Wieder einmal sind zwei Wochenenden vorüber und die erste Halbzeit im Spiel Gerry vs. Indien ist überstanden. Die Heimmannschaft aus Vijayawada setzt mich zwar ganz schön unter Druck und scheint klarer Favorit zu sein, aber ich stemme mich mit aller Gewalt gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner. Kurzzeitig hatte er mich auch schon einmal kurz an den Rand einer Niederlage gespielt, als mich der Spieler "Tandoori Chicken" mit einem strammen Schuß in die Magengegend zu Fall gebracht hat und ich am Spielfeldrand behandelt werden musste (=einen Tag krank im Hotelzimmer). Aber ich habe mich tapfer wieder aufgerappelt und versuche das knappe Unentschieden über die verbliebene Spielzeit von 4 Wochen zu retten. Soviel zunächst einmal zum Auftakt der Fussball-EM aus der Reporterkabine von Heribert Faßinder.
Die letzten beiden Wochenenden sind eher ruhig verlaufen und sind nicht mehr
ganz so aufregend wie noch zuvor beim Taj Mahal oder auch in Costa Rica, aber man versucht das Beste daraus zu machen. Das vorletzte Wochenende habe ich südlich von Chennai (früher: Madras) in einem schönen Strandresort verbracht. Mein Kollege aus China, wollte mich ursprünglich begleiten, nachdem er allerdings die Flieger gesehen hat, die von Vijayawada aus abgehen, vermeidet er lieber das Fliegen und ist in Vijayawada geblieben. Und so habe ich mich also alleine in die kleine Propellermaschine gesetzt um in das eine Flugstunde entfer
nte Chennai zu gelangen. Das Resort war sehr ruhig gelegen und mit vielen Palmen gestaltet und hat einen so mal ein wenig von dem Lärm und Dreck Indiens abgelenkt. Daher bestand das Wochenende auch in erster Linie aus sonnen und relaxen. Doch da ich nicht nur auf der faulen Haut liegen wollte, habe ich mich dazu entschlossen mir auch ein wenig die Umgebung anzuschauen und habe mir einen Fahrer vom Hotel für den Samstag Vormittag genommen. Etwa 20 Kilometer südlich des Resorts liegt der Ort Mamallapuram, eine kleine Stadt deren Tempel und Monumente zum UNESCO-Welterbe gehören. Die Besichtigung dieser historische
Stätten hat etwa 2,5 Stunden gedauert und war recht interessant, wenn auch nicht weltbewegend. Das interessanteste aus meiner Sicht war ein riesiger runder Felsblock namens Krishna's Butter Ball, der an einer leichten Steigung auf freiem Felde liegt und den Anschein erweckt er würde jeden Moment losrollen und einen erschlagen. Gegen Mittag war ich dann aber aufgrund der Hitze auch wieder froh im Hotel zu sein und einen schattigen Platz am Pool zu finden. Und auf diese Weise habe ich dann auch den Rest meines Wochenendes verbracht, mit einem gelegentlichen Sprung ins kühle Nass, ein wenig Musik aus dem Ipod, einem guten Buch und dem ein oder anderen Nickerchen.
Kommen wir nun also zum nächsten oder letzten Wochenende., das wir in Hyderabad verbracht haben. Hyderabad ist die sechstgrößte Stadt Indiens mit 3,7 Millionen Einwohnern und damit größer als Berlin und liegt ca. 270 Kilometer von Vijayawada entfernt. Da die einzige Flugverbindung nach Hyderabad bereits morgens um 11.30 Uhr geht und wir diese an einem Freitag, als Arbeitstag, nicht nehmen können, haben wir uns entschlossen einen Mietwagen samt Fahrer für das Wochenend
e zu buchen. Diese Entscheidung bereue ich jedoch heute noch, denn in unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir geglaubt, die Strecke von 270 Kilometern könne man ja wohl in 4 Stunden zurücklegen. Tatsächlich hat es dann aber 6,5 Stunden gedauert. Und da ich ja zuvor schon einmal die Fahrweise der Inder versucht habe darzustellen, hat mich dieser Trip einige Male an den Rand eines Herzinfarkts gebracht. Besonders prickelnd waren z.B. immer folgende Situationen (es sei an dieser Stelle nochmals erwähnt, dass diese Geschichte nicht frei erfunden wurde, sondern auf einer wahren Begebenheit beruht): Man stelle sich eine gewöhnliche Landstraße vor, wie man sie auch aus Deutschland kennt. Unser Fahrer setzt zum Überholen eines anderen PKWs an, anstatt jedoch einen Gang herunterzuschalten, um zügig zu überholen, bleibt
er einfach bei den momentan gefahrenen 70 kmh im fünften Gang und schleicht mit ruckelnden 1500 Umdrehungen auf Augenhöhe seines indischen Kollegen. Zum gleichen Zeitpunkt entscheidet sich jedoch dummerweise auch im Gegenverkehr ein Lkw dazu, dass er mal an einem Konvoi von 4 Tuk Tuks vorbeiziehen könnte. Und so kommt es dann, dass man sich unter Dauerhupen, in Verbindung mit einem epileptischem Anfall der Lichthupe langsam annähert, um im letzten Moment mit einem ruckartigen Reißen am Steuer wieder auf seine ursprünglich zugewiesene Fahrbahnseite zurückzukehren. Auch immer wieder lustig sind die Situationen, in denen man bereits in etwa 100 Meter Entfernung am Strassenrand eine Gruppe von Kühen sieht und sich kurz bevor man diese passiert eines dieser Rindviecher dazu entschließt, es könnte doch mal die Straßenseite wechseln. Vielleicht schmeckt der Müll auf der anderen Seite der Strasse ja besser. Wenn dann unser Fahrzeug nach einer Vollbremsung kurz vor der teilnahmslosen Schnauze dieser Kuh zum Stehen kommt, bestätigt sich meine Entscheidung doch immer wieder, ein saftiges Steak einem Gratin von Broccoli und B
lumenkohl vorzuziehen. Nun ja, wir sind ja doch irgendwie heil in Hyderabad angekommen und da ich jetzt hier sitze und an diesem Bericht schreibe, auch wieder ohne gebrochene Hände oder andere Körperteile zurückgekommen.
Auch Hyderabad war wieder ausgefüllt von einem Mix aus Sightseeing und Entspannung. Hyderabad gilt als eine der am stärksten islamisch geprägten Städte Indiens und besitzt die größte Moschee Indiens, welche unter anderem auf dem Programm unserer Tour stand. Desweiteren haben wir Charminar, einen Torbogen mit vier Minaretten, Golconda, eine Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert und den See Hussain Sagar, mit einer 17 Meter hohen Buddha-Statue in der Mitte des Sees besichtigt. Den Sonntag habe ich dann wiederum am Hotel-Pool verbracht, auch aus dem Grunde, dass wir uns aufgrund der langen Fahrtzeit dazu entschlossen haben schon um 14 Uhr wieder die Rückfahrt anzutreten.
Und nun sitze ich im Hotelzimmer und fiebere dem Beginn der EM entgegen, obwohl man hier nicht allzu viel davon mitbekommt. Zum Glück empfangen wir im Hotel den Sportsender ESPN, der alle Spiele live übertragen wird. Blöd ist nur, dass die Spiele aufgrund der Zeitverschiebung hier jeweils erst um 21.30 Uhr bzw. der Großteil der Spiele um 00.15 Uhr Ortszeit beginnen. Nun ja, zumindest habe ich mir fest vorgenommen alle Deutschlandspiele anzuschauen und das sind ja bekanntermaßen sechs einschließlich dem FINALE! :-)


1 Kommentar:
Hi Gerry, am Montag braucht Deutschland Deinen Support aus Indien. Der Fernseher muss eingeschaltet sein!!! Ich zähle auf Dich. Ich werde vor Ort sein. Wahrscheinlich nicht auf der Tribüne und auch nicht auf dem Spielfeld aber beim Public Viewing.
Shalom mein Freund und bis bald in good old Germany,
Frank
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