraft und der verflixte Sand gibt auch bei jedem Tritt nach. Hat aber trotzdem viel Spass gemacht und die Jungs die mit uns zu den Duenen gefahren sind, waren ne witzige und verrueckte Truppe.

So, das waren die Abenteuer aus Suedafrika, vermutlich eines meiner spannendstena Audits in den vergangenen 2 ½ Jahren, wenn nicht sogar das Beste. Und da mich das Schreiben dieser 5 Seiten, nun doch ein wenig Zeit gekostet hat, mache ich erst einmal Schluss und versuche in den kommenden Tagen (hoffentlich nicht Wochen) von meinen letzten 8 Wochen in Aegypten zu berichten. Denn auch die waren wieder aufregend und extrem heiss.
Heute ist mein letzter Tag in Aegypten und morgen geht dann mein Flieger nach Buenos Aires, wo ich die naechsten 8 Wochen verbringen werde. Vorrausgesetzt die lassen mich einreisen, nachdem wir denen heute Abend beim Laenderspiel den Arsch versohlt haben.

Montag, 5. April 2010

Tokyo - Megametropole im Land der aufgehenden Sonne

Eigentlich wäre es ja bereits Zeit nach zwei Wochen in Johannesburg meinen ersten Bericht aus Südafrika zu posten, aber da ich mal wieder ein wenig im Verzug bin, möchte ich zunächst noch einen Bericht von Tokyo einschieben.
Als der Abflug aus Atlanta bevorstand war ich dann doch recht glücklich darüber. Zwei Wochen für unsere alljährliche Konferenz und sieben Wochen für das Sonder-Projekt waren dann doch genug. Atlanta ist zwar nicht sooo schlecht, aber es ist halt doch nicht New York oder San Francisco. Nach einigen Wochen wird es dann doch langweilig und das Wetter war für die Südstaaten extrem kalt. Wir hatten einige Male Schneefall und die Temperaturen lagen überwiegend zwischen 0 und 5 Grad Celsius, was für Atlanta schon wirklich ungewöhnlich ist.
Ich war also bereit für mein nächstes Ziel, Tokyo. Und darauf war ich auch sehr gespannt, denn von allen Kollegen die zuvor schon einmal dort waren habe ich nur sehr positives gehört. Die einzige Hürde die ich zunächst einmal nehmen musste, war ein 14 Stunden langer Flug, nonstop von Atlanta nach Tokyo. Das war bisher mein längster nonstop Flug überhaupt, aber eigentlich habe ich ihn ganz gut überstanden. Nach 1 Stunde lesen, einem guten Lunch an Bord und zwei unterhaltsamen Hollywoodfilmen konte ich dann recht gut schlafen und erst etwa eine Stunde vor Ankunft wurde ich wieder wach. Tja, Business Class ist halt doch etwas anderes. In der Economy Class möchte ich mir diesen langen Flug ungerne antun. Denn neben den 14 Stunden Flugzeit muss der Körper sich zudem noch auf 14 Stunden Zeitunterschied zwischen Atlanta und Tokyo einstellen. Das geht schon ein wenig an die Substanz. Glücklicherweise bin ich bereits Freitag morgen geflogen und somit am Samstag nachmittag gegen 16 Uhr in Tokyo gelandet, was mir dann wenigstens noch den Sonntag gab, um den Jetlag einigermassen zu verarbeiten. Doch angekommen am Airport ist der Trip noch nicht vorbei. Denn der Flughafen in der Megametropole Tokyo liegt dermaßen weit außerhalb der Stadt, das es zwei Stunden dauert bis man mit dem Airport Shuttle das Stadtzentrum erreicht. Verständlicherweise war ich an dem Samstag ganz schön erschlagen.
Den Sonntag wollte ich dann aber nicht verpennen, denn schließlich wollte ich ja Tokyo erkunden. Angefangen habe ich mit den historischen Teilen Tokyos, mit seinen Tempeln und Pagoden, um auch ein wenig die traditionellen Seiten Japans zu erahnen. Denn eigentlich ist Tokyo eher die extrem moderne, fortschrittliche Stadt, die überall von Elektronik- und Konsumtempeln geprägt ist und nachts von tausenden bunten und grellen Werbereklamen erleuchtet wird. Erinnert eher an Las Vegas als an Bilder aus ‚Der letzte Samurai‘. Wer das traditionelle Japan entdecken will reist lieber nach Kyoto, wo das kulturelle Herz Japans schlägt.
Von Montag bis Freitag musste ich dann zahlreiche Trainings für die Coke Mitarbeiter vor Ort abhalten, aber glücklicherweise, waren diese meist nur bis etwa 16 Uhr angesetzt, sodass ich gegen 17 Uhr schon wieder zurück im Hotel war. Dort habe ich mich aber auch nie lange aufgehalten, sondern habe versucht jeden Abend einen anderen Stadtteil Tokyos zu erkunden. Und das macht auch durchaus Sinn, denn jeder Stadtteil Tokyo ist irgendwie anders. In Akihabara tritt man aus der U-Bahnstation und findet sich umgeben von glitzernden Elektronikkaufhäusern, in den man über mehrere Etagen verteilt alles findet was das Technikherz begehrt. Dagegen ist ein Saturn oder Mediamarkt der reinste Tante Emma Laden. Shibuya ist der Spielplatz der Jugend von Tokyo, in dem man die ausgefallensten, skurilsten Klamotten findet und auch die Menschen die diese mit Stolz tragen. Ich würde den Modestil der Jugend dort ja gerne hier beschreiben, aber da fehlen mir einfach die richtigen Worte und wenn man es nicht gesehen hat, kann man es sowieso nicht richtig nachvollziehen. Ginza ist das Nobeleinkaufsviertel, das möchte man es beschreiben, am ehesten der Kö in Düsseldorf gleicht und wo man sich mit dem nötigen Kleingeld bei Gucci, Louis Vuitton und Armani ausleben kann. Azabujuban ist ein etwas ruhigeres Viertel, das kaum von Touristen angesteuert wird, das aber unter Einheimischen sehr beliebt ist und mit seinen zahlreichen Izakayas (japanische Kneipe) eine interessante Atmosphäre ausstrahlt und das ich nur entdeckt habe, weil es lediglich einen kurzen Spaziergang von meinem Hotel entfernt war. Shinjuku ist eines der Hauptviertel, wo das Nachtleben am intensivsten stattfindet. Roppongi ist das Party-Pendant für ausländische Touristen und Expats die dort leben. Dort findet man dann auch viele der amerikanischen Restaurantketten und Irish Pubs. Aber mal ehrlich, wer braucht das schon, wenn man an jeder Ecke die ausgezeichnete japanische Küche zu sich nehmen kann. Die mag vielleicht ein wenig teurer sein, aber dafür um Längen köstlicher als die fettigen Burger, Sandwiches und Chicken Wings die man in Ami-Buden wie TGIF, Ruby Tuesday und Co. erhält (an dieser Stelle spricht vermutlich die Stimme aus mir, die 9 Wochen in den USA war und kaum etwas anderes bekommen hat).
Tja, wie schon gesagt, die Küche ist ausgezeichnet und hat noch vieles mehr zu bieten als das klassische Sushi, an das jeder Deutsche denkt wen von japanischem Essen die Rede ist. Natürlich habe ich in der Woche auch Sushi zu mir genommen und zwar besser als je zuvor, aber daneben habe ich noch vieles mehr ausprobiert. An dieser Stelle möchte ich nur mal ein paar dieser Köstlichkeiten nennen, auch dadurch bedingt, dass ich viele Namen der Gerichte schon wieder vergessen habe. Shabu-Shabu ist eine simple, aber ausgezeichnete Idee, die unserem Fondue ähnelt. Man erhält einen heißen Pott auf offener Flamme, der mit Gemüse-/Hühner-/Rindfleisch- oder Fischbrühe gefüllt ist. Je nach Wunsch bestellt man dann verschiedenstes rohes Gemüse, hauchdünne Fleischscheiben oder Fisch und gart diese kurz in der kochenden Brühe. Anschliessend nur noch kurz in eine der zahlreichen köstlichen Sossen auf dem Teller tunken und dann im Mund zergehen lassen. Eine weiteres Highlight ist ein Kaiseki Gericht, die traditionellste Art eines japanischen Dinners. In einem traditionellen Restaurant wird man von Personal, das in Kimono gekleidet ist bedient und erhält zahlreiche Gänge (in meinem Fall 8 Gänge) mit kleinen Köstlichkeiten, die künstlerisch dekoriert und serviert werden. Ein solches Abendessen dauert schon mal gerne an die 2 Stunden, ist aber auf jeden Fall ein Erlebnis wert. Aufgrund des enormen Preis von um die 100 Dollar, sollte man sich dies jedoch für einen besonderen Anlass aufheben. Bei mir war dies mein Geburtstag, den ich glücklicherweise nicht allein feiern musste, sondern zusammen mit meiner japanischen Ex-Kollegin Miyuki die jetzt in Tokyo lebt. Auch immer wieder lecker und vor allem für japanische Verhältnisse günstig ist Ramen, eine simple Nudelsuppe mit viel Gemüse und Fleisch oder Fisch. Und natürlich gibt es noch vieles, vieles mehr. Wer mal ein Gefühl von japanischer Küche bekommen möchte, der sollte mal eines der vielen japanischen Restaurants auf der Klosterstrasse in Düsseldorf ausprobieren, wo es authentische japanische Gerichte gibt.
Was gibt es noch mehr von Tokyo zu berichten. Nun ja, da wäre zum Einen das ausgesprochen gut organisierte und effektive U-Bahn Netz. Mit der U-Bahn kommt man in Tokyo wirklich überall hin und die Pünktlichkeit ist einfach beeindruckend. Ich habe mir sagen lassen, dass die U-Bahn Fahrer nach ihrer Pünktlichkeit beurteilt werden und ich habe es in der Woche nicht einmal erlebt, dass ein Zug auch nur 1 Minute zu spät war. Vielleicht sollten wir mal ein Trainingslager in Japan für Mitarbeiter der Deutschen Bahn einrichten. Dann wäre da noch die ausgesprochene Höflichkeit der Japaner, die einem jede Frage mit einem Lächeln beantworten und der Service der einfach ungeschlagen ist. Menschen die morgens mit dem falschen Bein aufgestanden sind gibt es nicht und Trinkgeld anzunehmen wäre beschämend, denn der Japaner im Dienstleistungsgewerbe empfindet es als eine Ehre einen guten Service anzubieten und würde nie auch nur einen Euro Trinkgeld annehmen. Das ist schon etwas anderes als in den USA, wo man sich schon mal einen dummen Spruch anhören muss, wenn man nur 5-10% Trinkgeld auf die Restaurantrechnung hinzugibt. Ach und dann sind da noch die Getränkeautomaten, die überall in Tokyo in Massen über die Stadt verteilt sind und aus denen man die verschiedensten Getränke ziehen kann, anders als in Europa wo man zum Kiosk an der Ecke geht. Und die Krönung, die ich zuvor noch nie gesehen habe, waren Kühlschränke im Coke Office, ich betone Kühlschränke, aus denen man heißen Kaffee und Tee aus Dosen nehmen kann. Klingt gewöhnungsbedürftig? Ist es auch, aber trotzdem unheimlich interessant und so schlecht schmeckt der Kaffe aus der Dose garnicht einmal.
Das ist Tokyo, oder zumindest ein kleiner Ausschnitt davon und wem sich die Möglichkeit eines Besuchs ergeben sollte, nichts wie hin. Leider ist meine Zeit in Tokyo viel zu schnell herum gegangen, denn es gibt noch zahlreiche andere Stadtviertel zu erkunden, die ich mir aber aufgrund mangelnder Zeit wohl oder übel für den nächsten Besuch aufheben muss.

(Bilder: 1. Senso-ji Tempelanlage, 2. Akihabara, 3. Ginza, 4. Shibuya, 5. Skyline von Tokyo, 6. Kaiseki Dinner, 7. Coca-Cola Getränkemaschine)