Es ist heute vermutlich das letzte Mal, dass ich aus Costa Rica schreibe, denn bereits in knapp 2 Tagen hebt der Flieger wieder ab, um mich nach Indien zu bringen. Glücklicherweise mit dreitägigem Stop in Berlin.
Die letzten beiden Wochenenden habe ich sehr unterschiedlich verbracht. Am vorletzten Wochenende wollte ich ursprünglich einfach mal nur entspannen und mich nicht wieder 4 Stunden ins Auto setzen, oder zum Flughafen hetzen und 2 Stunden im Flieger verbringen. Und da jeder aus dem Team kurz vor Ende der Zeit hier andere Prioritäten hatte, haben wir alle unser eigenes Ding gemacht. Ich habe dann ein kleines nettes Hotel nur 60 Kilometer von San Jose entfernt in Turrialba gefund

en, welches zur Kette „Small distinctive Hotels of Costa Rica“ gehört und beschloss, dass dies genau das richtige für ein ruhiges Wochenende ist. Bei 60 Kilometer dachte ich mir prima, da bin ich ja in ner Stunde da. Da hatte ich aber nicht mit meinem fiesesten Gegner namens „Freitagfeierabendverkehr“ gerechnet. Der hat mir nämlich nen Strich durch die Rechnung gemacht und es hat allein 1 Stunde gedauert um die ersten 15 Kilometer raus aus San Jose zu schaffen. Die gesamte Fahrt hat dann leider 2,5 Stunden gedauert. Na ja, immer noch besser als zur Karibikseite zu fahren wie zwei andere aus dem Team und 5 Stunden zu brauchen. Angekommen hat das Hotel auch alles gehalten, was die Bilder versprochen haben. Wunderschönes, familiengeführtes Hotel, abgelegene Lage an einem kleinen See und eingebettet in eine bergige Regenwaldlandschaft. Dies hätte ein sehr ruhiges, erholsames Wochenende werden können, hätte mich nicht meine Abenteuerlust gepackt. Ein Mitarbeiter bei Coke in San Jose arbeitet am Wochenende zusätzlich als Wildwasserrafting-Guide und meinte das wäre die beste Gegend Costa Ricas für Adventure Aktivitäten. Und so habe ich nach nur kurzer Überzeugungsarbeit von ihm eine Wildwasser-Tour am Samstag und eine Canyoning-Tour für Sonntag gebucht. Es sei vorab gesagt, dass beides eine Mords-Gaudi war. Das Rafting hat auf dem Pacuare-River stattgefunden, der vom Schwierigkeitsgrad zwar nicht zu den anspruchvollsten gehört, aber dafür von einer internationalen Rafting-Organisation zu einem der weltweit 5 schönsten Flüsse gekürt wurde. Ich wurde um 9 Uhr im Hotel abgeholt und dann ging es ab zum Fluß. Mit mir hatte nur noch ein Mädel aus Finnland die Tour gebucht und so saßen wir lediglich zu

viert, mit zwei Guides im Boot. Die Guides hinten im Boot um zu steuern und wir Anfänger vorne, um dem Unheil, in das wir steuerten auch direkt in die Augen schauen zu können. Leider hat es während der Tour immer wieder mal ein wenig geregnet, aber das war ziemlich egal, denn nass wurden wir sowieso. Der Fluss hat zunächst ziemlich ruhig angefangen und ich war mir nicht so sicher, ob das nicht ein wenig langweilig sei. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch erst Stromschnellen der Klasse 2 und 3 passiert. Die einzelnen Abschnitte des Flusses werden immer dem Schwierigkeitsgrad entsprechend in Klassen eingeteilt und es warteten noch vier Abschnitte der Klasse 4 auf uns. Und die hatten sich gewaschen, oder soll ich lieber sagen, die haben uns gewaschen. In den Stromschnellen der Klasse 4 musste man schon tierisch aufpassen, nicht aus dem Boot zu fallen und es war wichtig den Anweisungen der Guides immer Folge zu leisten, es sei denn man wollte es darauf anlegen ein Bad zu nehmen und Bekanntschaft mit einem Felsen zu machen. Aber darauf habe ich lieber verzichtet. In den ruhigeren Abschnitten konnte man sich dann immer ein wen

ig erholen und die herrliche Landschaft genießen, denn der Fluss schlängelt sich mitten durch den Dschungel mit spektakulären Schluchten und zahlreichen nicht identifizierbaren Tierlauten. Leider konnte ich keine Fotos machen, denn dann wäre meine Kamera nun wohl funktionsunfähig gewesen oder auf gut deutsch gesagt im Arsch. Die ganze Tour hat bis um 15 Uhr gedauert, hat Mittagessen am Flussufer beinhaltet und ging 28 Kilometer den Fluss hinunter. Nach soviel Action und Adrenalin musste man sich am Ziel dann erst mal wieder ein kühles Bier gönnen.
Eigentlich hätte das an Abenteuer fürs Wochenende schon gereicht, aber Canyoning war ja schon gebucht und so stand am nächsten Morgen um neun wieder ein Kleinbus vor der Tür um mich aufzupicken. Canyoning bedeutet, dass man eine Kletterausrüstung anlegt, in den Dschungel geht und dann losklettert, allerdings nicht wie sonst üblich den Berg hinauf, sondern den Berg hinunter. Und dies passiert auch nicht an einem ganz normalen Felsen, sondern an einem Wasserfall. Nasse Klamotten waren also wieder garantiert, aber auch ne Menge Spaß. Wir hatten insgesamt 5 Wasserfälle, die bezwungen werden wollten, die alle zwischen 10 und 18 Meter hoch waren. Zusammen mit mir hatte auch eine deutsche Familie, die in New York lebt, das Abenteuer gebucht und da sie zwei junge Mädchen dabei hatten, war ich davon überzeugt, dass es ja nicht so gefährlich sein kann. War es auch nicht, trotzdem bin ich einmal kurz abgerutscht und habe den Felsen geküsst, was mir ein aufgeschlagenes Schienbein beschert hat. Na ja, wie sagt man, was einen nicht umbringt, macht einen nur härter. Da ich auch hier wieder aus gegebenem Anlass keine Bilder machen konnte, kann ich hier nur Bilder des Hotels und der Umgebung einfügen. Der Vater der deutschen Familie hat jedoch einige Bilder gemacht und hat versprochen mir welche per Email zu schicken, die ich dann vielleicht nachträglich hier noch einfügen kann.
Am letzten Wochenende ging es dann nach San Juan del Sur in Nicaragua. Wir wollten gerne noch einmal ein er

holsames Wochenende am Strand verbringen und in einem unserer Reiseführer wurde dieser Ort und insbesondere ein dort vorhandenes Hotel empfohlen. Wir sind also Freitag nach Managua geflogen, der Hauptstadt Nicaraguas und von dort ging es dann mit dem Mietwagen 150 Kilometer in Richtung Süden nach San Juan del Sur. Leider habe ich die Routenplanung Tara, eine meiner Kolleginnen überlassen, denn ich wollte nicht immer der einzige sein der die Route recherchiert und ausdruckt. Dies sollte sich jedoch rächen. Anstatt einfach ihrer vorher ausgesuchten Route über den Highway zu folgen, kamen die Mädels auf die Idee, den Mann von Avis zu fragen, wie wir denn am besten nach San Juan del Sur kommen würden. Da sie das aber auf spanisch gemacht haben, habe ich nicht mitbekommen, dass er uns eine andere Route empfohlen hat die kürzer und schneller sei, als über de

n Haupthighway. Das mag ja auch durchaus sein, wenn man in diesem gottverdammten Land lebt und sich auskennt, aber für uns hat sich dies als großer Fehler herausgestellt. Denn schon ca. eine halbe Stunde nach Abfahrt, waren wir uns nicht mehr so sicher, ob wir noch richtig waren und die Straßenverhältnisse haben auch nicht viel mehr als 50-60 km/h zugelassen. Dazu kam noch, dass es bereits ca. 22 Uhr war und die Gegend von ihrem Sicherheitsempfinden eher mit Köln-Chorweiler als mit Neuss-Holzheim zu vergleichen war. Kurz vor dem Ziel, stand die Strasse dann auch noch unter Bauarbeiten und man wurde teilweise über kleine, dunkle Feldwege geleitet, was nicht gerade vertrauenerweckend wirkte. Dies hat dann Januaria, meine brasilianische Kollegin zum Anlass genommen eine kleine Angstattacke zu bekommen und vorzuschlagen, doch umzukehren und für die erste Nacht ein Hotelzimmer im nächstgelegen Ort zu nehmen. Mal abgesehen davon, dass wir nur noch 15 Kilometer vom Ziel entfernt waren, hätten wir im nächstgelegenen Ort wahrscheinlich auch nur einen besseren

Hühnerstall als Zimmer bekommen. Daher habe ich diesen Kommentar einfach stumm ignoriert und bin weitergefahren. Und siehe da, 15 Minuten später haben wir dann auch schon die Lichter des Ortes San Juan del Sur am Ende der Strasse entdeckt. Am Hotel angekommen waren dann auch alle Strapazen und Ängste vergessen, denn das Hotel war einfach ein Traum!
Wir haben bereits nach 10 Minuten einstimmig beschlossen, dass es vermutlich das beste Hotel war in dem wir je übernachtet haben. Die Hotelanlage bestand im Wesentlichen aus einzelnen Bungalows bzw. Häusern. Unsere „Casa“ bestand aus einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, einer großen Küche, drei Bädern, drei Terrassen/Balkonen und einem herrlichen Blick auf den Pazifik. Dazu kam dass das gesamte Design und die Ausstattung nahezu perfekt waren. Ursprünglich hatten wir geplant noch am gleichen Abend auszugehen, aber da wir unser Haus so genial fanden, wurde kurzfristig umdisponiert und wir haben unser Haus zur Partyarea ernannt, denn schließlich hatten wir uns ja am Airport mit Vodka eingedeckt.
Und so kam es, dass wir das gesamte Wochenende im Hotel verbracht haben und am Pool das Leben mit leckeren Cocktails genossen haben. Es war zwar eigentlich ein wenig schade, dass wir nicht einmal das Meer getestet haben, aber da wir ja in den vergangenen 8 Wochen bereits zwei Wochenenden am Pazif

ik verbracht hatten, war es uns nicht ganz so wichtig. Während ich also am Samstag so am Pool gelegen habe, ist mir klar geworden, dass es für mich doch tatsächlich der allererste Tag im Jahre 2008 war an dem ich mal wirklich gar nichts gemacht habe. So sehr ich auch die Zeit in meinem „neuen Leben“ mit all den Aktivitäten am Wochenende genieße, so muss man aber auch sagen, dass man irgendwie nie mal so richtig zur Ruhe kommt. Daher hat es doch mal sehr gut getan, einfach nur am Pool zu liegen, ein Buch zu lesen und sich von der Sonne Nicaraguas braten zu lassen.
Und nun ist es bereits Dienstagabend und in weniger als zwei Tagen heißt es Abschied nehmen von Costa Rica. Es fällt mir zwar schon ein wenig schwer, aber auf der anderen Seite warten ja auch in Zukunft sicherlich spannende Zeiten auf mich. In meinem letzten Bericht hatte ich ja schon kurz erwähnt, dass ich bereits weiß wo es für mich in der 4. Runde hingeht. Daher ist es auch an der Zeit das Geheimnis, für all diejenigen die es noch nicht wissen, zu lüften. Nach Indien warten im Juli und August die Schönheiten des Landes Südafrika auf mich.
Aber zunächst einmal freue ich mich auf ein Wochenende in Berlin und danach werde ich mal sehen, welche Erfahrungen Indien für mich bereit hält.