Donnerstag, 8. Mai 2008

Kurzer Abstecher nach Berlin

Ich bin inzwischen sicher in Indien angekommen und versuche gerade mich zu aklimatisieren, was nicht wirklich ganz einfach ist. Der Grund dafür ist sicher die Verhältnisse hier in Indien, aber vielleicht auch ein bisserl die Tatsache, dass ich zuvor noch ein paar Tage in Berlin verbracht habe. Wie ja schon zuvor erwähnt, musste ich für die Beantragung meines Indien-Visa einen Zwischenstopp in unserer Bundeshauptstadt einlegen. Und da ich schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr dort gewesen bin, war ich auch neugierig was sich in Berlin alles so getan hat in den letzten Jahren. Und jeder der einmal in letzter Zeit dort war weiss, dass dies ne Menge ist. Ich bin also Freitag abend in Berlin angekommen und da die Botschaft nun mal immer nur von Montag bis Freitag geöffnet hat, stand das gesamte Wochenende zur freien Verfügung und erst am Montag gings zur Botschaft. Besonders gefreut habe ich mich natürlich über die Tatsache, dass sich meine Eltern kurzfristig entschlossen haben mir einen Besuch abzustatten. Wir haben uns bereits Freitag abend zum Abendessen getroffen und es gab natürlich ne Menge zu erzählen, nach 8 Wochen in Zentralamerika. Danach bin ich aber dann doch recht schnell ins Bett gefallen, da seit meiner Ankunft am Flughafen von Costa Rica inzwischen ca 22 Stunden vergangen waren und der Schlaf während des Flugs doch eher rar war. Am Samstag und Sonntag haben wir dann ein wenig die Stadt zu Fuß und per Spree-Boot erkundet und haben dabei die wichtigsten Ecken wie Brandenburger Tor, Reichstag, Berliner Dom, Fernsehturm und vieles mehr abgeklappert. Am Sonntag Nachmittag gegen 15 Uhr ging es dann für meine Eltern mit dem Auto wieder in Richtung Heimat und ich konnte mich langsam seelisch darauf einstellen was da auf mich wartet: Indien. Aber zuvor musste noch eine kleine Hürde genommen werden, und zwar die indische Botschaft. Jeder kann sicher schon so die ein oder andere lustige Anekdote von einem Amt gleich welcher Art erzählen und ähnlich geht es halt auch in einer Botschaft zu. Das blöde an meiner Situation war, dass ich den Flug nach Delhi noch für den gleichen Tag um 17.20 Uhr gebucht hatte und ich daher darauf angewiesen war, mein Visum schnellstmöglich zu erhalten. Es fing auch gleich schon gut an, als ich um 08.40 Uhr vor der Botschaft stand um möglichst als erster da zu sein, denn laut Internet sollte die Botschaft um 9Uhr aufmachen. Ein freundlicher, unter Valium stehender Mitarbeiter hat mir dann aber zu verstehen gegeben, dass die Botschaft erst um 9.30 uhr öffnen würde und ich mich wieder vom Gelände zu entfernen hätte. Nun gut, die Botschaft lag zum Glück direkt am Tiergarten und so habe ich mich entschlossen noch einen kleinen Spaziergang durch eben diesen zu machen. Zurückgekehrt an der Botschaft standen dann aber dummerweise schon 5 Personen Schlange vor der Tür und meinen Plan an diesem Morgen als Erster das Visum zu beantragen, konnte ich mir abschminken. Nicht schlecht gestaunt habe ich dann, als plötzlich einer dieser indischen Landsgenossen ankam und sich doch glatt 2 Plätze vor mir unauffällig in die Reihe schmuggeln wollte. Ich habe mich zunächst gefragt, sind wir hier vielleicht auf der Ostberliner Seite und der kleine Freund denkt sich, dass die Versorgung wie früher in der DDR noch etwas knapp ist und die Stempelfarbe fürs Visum ausgehen könnte. Na ja wie auch immer, die Gründe für seinen dreisten Versuch habe ich nicht erfahren, aber nach einem dezenten Hinweis von mir und dem Herren vor mir hat er sich dann doch hinten eingereiht.
Nach Einlass und 30 Minuten Wartezeit war ich dann doch schon um 10 Uhr an der Reihe mein Visum zu beantragen. Da ich im Internet über die Möglichkeit einer Schnellerteilung des Visums innerhalb einer Stunde für einen kleinen Aufpreis von 20 EUR erfahren habe, war ich dann auch recht optimistisch, dass alles glatt läuft. Komischerweise erfuhr ich dann aber von dem Konsularbeamten, dass das mit dem Internet ja alles so ne Sache wäre und das nicht alles so richtig wäre und ich um 16 Uhr mein Visum abholen könnte. Mir natürlich erst einmal die Kinnlade heruntergeklappt, denn schliesslich ging ja um 17.20 Uhr mein Flieger und ich war mir nicht sicher, ob ich den so kurzfristig noch ändern konnte. Ich also mit meiner freundlichsten Stimme und Mimik ihm langsam erklärt, dass ich bis 16 Uhr leider nicht warten könnte und nach kurzer Überredungsarbeit hat er sich dann schweren Herzens doch bereit erklärt, mir 20 EUR mehr abzuknüpfen und sein Bestes zu versuchen. Um 11.15 Uhr hatte ich dann zum Glück mein Visum und ich konnte beruhigt meine Reise nach Indien antreten.

Tja und nun sitze ich hier und denke, hätten sie mir doch die Einreise verweigert. Aber nein, ganz so schlimm ist es nicht. Bin momentan noch in Delhi, wo wir für insgesamt 1,5 Wochen Planungsaktivitäten und ähnliches machen. Delhi ist die Hauptstadt von Indien, damit auch gleichzeitig mehr oder weniger Vorzeigestadt und ist dementsprechend von den Verhältnissen noch recht erträglich. Das Hotel (Crowne Plaza) und der Service in Indien im allgemeinen sind absolute Spitze, leider kann man das von der Sauberkeit, dem Geräuschpegel und der Hygiene nicht behaupten. Selbst das Coca-Cola Gebäude, von dem ich viel mehr erwartet habe, ist ein alter hässlicher Komplex, dem wahrscheinlich selbst Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp den Eintritt verweigern würden. Hinzu kommt, dass derzeit im Mai Aussentemperaturen von 40 Grad herrschen und in unserem Konferenzraum, in dem wir arbeiten, die von uns manuell nicht einstellbare Klimaanlage kalte 18-20 Grad in den Raum bläst. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der erste ne Erkältung hat. Alles in allem kann man aber trotzdem froh sein in Delhi zu sein, da die Kollegen die schon einmal hier waren uns versichert haben, dass es in den bevorstehenden Einsatzorten noch wesentlich schlimmer wird.
Und ich glaube Vijayawada ist da ein Paradebeispiel. Aber daran sollte ich jetzt erst einmal nicht denken, denn zunächst steht morgen noch ein Wochenende vor der Tür, an dem wir das Nonplusultra einer jeden Indienreise besichtigen: das Taj Mahal!!!
Davon dann mehr nächste Woche, denn jetzt muss ich die Koffer packen.

Mittwoch, 30. April 2008

Nervenkitzel vs. Erholung pur

Es ist heute vermutlich das letzte Mal, dass ich aus Costa Rica schreibe, denn bereits in knapp 2 Tagen hebt der Flieger wieder ab, um mich nach Indien zu bringen. Glücklicherweise mit dreitägigem Stop in Berlin.
Die letzten beiden Wochenenden habe ich sehr unterschiedlich verbracht. Am vorletzten Wochenende wollte ich ursprünglich einfach mal nur entspannen und mich nicht wieder 4 Stunden ins Auto setzen, oder zum Flughafen hetzen und 2 Stunden im Flieger verbringen. Und da jeder aus dem Team kurz vor Ende der Zeit hier andere Prioritäten hatte, haben wir alle unser eigenes Ding gemacht. Ich habe dann ein kleines nettes Hotel nur 60 Kilometer von San Jose entfernt in Turrialba gefunden, welches zur Kette „Small distinctive Hotels of Costa Rica“ gehört und beschloss, dass dies genau das richtige für ein ruhiges Wochenende ist. Bei 60 Kilometer dachte ich mir prima, da bin ich ja in ner Stunde da. Da hatte ich aber nicht mit meinem fiesesten Gegner namens „Freitagfeierabendverkehr“ gerechnet. Der hat mir nämlich nen Strich durch die Rechnung gemacht und es hat allein 1 Stunde gedauert um die ersten 15 Kilometer raus aus San Jose zu schaffen. Die gesamte Fahrt hat dann leider 2,5 Stunden gedauert. Na ja, immer noch besser als zur Karibikseite zu fahren wie zwei andere aus dem Team und 5 Stunden zu brauchen. Angekommen hat das Hotel auch alles gehalten, was die Bilder versprochen haben. Wunderschönes, familiengeführtes Hotel, abgelegene Lage an einem kleinen See und eingebettet in eine bergige Regenwaldlandschaft. Dies hätte ein sehr ruhiges, erholsames Wochenende werden können, hätte mich nicht meine Abenteuerlust gepackt. Ein Mitarbeiter bei Coke in San Jose arbeitet am Wochenende zusätzlich als Wildwasserrafting-Guide und meinte das wäre die beste Gegend Costa Ricas für Adventure Aktivitäten. Und so habe ich nach nur kurzer Überzeugungsarbeit von ihm eine Wildwasser-Tour am Samstag und eine Canyoning-Tour für Sonntag gebucht. Es sei vorab gesagt, dass beides eine Mords-Gaudi war. Das Rafting hat auf dem Pacuare-River stattgefunden, der vom Schwierigkeitsgrad zwar nicht zu den anspruchvollsten gehört, aber dafür von einer internationalen Rafting-Organisation zu einem der weltweit 5 schönsten Flüsse gekürt wurde. Ich wurde um 9 Uhr im Hotel abgeholt und dann ging es ab zum Fluß. Mit mir hatte nur noch ein Mädel aus Finnland die Tour gebucht und so saßen wir lediglich zu viert, mit zwei Guides im Boot. Die Guides hinten im Boot um zu steuern und wir Anfänger vorne, um dem Unheil, in das wir steuerten auch direkt in die Augen schauen zu können. Leider hat es während der Tour immer wieder mal ein wenig geregnet, aber das war ziemlich egal, denn nass wurden wir sowieso. Der Fluss hat zunächst ziemlich ruhig angefangen und ich war mir nicht so sicher, ob das nicht ein wenig langweilig sei. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch erst Stromschnellen der Klasse 2 und 3 passiert. Die einzelnen Abschnitte des Flusses werden immer dem Schwierigkeitsgrad entsprechend in Klassen eingeteilt und es warteten noch vier Abschnitte der Klasse 4 auf uns. Und die hatten sich gewaschen, oder soll ich lieber sagen, die haben uns gewaschen. In den Stromschnellen der Klasse 4 musste man schon tierisch aufpassen, nicht aus dem Boot zu fallen und es war wichtig den Anweisungen der Guides immer Folge zu leisten, es sei denn man wollte es darauf anlegen ein Bad zu nehmen und Bekanntschaft mit einem Felsen zu machen. Aber darauf habe ich lieber verzichtet. In den ruhigeren Abschnitten konnte man sich dann immer ein wenig erholen und die herrliche Landschaft genießen, denn der Fluss schlängelt sich mitten durch den Dschungel mit spektakulären Schluchten und zahlreichen nicht identifizierbaren Tierlauten. Leider konnte ich keine Fotos machen, denn dann wäre meine Kamera nun wohl funktionsunfähig gewesen oder auf gut deutsch gesagt im Arsch. Die ganze Tour hat bis um 15 Uhr gedauert, hat Mittagessen am Flussufer beinhaltet und ging 28 Kilometer den Fluss hinunter. Nach soviel Action und Adrenalin musste man sich am Ziel dann erst mal wieder ein kühles Bier gönnen.
Eigentlich hätte das an Abenteuer fürs Wochenende schon gereicht, aber Canyoning war ja schon gebucht und so stand am nächsten Morgen um neun wieder ein Kleinbus vor der Tür um mich aufzupicken. Canyoning bedeutet, dass man eine Kletterausrüstung anlegt, in den Dschungel geht und dann losklettert, allerdings nicht wie sonst üblich den Berg hinauf, sondern den Berg hinunter. Und dies passiert auch nicht an einem ganz normalen Felsen, sondern an einem Wasserfall. Nasse Klamotten waren also wieder garantiert, aber auch ne Menge Spaß. Wir hatten insgesamt 5 Wasserfälle, die bezwungen werden wollten, die alle zwischen 10 und 18 Meter hoch waren. Zusammen mit mir hatte auch eine deutsche Familie, die in New York lebt, das Abenteuer gebucht und da sie zwei junge Mädchen dabei hatten, war ich davon überzeugt, dass es ja nicht so gefährlich sein kann. War es auch nicht, trotzdem bin ich einmal kurz abgerutscht und habe den Felsen geküsst, was mir ein aufgeschlagenes Schienbein beschert hat. Na ja, wie sagt man, was einen nicht umbringt, macht einen nur härter. Da ich auch hier wieder aus gegebenem Anlass keine Bilder machen konnte, kann ich hier nur Bilder des Hotels und der Umgebung einfügen. Der Vater der deutschen Familie hat jedoch einige Bilder gemacht und hat versprochen mir welche per Email zu schicken, die ich dann vielleicht nachträglich hier noch einfügen kann.

Am letzten Wochenende ging es dann nach San Juan del Sur in Nicaragua. Wir wollten gerne noch einmal ein erholsames Wochenende am Strand verbringen und in einem unserer Reiseführer wurde dieser Ort und insbesondere ein dort vorhandenes Hotel empfohlen. Wir sind also Freitag nach Managua geflogen, der Hauptstadt Nicaraguas und von dort ging es dann mit dem Mietwagen 150 Kilometer in Richtung Süden nach San Juan del Sur. Leider habe ich die Routenplanung Tara, eine meiner Kolleginnen überlassen, denn ich wollte nicht immer der einzige sein der die Route recherchiert und ausdruckt. Dies sollte sich jedoch rächen. Anstatt einfach ihrer vorher ausgesuchten Route über den Highway zu folgen, kamen die Mädels auf die Idee, den Mann von Avis zu fragen, wie wir denn am besten nach San Juan del Sur kommen würden. Da sie das aber auf spanisch gemacht haben, habe ich nicht mitbekommen, dass er uns eine andere Route empfohlen hat die kürzer und schneller sei, als über den Haupthighway. Das mag ja auch durchaus sein, wenn man in diesem gottverdammten Land lebt und sich auskennt, aber für uns hat sich dies als großer Fehler herausgestellt. Denn schon ca. eine halbe Stunde nach Abfahrt, waren wir uns nicht mehr so sicher, ob wir noch richtig waren und die Straßenverhältnisse haben auch nicht viel mehr als 50-60 km/h zugelassen. Dazu kam noch, dass es bereits ca. 22 Uhr war und die Gegend von ihrem Sicherheitsempfinden eher mit Köln-Chorweiler als mit Neuss-Holzheim zu vergleichen war. Kurz vor dem Ziel, stand die Strasse dann auch noch unter Bauarbeiten und man wurde teilweise über kleine, dunkle Feldwege geleitet, was nicht gerade vertrauenerweckend wirkte. Dies hat dann Januaria, meine brasilianische Kollegin zum Anlass genommen eine kleine Angstattacke zu bekommen und vorzuschlagen, doch umzukehren und für die erste Nacht ein Hotelzimmer im nächstgelegen Ort zu nehmen. Mal abgesehen davon, dass wir nur noch 15 Kilometer vom Ziel entfernt waren, hätten wir im nächstgelegenen Ort wahrscheinlich auch nur einen besseren Hühnerstall als Zimmer bekommen. Daher habe ich diesen Kommentar einfach stumm ignoriert und bin weitergefahren. Und siehe da, 15 Minuten später haben wir dann auch schon die Lichter des Ortes San Juan del Sur am Ende der Strasse entdeckt. Am Hotel angekommen waren dann auch alle Strapazen und Ängste vergessen, denn das Hotel war einfach ein Traum!
Wir haben bereits nach 10 Minuten einstimmig beschlossen, dass es vermutlich das beste Hotel war in dem wir je übernachtet haben. Die Hotelanlage bestand im Wesentlichen aus einzelnen Bungalows bzw. Häusern. Unsere „Casa“ bestand aus einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, einer großen Küche, drei Bädern, drei Terrassen/Balkonen und einem herrlichen Blick auf den Pazifik. Dazu kam dass das gesamte Design und die Ausstattung nahezu perfekt waren. Ursprünglich hatten wir geplant noch am gleichen Abend auszugehen, aber da wir unser Haus so genial fanden, wurde kurzfristig umdisponiert und wir haben unser Haus zur Partyarea ernannt, denn schließlich hatten wir uns ja am Airport mit Vodka eingedeckt.
Und so kam es, dass wir das gesamte Wochenende im Hotel verbracht haben und am Pool das Leben mit leckeren Cocktails genossen haben. Es war zwar eigentlich ein wenig schade, dass wir nicht einmal das Meer getestet haben, aber da wir ja in den vergangenen 8 Wochen bereits zwei Wochenenden am Pazifik verbracht hatten, war es uns nicht ganz so wichtig. Während ich also am Samstag so am Pool gelegen habe, ist mir klar geworden, dass es für mich doch tatsächlich der allererste Tag im Jahre 2008 war an dem ich mal wirklich gar nichts gemacht habe. So sehr ich auch die Zeit in meinem „neuen Leben“ mit all den Aktivitäten am Wochenende genieße, so muss man aber auch sagen, dass man irgendwie nie mal so richtig zur Ruhe kommt. Daher hat es doch mal sehr gut getan, einfach nur am Pool zu liegen, ein Buch zu lesen und sich von der Sonne Nicaraguas braten zu lassen.

Und nun ist es bereits Dienstagabend und in weniger als zwei Tagen heißt es Abschied nehmen von Costa Rica. Es fällt mir zwar schon ein wenig schwer, aber auf der anderen Seite warten ja auch in Zukunft sicherlich spannende Zeiten auf mich. In meinem letzten Bericht hatte ich ja schon kurz erwähnt, dass ich bereits weiß wo es für mich in der 4. Runde hingeht. Daher ist es auch an der Zeit das Geheimnis, für all diejenigen die es noch nicht wissen, zu lüften. Nach Indien warten im Juli und August die Schönheiten des Landes Südafrika auf mich.
Aber zunächst einmal freue ich mich auf ein Wochenende in Berlin und danach werde ich mal sehen, welche Erfahrungen Indien für mich bereit hält.

Sonntag, 20. April 2008

Guatemala

Ich bin mal wieder ein wenig im Verzug und daher wird es Zeit vom letzten Wochenende zu berichten. Freitag ging es zusammen mit Tara, Maria und Seda ab nach Guatemala. Ich war mir im Vorfeld zwar nicht so sicher, ob es ne clevere Idee ist mit unseren drei, nicht immer ganz einfachen Grazien ein Wochenende zu verbringen, aber nun gut „no risk no fun“. Auf unserem Programm für das Wochenende standen Antigua, eine wunderschöne kleine Stadt mit vielen alten Gebäuden aus der Maya-Zeit und der See Atitlan, der in jedem beliebigen Reiseführer Mittelamerikas als ein absolutes Muss eines Guatemala-Urlaubes angepriesen wird. Und da wir aufgrund eines Feiertages am Montag einen Tag mehr zur Verfügung hatten, konnten wir dies auch alles ganz relaxt angehen. Freitagabends angekommen haben wir beschlossen zunächst einmal eine Nacht in Guatemala-City zu verbringen, da wir den Weg nicht im Detail kannten und dies im Dunkeln die Sache nicht gerade erleichtern würde. Hinzu kommt, dass Guatemala nicht unbedingt als sicheres Reiseland gilt und Touristen immer wieder mal überfallen werden. Daher haben wir nachdem wir unseren Mietwagen erhalten haben zunächst einmal in einem Hotel nahe des Flughafen eingecheckt und den Abend bei einem hervorragenden Italiener ausklingen lassen, der uns im Flugzeug von einem Guatemaler (nennt man die so?) empfohlen wurde. Am nächsten Morgen ging es dann mit unserem Mietwagen, der sich schnell als Schrottkiste herausstellte, in Richtung Antigua. Obwohl wir extra bei einem renovierten Mietwagenunternehmen (Avis) gebucht hatten und die dritthöchste Klasse geordert hatten, bekamen wir ein grottiges Gefährt der Marke Chevrolet mit bereits 90.000km auf der Scheibe. Nun gut, jetzt mag man meinen 90.000 km ist ja noch nicht die Welt… ja bei einem deutschen Fabrikat ist dies richtig, doch bei diesen amerikanischen Panzern entspricht dies eher einem 30 Jahre alten Opel. Ich kann zumindest schon mal vorwegnehmen, er hat die Tour glücklicherweise überstanden, auch wenn er den Komfort und die Beschleunigung eines Mähdreschers hatte.
Am Ziel in Antigua sind wir zunächst einmal zu Fuß in Richtung Zentrum aufgebrochen. Dort angekommen haben unsere Mädels dann doch plötzlich eine dieser in nahezu jedem touristischen Ort bekannten Pferdekutschen entdeckt und meinten es wäre doch noch witzige Idee auf diese Art die Stadt zu erkunden. Ich hielt das zwar für ne recht kitschige Angelegenheit und steh nicht unbedingt darauf von allen vorbeilaufenden Leuten angeglotzt zu werden, aber na ja bei 3 gegen 1 da kann man wohl nichts machen. Wir also auf den Wagen und los ging das Geholpere durch die Stadt. Zumindest hatte ich nach 5 Minuten innerlich meine Genugtuung. Das Pferd hatte nämlich an seinem Ar… äähhh Hinterteil einen Leinensack angehängt, in den es fröhlich alle 5-10 Minuten einen schönen Haufen gesetzt hat. Dementsprechend hatten wir in unserer Kutsche nicht gerade den Duft von Chanel oder Armani und die Mädels waren gar nicht mehr so begeistert. :-)
Die Stadt an sich war aber sehr schön und war den Abstecher auf jeden Fall wert. Am späten Nachmittag sind wir dann weiter Richtung Atitlan-See aufgebrochen, um auch dort möglichst wieder im Hellen anzukommen. Denn die Mädels hatten die Routenplanung wie immer mir überlassen und ich wollte mir die Vorwürfe ersparen, wenn wir uns im Dunkeln verfahren. Wir sind in unserem Hotel auch nur kurz nach Einbruch der Dunkelheit eingetroffen, doch leider blieb uns der Blick auf den See aufgrund der Dunkelheit noch ein wenig verwährt. Am nächsten Morgen konnten wir dann den See in vollen Zügen genießen und die Reiseführer hatten wirklich nicht zu viel versprochen. Der See ist wunderschön in einem tiefen Tal gelegen und ist umrandet von Bergen und drei Vulkanen. Der See wurde in einem unserer Reiseführer mit dem Como-See verglichen, nur dass Atitlan noch vollkommener wirkt durch den Anblick der Vulkane. Wir haben uns nach dem ersten Anblick des Sees dann an der Hotelrezeption über mögliche Bootstouren erkundet und uns wurde eine private Bootstour empfohlen. Wir waren uns da nicht so sicher, da wir bei einer privaten Bootstour mit immensen Preisen gerechnet haben, nachdem wir aber erfahren haben, dass die 5stündige Fahrt lediglich 80 Dollar bzw. 20 Dollar pro Nase kostet, haben wir uns dann doch schnell dafür entschieden. Wir haben während der Fahrt drei verschiedene Dörfer angesteuert, die alle starken indianischen Einfluss haben und konnten uns ein Bild vom Leben dort machen. Die Dörfer sind zwar aufgrund ihrer Lage am See alle wunderschön gelegen, aber leider muss man sagen, dass uns in erster Linie Armut begegnet ist. Schon am Ufer angekommen wurde man von zahlreichen bettelnden Kindern empfangen und viele Kinder mussten dort auch arbeiten, indem sie Früchte, Säfte oder selbst gebastelte Souvenirs an die Touristen verkaufen. Wenn man dies sieht, wie die Kinder für gerade einmal ca. 60 Cent eine Schale Melonen verkaufen oder auch als Schuhputzer arbeiten, da kommt es einem dann schon ein wenig komisch vor, wie verschwenderisch man selbst mit dem Geld umgeht und mal eben so 80 Dollar für ne Bootstour oder 150 Dollar für ein Hotelzimmer ausgibt.
Am nächsten und letzten Tag hatten wir dann nicht mehr allzu viel Zeit, da wir mittags bereits wieder in Richtung Flughafen aufbrechen mussten, um unseren Flug um 16.50 Uhr nicht zu verpassen. Zwei der Mädels wollten den Morgen nutzen, um sich noch mal ein wenig mit einer Massage verwöhnen zu lassen. Da ich zwar durchaus auch ganz gerne mal eine Massage genieße, dies aber nicht wie die Mädels jede Woche benötige, habe ich beschlossen mich nach Alternativen umzuschauen. Ich hatte gelesen, dass man sich Motorräder ausleihen konnte und so wollte ich mich mal wieder auf den Rücken einer Maschine schwingen. Am Verleihshop angekommen musste ich aber leider erfahren, dass lediglich Roller verliehen werden. Da ich nun schon mal da war und mit meiner Zeit nichts Besseres anzufangen wusste, habe ich mir halt einen Roller geliehen und bin damit ein wenig um den See gefahren. Bei der Frage nach einem Helm hat man mir jedoch klar gemacht, dass man so was nicht hätte und hier jeder ohne Helm fährt. Tja… wie war das noch mit dem no risk, no fun? Aber liebe Mutti, um dich gleich zu beruhigen, ich bin langsam und vorsichtig gefahren und es ist noch alles an mir dran! :-)
Ja, das war das Wochenende in Guatemala und um ein Fazit zu ziehen, so muss ich sagen, es war zusammen mit dem Wochenende am Vulkan Arenal in Costa Rica bisher das beste Wochenende.
Während ich diesen Bericht schreibe, sitze ich zwar gerade im Hotel des nächsten Wochenendes und könnte schon wieder davon berichten, aber so ist das halt wenn man ein wenig in Verzug ist… also noch ein wenig Geduld!

Ah ja, eine kleine interessante Neuigkeit kann ich aber doch noch kurz erwähnen. Da unser Management sich fest vorgenommen hat, zukünftig die Einsatzplanung für die nächste Runde schon ein wenig früher vorzunehmen, haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir letzte Woche bereits die Planung für die Runde Juli/August erhalten haben. Auf dem Programm stehen für diesen Zeitraum Projekte in Brasilien, Argentinien, Kanada, Südafrika, Philippinen und Australien. Jetzt wollt ihr sicher wissen, wo es für mich hingeht!?! Das wird aber noch nicht verraten, denn ich habe in letzter Zeit weniger E-Mails von euch erhalten und wen es interessiert, der kann mir ja mal wieder ne E-Mail schreiben. Es interessiert mich nämlich auch, wie es euch in good old Germany so ergeht.
Pura Vida!

(Bilder: 1) Zenraler Platz in Antigua, 2) Kutschfahrt durch Antigua, 3) Gruppenbild in Antigua, 4) See Atitlan, 5) Vulkan am See Atitlan, 4) Markt in einem kleinem Fischerdorf)

Freitag, 11. April 2008

Playa Ocotal, Pazifiküste

Wieder einmal ist eine Woche vergangen und mehr als die Hälfte meiner Zeit in Costa Rica ist bereits vergangen. Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht und bereits in drei Wochen geht es schon wieder weiter zum nächsten Ziel. Das Besondere ist, das man wirklich das Gefühl hat man lebt nur noch von Wochenende zu Wochenende. Auch in Deutschland freuen sich die meisten wahrscheinlich schon montags wieder aufs Wochenende, aber irgendwie ist diese Gefühl in meinem neuen Job noch viel intensiver, da wir wirklich jedes Wochenende aufregende Dinge planen. Und so hat man am Montag auch schon wieder den nächsten Trip im Kopf und freut sich darauf. Mir ist dabei aufgefallen, dass einem aber auch das Arbeiten viel leichter fällt, denn wenn man mal gerade keine Lust zu arbeiten hat, dann sagt man sich einfach… komm das geht schon, denn in wenigen Tagen ist man ja schon wieder an einem anderen spannenden Ort. Es ist auch einfach ein tolles Lebensgefühl wenn man bei der Arbeit aus dem Fenster schaut und fast immer die Sonne sieht (wie ist das Wetter noch gleich in Deutschland?), oder wenn man ab und an morgens einfach mal 30 Minuten früher aufsteht und schon vor der Arbeit ein erfrischendes Bad im Pool nimmt.

Das letzte Wochenende haben wir ein weiteres Mal an der Pazifikküste verbracht, diesmal jedoch nicht in der Landesmitte sondern an der Nordpazifik-Küste. Die Anreise hat sich jedoch als schwerer herausgestellt als die meisten von uns gedacht haben. Ein Kollege aus Atlanta hat uns für das Wochenende besucht, doch da sein Flug erst um 20.30 Uhr in San Jose landen sollte, hatte keiner so richtig Lust auf ihn zu warten um anschließend noch zur Nordküste zu fahren, was auch noch mal drei bis vier Stunden Fahrtzeit bedeutet. Da ich mit ihm bereits zuvor in Paris zusammengearbeitet habe und es mir nichts ausmacht abends oder nachts zu fahren, habe ich mich letztendlich bereit erklärt auf ihn zu warten. Blöderweise hat sich kein Zweiter dazu erbarmt mit mir zu warten und das obwohl wir insgesamt 8 Personen an dem Wochenende waren. Schön und gut, ich also um 20.30 Uhr zum Flughafen und was musste ich dort erfahren… sein Flug hat 2 Stunden Verspätung. Ich bin natürlich in Jubel ausgebrochen und habe mir aus Frust erst einmal ein Bier gegönnt. Um 23 Uhr kam er dann schlussendlich aus der Tür und wir sind dann zügig los in Richtung Küste. Ich bin schon äußerst zügig gefahren, doch das heißt in Costa Rica leider gerade einmal 110-120 km/h, denn die Straßen sind nicht mit Autobahnen in Europa zu vergleichen. Glücklicherweise war zu solch später Stunde kaum noch Verkehr auf den Strassen und so waren wir nach gut 3 Stunden am Ziel. Wir haben dann nicht schlecht gestaunt, als wir bei unserer Ankunft direkt einen Kollegen getroffen haben und er uns offenbart hat, dass sie auch erst vor einer Stunde angekommen sind. Die anderen beiden Autos haben für die gleiche Strecke von gerade einmal 240 Kilometern schlappe 7 Stunden gebraucht. Grund dafür war der höllische Verkehr an diesem Tag. In Costa Rica beginnt für gewöhnlich Anfang Mai die Regenzeit, in der es dann jeden Nachmittag regnet. Ungewöhnlicherweise, wie uns auch viele Einheimische bestätigt haben, waren aber bereits an diesem Freitag die ersten Vorläufer der Regenzeit eingetroffen und so hat es ab 14 Uhr heftigst geregnet. Das hat dann für extreme Staus gesorgt und allein um aus San Jose herauszukommen hat die Kollegen 2 Stunden gekostet. Daher hat es mir im Nachhinein, dann nicht mehr allzu viel ausgemacht, dass ich am Flughafen 2 ½ Stunden warten musste.
Das Wochenende war sehr erholsam und war im Wesentlichen vom Brutzeln in der Sonne geprägt. Der Höhepunkt des Wochenendes war jedoch ein Segeltrip auf dem Pazifik. Ein Kollege hat an der Rezeption einen Flyer entdeckt, auf dem ein dreistündiger Sunset-Cruise inkl. Sangria, Bier und Softdrinks angeboten wurde. Das haben wir uns natürlich nicht lange überlegen müssen und haben den Trip einstimmig gebucht. Die Tour ist für gewöhnlich für maximal 15 Personen gedacht, doch da niemand sonst die Tour gebucht hatte, gehörte uns das Segelboot ganz allein, abgesehen vom Skipper und seiner Freundin. Der Trip inklusive Bad auf offenem Meer und abschließendem Sonnenuntergang war wirklich klasse. Die meisten von uns hatten zwar am nächsten Tag, aufgrund der Freigetränke an Bord einen leichten Kater, aber wer Schützenfest überlebt steckt das doch mit links weg. ;-)
Morgen steht schon wieder das nächste Wochenende vor der Tür und da wir einen Tag mehr Zeit haben (Montag ist hier Feiertag), haben wir uns für einen etwas weiter entfernten Trip entschieden. Daher geht es morgen zu viert nach Guatemala. Wir sind diesmal eine etwas kleinere Truppe, da zwei Kollegen momentan für zwei Wochen Teilarbeiten unseres Projektes in Kolumbien und Venezuela erledigen müssen, ein Kollege kürzer in Costa Rica eingesetzt ist und morgen schon wieder abreist, sowie zwei Kollegen aus Hong Kong und Philippinen ein Visum für Guatemala hätten beantragen müssen, was leider 20 Tage dauern würde.
Ich bin schon gespannt, wie das Wochenende wird und werde euch nächste Woche davon berichten.

Mit meinem Schicksal, das es demnächst in die Provinz Indiens geht, habe ich mich auch inzwischen angefreundet. Eine böse Überraschung gab es dann allerdings doch noch, als ich kürzlich erfahren musste, dass ich für das Audit in Vijayawada als Team-Lead ausgewählt wurde. Ich habe nun also auch noch das Vergnügen unser Team bestehend aus vier Indern, einem Chinesen und mir zu leiten. Normalerweise wird man für die Position des Team-Leads erstmalig nach ca. 1 Jahr ernannt und ich habe mir sagen lassen, dass es äußerst selten vorkommt, dass jemand bereits nach 2 oder 3 Audits die Leitung übernimmt. Ich weiß zwar nicht ob das jetzt gut oder schlecht für mich ist, auf jeden Fall bedeutet es jede Menge mehr Arbeit und Verantwortung.
Etwas Gutes bringt Indien aber auch mit sich, denn ich habe die Möglichkeit noch mal einen kurzen Abstecher nach Deutschland zu machen. Ich benötige für Indien ein Visum und da es in Costa Rica keine indische Botschaft gibt, ist es notwendig dass ich einen Zwischenstop in einem Land mit indischer Botschaft mache. Ich hatte zunächst überlegt nach Ende des Audits hier in Costa Rica zur nächstgelegenen Botschaft nach Bogota oder Caracas zu gehen, doch nach Abraten von Kollegen aufgrund evtl. zeitlicher Verzögerungen und Problemen in den beiden Ländern, habe ich mich dann doch dazu entschlossen, das Visum in Deutschland zu beantragen. Und so kommt es, dass ich am 01. Mai abends nach Berlin fliege, das Wochenende dort verbringe und dann am Montag den 05. Mai das Visum beantrage (und hoffentlich am gleichen Tag erhalte), um abends weiter nach Indien zu fliegen.

(Bilder: 1) Strassen von San Jose, 2) Bucht unseres Hotels am Pazifik, 3) Segeltrip, 4) Sonnenuntergang vom Boot aus gesehen)

Mittwoch, 2. April 2008

Panama-City und Panama-Kanal

Seit letzter Woche hat der Arbeitsalltag einen interessanten, neuen Aspekt dazu gewonnen. Am vergangenen Montag haben wir erstmals Spanisch-Unterricht bekommen. Coke stellt uns für jeden Einsatz ein Budget von 250 Euro zur Verfügung, welches wir für Sprachkurse verwenden können. Und so haben wir uns mit 5 Leuten dazu entschlossen für 5 Wochen einen Spanischkurs zu machen. Das Gute an der Sache ist, dass wir ein Institut gefunden haben, bei dem der Lehrer zu uns ins Büro kommt und wir den Kurs während der Arbeitszeit durchführen können. So haben wir jetzt jeden Montag und Mittwoch von 12-14 Uhr Spanischstunden. Nach gerade einmal 2 Einheiten ist natürlich noch nicht allzu viel hängen geblieben, aber ich hoffe, dass ich nach den 5 Wochen zumindest die Basics beherrsche und mich hinsichtlich der einfachen Dinge des Alltags verständigen kann.
Ansonsten war in der vergangenen Woche unser Manager aus Atlanta für drei Tage vor Ort und hat sich davon überzeugt, dass alles ordentlich abläuft. Das Arbeiten ist zwar nicht ganz so angenehm, wenn der Manager die ganze Zeit im Raum sitzt und man irgendwie das Gefühl hat man wird beobachtet, aber es waren ja nur ganze drei Tage von 8 Wochen… das lässt sich gut verschmerzen. Außerdem hatte es den positiven Nebeneffekt, dass wir an einem Abend alle vom Finance Director vor Ort zum Dinner eingeladen wurden. Und so hatten wir das Vergnügen in einem feinen Restaurant in den Bergen von San José, mit nächtlichem Blick auf die Stadt, ausgiebig zu schlemmen.
Das Wochenende habe ich dann dazu genutzt um mal aus Costa Rica rauszukommen und ein anderes Land Mittelamerikas zu sehen. Und so ging es für das Wochenende nach Panama City. Zunächst war es geplant, dass ich zusammen mit Martin, dem anderen Deutschen nach Panama fliege, aber der hat kurzfristig Besuch von einer Bekannten bekommen und so hat er den Trip gecancelt. Also habe ich das Wochenende allein in Panama verbracht.
Panama City selbst ist nichts Besonderes. Die Stadt ist geprägt von vielen Wolkenkratzern und erinnert eher an eine amerikanische Stadt. Der Einfluss der USA ist an jeder Ecke spürbar und macht sich insbesondere auch dadurch bemerkbar, dass Panama zwar eine einheimische Währung besitzt, diese aber nicht genutzt wird. Es wird alles in US Dollar bezahlt und selbst an den Bankautomaten erhält man US Dollar.
Der Stadt fehlt ein richtiger Innenstadtbereich und so verteilen sich die wenigen Sehenswürdigkeiten über die ganze Stadt. Die historische Altstadt, hat zwar die ein oder andere ganz interessante Ecke, doch gleich nebenan grenzt dann auch schon wieder ein heruntergekommenes Wohnhaus an. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Stadt nicht allzu viel Attraktives zu bieten hat und die eigentliche Sehenswürdigkeit eindeutig der Panama-Kanal ist. Und deshalb habe ich auch beschlossen am Samstag eine Tour auf dem Panama-Kanal zu machen. Es ging vom Pazifik zunächst mit dem Bus ins Landesinnere bis etwa zur Hälfte des Kanals, und dort dann auf ein kleines Touristenboot. Der Kanal hat auf der gesamten Strecke vom Pazifik bis zum Atlantik eine Länge von ca. 80 km, wovon die Tour einen 40 km langen Teil bis zur Mündung im Pazifik beinhaltet hat. Während der etwa 4-stündigen Fahrt haben wir die wichtigsten Schleusen und Brücken passiert und man konnte die riesigen Ozean-Frachter ganz aus der Nähe betrachten. Die Tour hatte zwar eher einen industriellen Charakter, war aber doch sehr interessant wenn man bedenkt welche technischen Anstrengungen während des Baus damals betrieben wurden um eine Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik herzustellen und dabei über die Schleusen einen Höhenunterschied der Wasserspiegel von 25 Metern auszugleichen.
Interessant ist auch, welchen Preis die Schiffe bezahlen müssen um den Kanal zu passieren. Der durchschnittliche Preis für eine Durchfahrt beträgt 100.000 Dollar und abhängig von der Größe des Schiffes sind Preise bis über 350.000 Dollar zu zahlen. Wenn man bedenkt, dass jährlich ca. 15.000 Schiffe durch den Kanal fahren, dann kommt da schon ein ganz schönes Taschengeld für Panama zusammen.

Tja, wir ihr seht habe ich den vergangenen drei Wochen schon allerhand in Costa Rica erlebt und seit letztem Freitag weiß ich das auch sehr zu schätzen, denn an diesem Tag habe ich meinen nächsten Einsatzort erfahren. Am 03. Mai geht es für 8 Wochen nach Indien. Zunächst habe ich mir gedacht, dass das sicher auch ganz interessant werden kann, da wusste ich aber auch noch nicht wo es genau hingeht. Anders als zuvor in Paris oder jetzt in Costa Rica prüfen wir in Indien nicht die Landeszentrale sondern die einzelnen Bottler, das heißt die Abfüllbetriebe, wo die eigentlich Produktion stattfindet, die Coke in Flaschen abgefüllt wird und dann letztendlich ausgeliefert wird. Und diese Abfüllbetriebe verteilen sich eben, aufgrund der Größe Indiens über das ganze Land. Daher werden immer 2 Kollegen aus unserem Team zusammen mit lokalen indischen Prüfern vor Ort in den einzelnen Niederlassungen eingesetzt. Während einige Kollegen von mir Glück hatten und Delhi oder Bombay (die eigentlichen Zentren Indiens) erhalten haben, verschlägt es mich in die Stadt Vijayawada. Ihr fragt euch jetzt ... Wo zur Hölle liegt das denn??? Genau das habe ich mich auch gefragt und dank Google Earth habe ich es auch gefunden, aber leider muss ich sagen, dass es nicht gerade ein Traumziel ist. Die Stadt die ca. 1 Millionen Einwohner hat liegt im Südosten des Landes und bietet leider nicht gerade optimale Verbindungen zur Außenwelt. Die Stadt verfügt zwar über einen kleinen Flughafen, der aber nur wenige nationale Flüge täglich anbietet. Das Reisen am Wochenende wird daher also deutlich erschwert. Ich habe mich zwar noch nicht intensiver mit der Region und den Möglichkeiten dort befasst, aber das was ich von den Kollegen so gehört habe, klingt nicht sehr viel versprechend.
Zum Glück kommt das Team zumindest zu Beginn 1 Woche zu Planungszwecken und 2 Wochen am Ende für Abschlussarbeiten im Headoffice in Delhi zusammen, so dass lediglich 5 Wochen in Vijayawada verbleiben.
Das Thema Indien wird in unserer Abteilung immer viel diskutiert und ist mit Abstand das unbeliebteste Ziel unter den Kollegen. Was einfach immer wider erwähnt wird, sind die häufig katastrophalen hygienischen Verhältnisse, das kaum genießbare Essen (aufgrund der höllischen Schärfe) und die unerträgliche Hitze. Leider ist gerade im Mai und Juni mit die heißeste Phase des Jahres, mit Durchschnittswerten über 30 Grad Celsius und nicht selten erreichten Maximal-Werten von bis zu 45-50 Grad, begleitet von hoher Luftfeuchtigkeit.
Nun ja, ich bin jetzt zumindest vorgewarnt und habe meine Erwartungen sehr niedrig gesteckt und denke dann kann es nur besser werden. Auf jeden Fall ist dies ein Grund mehr, die restlichen 5 Wochen in Costa Rica ausgiebig zu genießen, was ich sicherlich tun werde.

(Bilder: 1) Skyline von Panama City, 2) Altstadt von Panama City, 3) Frachter im Panama-Kanal, 4) Brücke über d. Panama-Kanal, erbaut von der dt. Firma Bilfiger & Berger, 5) Schleuse des Panama-Kanal, 6) Karte von Indien)