Sonntag, 14. Dezember 2008

Lijiang und Xi’an

Sieben Wochen China sind vorüber und ich habe heute mein letztes Wochenende hier beendet, an welchem ich nach Xi’an geflogen bin. Xi’an in der Provinz Shaanxi gelegen, 2 Stunden entfernt von Shanghai ist vor allem für eine Attraktion bekannt: die Terrakotta-Armee. Die Terrakotta-Armee ist der bedeutendste archäologische Fund Chinas. Bereits im 3 Jahrhundert vor Christus hatte der damalige Kaiser mit der Herstellung der Tonkrieger begonnen, die zu einem späteren Zeitpunkt seine Grabstätte „beschützen“ sollten. Die Ausgrabungen dauern noch immer an, aber es wurden inzwischen etwa 3000 Krieger geborgen und diese Armee ist eine der touristischen Hauptattraktionen des Landes. Und obwohl ich nicht so sehr davon begeistert war nur wegen der Terrakotta-Armee nach Xi’an zu fliegen, habe ich mich dazu überreden lassen mitzukommen und dieses „Muss“ Chinas zu besichtigen. Ansonsten hat Xi’an aber eher wenig zu bieten und so haben Diego und ich uns entschlossen lediglich einen Tag in Xi’an zu verbringen und Samstag abend bereits zurück nach Shanghai zu fliegen. Denn dort war geplant am letzten Samstag in China noch einmal gemeinsam mit den Kollegen das Nachtleben von Shanghai ausgiebig zu genießen. Letztendlich war mein Gespür auch richtig und ich war ein wenig enttäuscht von Xi’an.
Die Terrakotta-Armee war zwar recht interessant und vor dem historischen Hintergrund, dem Ausmaß der Anlage und der Anzahl der Krieger kulturell sicherlich sehr bedeutsam für China, aber irgendwie fehlte mir dann doch der Wow-Effekt. Neben der Terrakotta-Armee haben wir in der wenigen Zeit, die wir hatten noch die Große Wildgans-Pagode besichtigt, die die zweitwichtigste Sehenswürdigkeit Xi’ans ist aber total unspektakulär ist. Und so muss ich als Fazit ziehen, dass der Tag in Xi’an sicher nicht zu meinen besten Wochenenden in China zählte.

Aber zuvor gab es ja noch ein weiteres Wochenende, von dem ich noch nicht berichtet habe. Das Wochenende bevor wir unsere Zelte in Kunming abgebrochen haben und zurückgekehrt sind nach Shanghai, haben wir (Diego, Nacho und Ich) in Lijiang verbracht. Und ich muss vorwegnehmen, dass dieses Wochenende aus meiner Sicht ganz klar das Beste war. Lijiang, diese kleine verschlafene Stadt in der Provinz Yunnan, an den Ausläufern des Himalaya ist ein faszinierender, wunderschöner Ort und die Entscheidung dorthin zu fliegen war goldrichtig. Die Stadt, dessen Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, liegt auf einer Höhe von 2600m und ist umgeben von Bergen. Der höchste Berg der Umgebung ist der Jadedrachen-Schneeberg zu dem wir den Samstag einen Ausflug gemacht haben. Der Berg ist 5596m hoch und es besteht die Möglichkeit mit einer Gondel bis auf eine Höhe von 4506m zu fahren. Doch bevor wir diese Möglichkeit wahrgenommen haben, haben wir uns noch eine traditionelle chinesische Show angeschaut. Die Show „Impressions of Lijiang“ findet direkt am Fuße des Berges, in einem offenen Amphitheater statt und bei gutem Wetter hat man den Vorteil die Show vor der spektakulären Kulisse des 5-Tausender zu verfolgen. Die Show handelt über die vielen Minderheiten die in der Provinz Yunnan leben und ist landesweit bekannt und sehr erfolgreich. Produziert wird die Show von dem gleichen Regisseur der auch die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Peking entwickelt hat. An der Show nehmen über 500 Darsteller teil, in ihren sehr vielfältigen, bunten, traditionellen Kleidungen, teilweise auf Pferden durch das Theater reitend, und begleitet von stimmungsvoller Musik. Die Show ist sehr spektakulär und war definitiv einen Besuch wert. Einziger Wehrmutstropfen war, dass es an dem Tag bewölkt war und nur ab und an die Sonne und der Gipfel mal durch die Wolkendecke geblinzelt haben. Dennoch haben wir die Aufführung sehr beeindruckend empfunden. Anschließend ging es dann mit der Gondel hinauf auf 4506m. Und als ob, das noch nicht genug wäre hatte man von dort aus noch die Möglichkeit über zahlreiche Treppen bis auf 4680m hinauf zu gehen. Glücklicherweise lagen die Wolken, die ich zuvor erwähnt habe nicht auf 4500m und so hatten wir das große Glück mit der Gondel durch die Wolken hindurchzufahren und hatten sodann über den Wolken die freie, sonnige und spektakuläre Sicht auf den Gipfel. Ein wirklich herrlicher Anblick. Der Weg hinauf auf 4680m war allerdings doch recht beschwerlich und man merkte, dass die Luft dort oben doch recht dünn wird. Im Skiurlaub auf 3000 oder 3500m hat man ja bereits manchmal das Gefühl die Luft wird dünner aber, 4680m ist da schon wieder ne ganz andere Hausnummer. Da möchte ich nicht wissen, wie sich Bergsteiger bei der Besteigung des Mount Everest fühlen. Zurück im Tal waren wir dann doch recht müde und auch ein wenig durchgefroren, denn wir sprechen ja immerhin von 4680m im Dezember. Da sind die Temperaturen nicht mehr so angenehm und unsere Kleidung war auch nicht gerade bergsteigertauglich. Da haben wir uns über die Heizung im Taxi gefreut. Apropos Taxi, da gibt es auch noch eine lustige Anekdote zu erzählen. Als wir am Morgen zu unserer Tour in Richtung Jadedrachen-Schneeberg aufgebrochen sind, haben wir uns einfach ein Taxi genommen, da dies die günstigste Alternative ist. Wir hatten also den Namen Jadedrachen-Schneeberg auf einem Zettel in chinesischen Schriftzeichen vom Hotel bekommen. Diesen Zettel haben wir dann dem Taxifahrer gezeigt und los ging es in Richtung Berg, der ca. 30km entfernt von Lijiang liegt. Nun liegt der Berg aber im Niemandsland, es gibt dort kein Dorf oder sonstige Zivilisation und wir wussten nicht wie wir von dort wieder hätten wegkommen sollen. Daher haben wir unserem Taxifahrer zu verstehen gegeben, er solle auf uns warten und er hat mit freundlichem Nicken eingewiligt. Das Dumme war allerdings nur, aufgrund der wie so häufig vorhandenen Sprachbarriere, konnten wir ihm nicht erklären, dass es ein wenig länger dauern werde, da wir uns ja auch noch die Show am Fuße des Berges anschauen wollten. Wir waren also 1,5 Stunden vor Beginn der Show am Berg, plus 1,5 Stunden Dauer der Show und die Fahrt hinauf und herab vom Berg, was ca. 2 Stunden in Anspruch genommen hat. Summa summarum hat der gute Mann, also 5 Stunden in seinem Taxi gesessen und auf uns gewartet. Der alte Mann hat uns in diesem Moment schon ein wenig leid getan. Er hat sich aber keinen Moment beklagt, hat keine Miene verzogen und hat uns anschließend wieder brav zum Hotel gefahren. Und nun kommt der Knaller. Für den gesamten Tag, den wir das Taxi zur Verfügung hatten (und man muss betonen, das Taximeter ist die ganze Zeit gelaufen) und die ca. 60 Kilometer die wir zurückgelegt haben, mussten wir die immense Summe von sage und schreibe 20 Euro auf den Tisch legen. Das war definitiv das günstigste Taxi, das ich in meinem ganzen Leben genommen habe.
Am nächsten Morgen wurde ich beim Öffnen des Vorhangs im Hotelzimmer von strahlendem Sonnenschein empfangen. An diesem zweiten Tag stand die Erkundung des eigentlichen Höhepunktes Lijiangs, der Altstadt, auf dem Programm. Und diese Altstadt ist ein wirklicher Traum. Die Gebäude sind alle im altertümlichen Stil der Naxi (die am stärksten vertretene Minderheit Lijiangs) erbaut, mit geschwungenen Ziegeldächern und viel Holz und halten so wirklich alles was man sich vom klassischen, architektonischen Stil Chinas verspricht. Hinzu kommt, dass die autofreie Altstadt von malerischen, schmalen Kopfsteinpflasterstrassen geprägt ist und viele kleine Kanäle, mit klarem Gebirgswasser durch die Strassen laufen. Aufgrund der Kanäle gelangt man zu den Eingängen der Häuser nur über kleine, hölzerne Brücken und die Strassen sind überall mit den traditionellen, roten Lampions geschmückt. All dies verleiht der Stadt einen unglaublichen Charme und macht die Stadt aus meiner Sicht so einzigartig. Und auch ein altes Sprichwort besagt: "Wenn Du Lijiang nicht besucht hast, warst Du nicht in Yunnan!"
Dummerweise ist Lijiang nicht so einfach zu erreichen, da es keine Nonstop Flüge von Shanghai oder Peking gibt und so dauert die Anreise von Shanghai über den Flughafen Kunming knappe 5 Stunden. Daher ist es für die vielen ausländischen Touristen, die bevorzugt in den Osten Chinas reisen auch eher ein unbekanntes Reiseziel und wir waren eine der sehr, sehr wenigen ausländischen Touristen in Lijiang. Daher freut es mich umso mehr, dass mir aufgrund meines Einsatzes in Kunming die Möglichkeit geboten wurde, dieses wundervolle Städtchen zu besuchen und es zeigt mir wieder einmal welches Glück mir durch meinen Job zuteil wird.

Und nun sitze ich in meinem Hotelzimmer in Shanghai und es bleiben mir nur noch weitere 5 Tage in China bevor es zurück in die Heimat geht. Ich hatte ja bereits in meinem letzten Bericht angekündigt mich ein wenig mehr den Gewohnheiten und meinen Erlebnissen im chinesischen Alltag zu widmen. Ich hoffe, dass ich noch vor meiner Abreise am kommenden Samstag die Gelegenheit habe, dies zu tun und auch um ein Resümee meines ersten Jahres zu ziehen, das so vielfältig und aufregend war.

(Bilder: 1) Terrakotta-Armee in Xi'an, 2) Show "Impressions of Lijiang" am Fusse des Bergs, 3) Ausblick vom Berg auf 4680 m, 4) Altstadt-Gasse von Lijiang bei Nacht, 5) Wasserraeder von Lijiang am Eingang der Altstadt, 6) Altstadt-Gasse von Lijiang bei Tag, 7) Ueber den Daechern von Lijiang, 8) Schwarzer Drachenteich mit kleiner Pagode in Lijiang)

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Ab in den Süden, der Sonne entgegen

Nachdem es Mitte November nun doch auch in Kunming langsam kälter wurde, ging es an den vergangenen beiden Wochenenden noch weiter in Richtung Süden als das eh schon südlich gelegene Kunming. Nach 4 Wochen in China und damit der Halbzeit meiner Zeit hier ging erstmals raus aus dem Land und zwar nach Bangkok. Dieser Trip war nicht ganz freiwillig, denn obwohl wie zuvor erwähnt mit meiner Visum-Beantragung für China in den Philippinen doch noch alles geklappt hat, gab es da einen Haken. Denn das einzige Visum das man uns ermöglicht hat, war ein Doppeleinreisevisum mit jeweils 30tägiger Aufenthaltserlaubnis. Dies bedeutet wir dürfen innerhalb der nächsten 6 Monate zweimal in das Land einreisen und jeder Aufenthalt darf die Dauer von 30 Tagen nicht überschreiten. Da wir nun aber 8 Wochen Projektlaufzeit haben, kommen wir da mit den 30 Tagen nicht ganz hin und somit mussten wir das Land einmal verlassen. Wir haben zwar noch versucht das Visum in China zu verlängern, um länger im Land bleiben zu dürfen, aber dies wäre wiederum mit zu hohen und aufwendigen Formalien verbunden gewesen. Und da wir 56 Tage im Land bleiben und dies nahe an die 2 mal 30 Tage grenzt, musste die Ausreise speziell am vierten Wochenende geschehen, um mit den 30 Tagen pro Aufenthalt hinzukommen. Von Kunming im Süden Chinas blieben da nicht allzu viele Optionen, denn neben Thailand kam höchstens noch Vietnam (wofür man allerdings ein Visum benötigt) und Hong Kong (was als Ausreise aus China zählt, obwohl es offiziell zu China gehört) in Frage. Ich habe mich dann aber für Bangkok entschieden, entgegen der Entscheidung der meisten Kollegen nach Hong Kong zu fliegen und habe das Wochenende auch gleich noch um einen Tag Urlaub verlängert. Denn obwohl ich nur über 10 Tage Urlaub pro Jahr verfüge (mal abgesehen von den 3 Wochen Homeleave über Weihnachten und Neujahr), habe ich davon bisher nur 5 Tage über das Neusser Schützenfest in Anspruch genommen und ich sollte meine Urlaubstage nach Möglichkeit bis Jahresende genommen haben. Ich habe die 3 Tage in Bangkok wirklich genossen und das Wetter war ebenfalls ausgezeichnet. November gehört sicherlich zu den besten Reisezeiten für Thailand, denn die Temperaturen sind etwas angenehmer als beispielsweise im Sommer, aber dennoch war es mit Temperaturen über 30 Grad keineswegs kühl. Begleitet wurde der Trip durch den positiven Nebeneffekt, dass wir aufgrund unserer Visumssituation gezwungen waren China zu verlassen und wir somit durchsetzen konnten, dass der Flug nicht von unserem Wochenendenbudget zu bezahlen ist, sondern separat von der Firma übernommen wurde. Somit stand ausreichend Kapital zur Verfügung um es für Hotel, Taxis, Ausflüge und sonstige Aktivitäten zu nutzen. Dies habe ich dann auch getan, indem ich eine Vielzahl der interessanten Sehenswürdigkeiten Bangkoks besichtigt habe, sowie einen Tagesausflug in die nahe gelegene historische Stadt Ayuthaya, die über zahlreiche alte Tempelanlagen verfügt, gemacht habe. Dies waren meine Aktivitäten für den Freitag und den Samstag. Besonders gut gefallen hat mir hierbei die Architektur und der Stil der vielen Sehenswürdigkeiten Bangkoks. Der Palast, sowie die vielen buddhistischen Tempelanlagen sind von vielen Farben und vor allem Gold geprägt und wirken dadurch sehr prunkvoll und beeindruckend.
Darüber hinaus habe ich mir aber am Wochenende auch ein wenig Entspannung gegönnt, in Form von zwei Massagen und Samstag Abend habe ich eine Veranstaltung des in Thailand überaus beliebten Thai-Boxing angeschaut. Auch den Sonntag habe ich ruhig angehen lassen und habe die überwiegende Zeit am Pool des Hotels verbracht und habe die Sonne genossen, bevor es zurück nach China ging.

Wenn man China bereist, so sind das Ziel primär historische Stätten, denn China verfügt über endlose Kulturreichtümer. Oder aber man begibt sich in eine der Metropolen, wie z.B. Shanghai oder Peking. An Sonne und Strand denkt man bei China jedoch eher nicht und dennoch gibt es einen Ort an dem wunderbar ein sonniges Wochenende am Strand verbringen kann. Und dies war für mich und meinen spanischen Kollegen Diego, der die Sonne so viel mehr vermisst als ich, das Ziel unseres Wochenendes. Der südlichste Punkt Chinas ist die Stadt Sanya auf der Insel Hainan, die auf der Höhe Nordvietnams liegt und somit von ganzjährig warmen bis heißem Wetter profitiert. Bei Sanya liegt die Yalong Bucht, dessen Strand der Schönste Chinas ist und somit von mehreren luxuriösen Resorts gesäumt ist. Unser ausgewähltes Domizil für das Wochenende war das Sheraton Resort, das in den vergangenen 5 Jahren dreimal Austragungsort der Miss World Wahl war. Das klang für uns viel versprechend und so haben wir uns dort 2 Nächte einquartiert. Und wir wurden nicht enttäuscht, denn das Resort verfügt über drei Pools, wovon einer im Lagunenstil errichtet ist, über einen herrlichen Strandabschnitt mit nahezu weißem Sand und komfortablen Liegen und das gesamte, weitläufige Areal mit Palmen, Koi-Teich und vielem, vielem mehr war in der Tat eine Oase der Erholung. Der Samstag wurde uns zwar von einem bewölkten Himmel zunächst ein wenig vermiest, wir haben uns es aber mit Vodka und Red Bull am Strand gut gehen lassen und haben das Vergnügen bei einer Partynacht in Sanya fortgesetzt. Sonntag wurden wir dann, nachdem wir aus dem Bett gekrochen sind, mit strahlend blauem Himmel und Sonne satt verwöhnt und wir haben es nicht bereut, neben den vielen Wochenenden in China, an denen wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten jagen, auch einfach mal ein relaxtes Wochenende eingelegt zu haben.

Inzwischen ist meine Zeit in Kunming nahezu gelaufen, denn heute hatten wir unsere Abschlussbesprechung in der Coke Niederlassung hier und am Wochenende geht es wieder zurück nach Shanghai, um die letzten 2 Wochen die Ergebnisse der drei über China verteilten Audits zu konsolidieren. Ich habe recht viel über die vergangenen 5 Wochenenden berichtet, daneben habe ich aber auch wirklich viele Eindrücke während der Woche in Kunming gesammelt, die so glaube ich hier ein wenig zu kurz gekommen sind. Daher denke ich es ist an der Zeit, mal ein wenig mehr über dieses unheimlich vielseitige und doch so sehr fremde Land, seine Leute und alltäglichen Gewohnheiten zu erzählen. Dies möchte ich aber erst in meinem nächsten Bericht in der kommenden Woche machen, wenn ich zurück in Shanghai bin und sich meine erlebnisreiche Zeit in China langsam ihrem Ende nähert.

Sonntag, 23. November 2008

Peking und Guilin

Nach dem ersten Wochenende in Shanghai ging es am zweiten Wochenende in die Hauptstadt Chinas, nach Peking. Die Entscheidung Shanghai und Peking an den ersten beiden Wochenenden zu machen habe ich bewusst getroffen. Der Grund hierfür ist das Klima. Da ich von Ende Oktober bis Weihnachten in China bleibe und es im Norden Chinas im Dezember mit Minusgraden und Schnee doch recht eisig werden kann, ist es eine sinnvolle Entscheidung die nördlichen Ziele zu Beginn anzugehen und danach bevorzugt Ziele im Süden des Landes zu bereisen. Die restliche Wochenend-Planung sieht wie folgt aus:

  • Guilin, ein beliebtes Touristenziel in der Provinz Guanxi im Süden des Landes, mit bizarren Karstlandschaften
  • Bangkok, Metropole und Hauptstadt Thailands
  • Sanya, südlichste Stadt Chinas auf der Insel Hainan
  • Lijiang, malerische, traditionelle Stadt an den Ausläufern des Himalaya, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Lediglich, das letzte Wochenende in China ist noch nicht geplant, aber ich bin mir sicher, auch dafür findet sich noch etwas interessantes, denn China bietet eine Fülle an spannenden Zielen.
Aber nun zurück zu Peking ode Beijing wie es in China genannt wird. Die Hauptstadt hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten und wie ich am Ende des Wochenendes feststellen musste, reicht ein Wochenende nicht aus um all die interessanten Punkte zu sehen. Ein absolutes Muss für ein Peking-Wochenende, auch wenn es nicht wirklich zur Stadt zählt, ist ein Besuch der chinesischen Mauer. Es gibt im engeren Sinne 4 verschiedene Stellen, an der man die Mauer besuchen kann. Zum Glück gibt es einige Kollegen, die schon zuvor die Mauer besucht haben und von allen wurde uns die Peking am nächsten gelegene Stelle Badaling abgeraten. Denn egal zu welcher Jahreszeit, gleicht die Mauer dort eher einem Jahrmarkt mit tausenden dicht gedrängten Menschen. Daher fiel die Wahl auf Mutianyu, einer Stelle die nur geringfügig weiter entfernt liegt, dafür aber wesentlich ruhiger ist und somit mehr Gelegenheit bietet die Mauer auch wirklich zu genießen. Und da sich für das Wochenende eine große Gruppe von mehr als 10 Kollegen in Peking eingefunden hatte, haben wir vom Hotel einen Kleinbus angeheuert, der uns sicher und ohne große Umwege zur Mauer chauffiert hat. Es ist wirklich beeindruckend wie sich die Mauer über die Bergketten schlängelt und der Gang über den nur gut zwei Kilometer langen Abschnitt ist an der ein oder andern Stelle aufgrund der enormen Steigung doch recht anstrengend. Und obwohl die Temperaturen bei nur etwa 10 Grad lagen, ist trotzdem der Schweiß geflossen. Der Trip war aber jeden Tropfen Schweiß wert, denn aus meiner Sicht ist die chinesische Mauer vollkommen zu Recht Chinas Touristenattraktion Nr. 1. Nachdem wir dort einige Stunden verbracht haben, ging es mit dem Bus wieder in zurück in Richtung Peking. Dort angekommen war der Tag aber auch schon fast gelaufen und die Zeit reichte nur noch für einen kurzen Abstecher zum Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz).
Am nächsten Morgen ging es trotz langer Feierlichkeiten in der Nacht zuvor, wieder um 9 Uhr morgens los, denn auf dem Programm standen zwei weitere Höhepunkte Pekings. Die Verbotene Stadt, sowie der Sommerpalast der ehemaligen Kaiser. Auch diese Bauwerke waren wiederum sehr beeindruckend und haben nahezu den ganzen Tag in Anspruch genommen. Und somit war das Wochenende auch schon fast wieder gelaufen. Bevor es zum Flughafen ging, blieb lediglich noch Zeit einen kurzen Zwischenstop von 15 Minuten am Olympiastadion zu machen, um das faszinierende Stadion, dass man seit diesem Sommer aus dem Fernsehen kennt, mal aus nächster Nähe zu sehen. Tja, wie zuvor bereits gesagt, ein Wochenende reicht nicht wirklich aus um Peking in seiner gesamten Fülle zu besichtigen und sollte mich mein Job ein weiteres Mal nach China verschlagen, so werde ich Peking sicherlich noch einmal einen Besuch abstatten.

Nach einer weiteren Woche Arbeit, die ohne besondere Vorkommnisse verlaufen ist, ging es am darauf folgenden Wochenende mit einer Gruppe von 7 Kollegen nach Guilin. Der Flug dauerte nur 1 Stunde 20 Minuten, was nach den jeweils 3stündigen Flügen nach Shanghai und Peking mal recht angenehm war. Der Name Guilin hat mir zuvor nichts gesagt, aber Guilin ist gemäß meinem Reiseführer der am zweithäufigsten besuchte Ort Chinas nach Peking und der chinesischen Mauer. Guilin ist geprägt von Karstbergen, die sowohl in der Stadt als auch im gesamten Großraum um Guilin aus dem Boden herausragen. Hauptattraktion ist eine Bootsfahrt auf dem Fluss Li. Die Bootsfahrt dauert ca. 4 Stunden und führt auf ihrem Weg in die Stadt Yangshuo vorbei an beeindruckenden Felslandschaften. Dies war daher auch unser erster Programmpunkt für den Samstag und dauerte bis knapp 16 Uhr. Das Wetter war uns glücklicherweise wohl gesinnt und so konnten wir den gesamten Tag bei knapp über 20 Grad genießen. Zurück in Guilin blieb uns noch Zeit, den Elefantenrüsselberg zu sehen. Der Elefantenrüsselberg trägt seinen Namen, weil er (zumindest mit ein wenig Phantasie) wie ein Elefant aussieht der aus dem Fluss Li trinkt. Die Sonne geht im Süden Chinas zu dieser Jahreszeit mit ca. 18.30 Uhr doch deutlich später unter als z.B. in Deutschland und so hatten wir zur Abenddämmerung auch noch die Gelegenheit den Sonnenuntergang hinter den Pagoden am Shanhu-See zu betrachten. Guilin ist sich seiner touristischen Bedeutung in China sehr wohl bewusst und daher ist Guilin im Vergleich zu manch anderer chinesischen Stadt auch erstaunlich sauber, verfügt über unheimlich viele Blumen und Grün und das ganzjährig angenehme Klima macht es zu jeder Jahreszeit zu einem beliebten Reiseziel.
Der Sonntag bestand für mich nur noch aus einem weiteren Trip, zu einer beeindruckenden Tropfsteinhöhle (Schilfrohrflötenhöhle), da ich mich für einen Rückflug bereits um 16.15 Uhr entschieden habe. Die andere Möglichkeit wäre gewesen gegen 21. 30 Uhr zurück nach Kunming zu fliegen, so wie es die anderen beiden Kollegen getan haben. Doch auf Dauer ist es ganz schön ermüdend sonntags immer erst gegen 22 oder 23 Uhr zurück zu sein und so war ich auch mal ganz froh schon gegen 18 Uhr wieder im Hotel in Kunming zu sein. Das bot mir dann auch die Gelegenheit noch in aller Ruhe mein Abendessen einzunehmen und einen erholsamen Spaziergang durch den dem Hotel nahe gelegenen Green Lake Park zu machen. Und während die beiden Kollegen noch im Flieger in Richtung Kunming saßen, habe ich um 22.30 Uhr das Licht im Hotelzimmer ausgeknipst und habe meinen Schlaf genossen.

(Bilder: 1) Chinesische Mauer bei Mutianyu, 2) Verbotene Stadt, 3) Sommerpalast, 4) 100m-Finale vorm Olympiastadion, 5) Flussfahrt auf dem Li, 6) Pagoden am Shanhu-See, 7) Tropfsteinhöhlen von Guilin)

Montag, 10. November 2008

Kunming und Shanghai – Tradition versus Moderne

Inzwischen bin ich seit knapp 2 Wochen in meinem Einsatzort in Kunming. Kunming ist außerhalb von China wohl kaum jemandem geläufig und daher will ich mal ein paar mehr Informationen über diese (Klein)stadt erwähnen. Klein setze ich in Klammern, da die Chinesen Kunming als Kleinstadt bezeichnen, wäre diese Stadt jedoch in Deutschland so wäre sie die größte Stadt Deutschlands, denn es leben dort ca. 5 Millionen Menschen. Kunming liegt in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Yunnan grenzt an Vietnam, Laos und Myanmar und aufgrund der Lage im Süden herrscht hier das ganze Jahr über ein angenehmes Klima vor. Die Temperatur fällt selbst im Winter nur selten unter 8 Grad und so ist das Wetter auch derzeitig mit Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad wirklich angenehm. Daher trägt die Stadt in China auch den Beinamen Spring City. Natürlich hätte ich mir lieber gewünscht in Shanghai oder Peking zu arbeiten, aber zumindest das Wetter in Kunming ist ein absoluter Vorteil. Es hätte nämlich auch schlimmer kommen können. Wir haben ein Team in Dalian, den Erzählungen der Kollegen zu Folge eine sehr nette Stadt, aber die Lage nördlich von Peking bringt dann leider sehr kalte Temperaturen mit sich und so liegen die Temperaturen jetzt Anfang November bereits bei kühlen 5-8 Grad. Da graut es den Kollegen schon vor dem Dezember.
Kunming liegt etwa 2000m über dem Meeresspiegel, ist umgeben von Bergen und landschaftlich sehr reizvoll. Daher ist die Provinz Yunnan für die Chinesen auch ein beliebtes touristisches Ziel. Außerdem verfügt die Stadt über alle Annehmlichkeiten anderer Grosstädte und auch Fastfood-Ketten wie McDonalds, KFC oder Pizza Hut haben hier bereits ihren Platz gefunden. Ansonsten merkt man aber doch schon deutlich den Unterschied zu einer modernen Metropole wie Shanghai. Insbesondere beim Aussehen und Stil der Kleidung hängt Kunming Städten wie Shanghai oder Peking noch deutlich hinterher. Während in Shanghai oder Peking mittlerweile alle bekannten Designer und Marken ihre Shops eröffnet haben, herrscht in Kunming noch eher traditioneller Stil vor und Fashion spielt eine untergeordnete Rolle. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass Yunnan in China für die dort zahlreich lebenden Minderheiten bekannt ist. So war z.B. das Erste was mir ein chinesischer Kollege auf meine Frage wie Kunming sei antwortete, dass es dort sehr viele Minderheiten gebe.
Dies haben wir dann auch am vergangenen Donnerstag live erleben können. Die Leiterin des Finanzbereichs hat uns zum Dinner eingeladen. Was wir aber nicht wussten ist, dass das Restaurant ein traditionelles Showrestaurant ist. Das Restaurant hat einen großen Saal, in dem runde Tische für 6-8 Personen stehen und verfügt über eine große Bühne. Dort führen dann Gruppen der verschiedenen Minderheiten traditionelle Tänze auf. Zudem wird traditionelle chinesische Küche serviert. Das Essen war zwar nicht in jeder Hinsicht mein Fall, aber das Bühnenprogramm war wirklich sehr interessant, da man so etwas halt nicht alle Tage sieht und erlebt. Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass mir Kunming eigentlich ganz gut gefällt und es vielleicht sogar ganz gut ist, nicht die gesamten 8 Wochen in Shanghai zu sein, da man so das wirkliche Leben Chinas mitbekommt. Denn Shanghai, die moderne Megacity, die eher Städten wie New York oder London gleicht, steht sicherlich nicht stellvertretend für das ganze Land und das Leben in den ländlicheren Gegenden. Der Einzige wirklich große Nachteil, den ich hier feststellen musste ist, dass nahezu kein Mensch Englisch spricht. Während man in Shanghai, noch einigermaßen zurecht kommt, auch wenn noch lange nicht jeder Englisch spricht, so ist es in Kunming wirklich ein Desaster. Selbst im Coke-Office, von dem man als Niederlassung einer amerikanischen Firma doch wenigstens ein Basiswissen an Englisch erwartet oder erwarten kann, sprechen lediglich zwei unserer Ansprechpartner Englisch. Dadurch können wir fast kein Gespräch allein mit den Mitarbeitern führen, ohne die Unterstützung einer unserer drei chinesischen Teammitglieder. Das bringt mich auch gleich zu einer weiteren witzigen Anekdote. Es gibt eine goldene Regel: Verlasse niemals das Hotel, ohne die Adresse zu der man möchte, in chinesischen Zeichen auf einem Blatt Papier notiert zu haben. Aufgrund der günstigen Preise eines Taxis in China, ist dies unsere bevorzugte Fortbewegungsweise. Die Taxifahrer haben jedoch keinen blassen Schimmer von Englisch, vermutlich wissen sie nicht einmal, dass diese Sprache existiert. Und so kommt man nicht einmal mit den Worten City Center, Downtown oder Airport weiter. Daher immer ein Blatt Papier nehmen und sich die Adresse vom Hotelpersonal aufschreiben lassen. Ist man dann letztendlich sicher z.B. im Restaurant angekommen, so geht das nächste Problem los. Wie bestellt man ohne größere Probleme sein Essen. Denn auch dort ist es eher unwahrscheinlich bis nahezu unmöglich ein Exemplar der Minderheit „Englischsprecher“ oder „Englischversteher“ anzutreffen. Also gilt es sich sein Essen nach Bildern auszusuchen und zu hoffen, dass das Fleisch das nach Hühnchen aussieht, in Wirklichkeit kein Frosch oder eine Schildkröte ist. Denn im Grunde gilt, in China und speziell im Süden Chinas, wird beinahe alles was zwei oder mehr Beine hat und sich bewegt, verzehrt. Hinzu kommt, dass vom Kopf, über das Herz und die Innereien bis hin zu den Füßen nahezu alles seinen Weg auf den Teller findet. So hatten wir bereits einmal das Vergnügen eine Suppe mit Hühnchen zu essen und bei dem Versuch sich Nachschlag aus dem Suppentopf zu nehmen, tauchte plötzlich ein Hühnerfuß in der Suppenkelle auf. Die Suppe an sich war aber ganz lecker. J Auch die Idee sich ein saftiges Rindersteak zu bestellen, hat bei uns am ersten Tag in Kunming zu Schwierigkeiten geführt. Die Bestellung des Steaks ist zunächst nicht weiter schwer gefallen, doch mach dann dem Kellner der munter in chinesisch auf uns einplappert mal klar, dass man sein Steak englisch, medium oder gut durch haben möchte. Und so landeten letztendlich alle drei Steaks, die wir bestellt hatten gut durch auf unserem Tisch. Na ja, der Geschmack und die Konsistenz des Fleischs war ohnehin eher mangelhaft, da hätte es auch nicht weitergeholfen wenn das Steak medium gewesen wäre. Letztendlich ist das Problem mit dem Englischen aber auch nicht ganz so tragisch. Man arrangiert sich irgendwie damit und lernt geduldig zu sein und auf der anderen Seite ist es halt eben auch genau das, was meinen Job so spannend und abwechslungsreich macht. Für unser Lunch haben wir inzwischen schon unser chinesisches Stammrestaurant gefunden, wo natürlich auch niemand Englisch spricht. Beim Betreten des Restaurants kommt immer Freude beim Personal auf und wir werden mit zurückhaltendem, chinesischem Gekicher empfangen. Und auch bei uns hebt sich die Laune, denn wir wissen dass nun wieder unser witziger Bestellmarathon beginnt, in dem wir mit Händen und Füssen unsere Bestellung aufzugeben versuchen. Das kann schon mal an die 10 Minuten dauern. Am Anfang hat unser Kollege Nacho noch Tiere wie z.B. ein Schwein, eine Kuh oder ein Huhn auf ein Blatt Papier gemalt und als Witz auch mal einen Hund, was von der Kellnerin aber direkt mit einem entsetzten „No, No, No“ kommentiert wurde. Mittlerweile haben wir uns aber zumindest mit einem Basislexikon aus einem Reiseführer bewaffnet, der über hilfreiche Übersetzungen für z.B. Rindfleisch, Hühnerfleisch, Fisch, Gemüse, Reis, Wasser und noch vieles mehr verfügt. Damit kommen wir dann schon ganz gut über die Runden.
Soviel zu Kunming und seinen alltäglichen Tücken. Fürs erste Wochenende bin ich dann zurück nach Shanghai geflogen, um die Stadt mal ein wenig näher kennen zu lernen. Shanghai hat mir im Grunde recht gut gefallen, da es sehr modern und dynamisch ist und man wirklich alle Annehmlichkeiten, die man auch von Deutschland gewohnt ist finden kann. Touristisch gesehen, hat es jedoch aus meiner Sicht relativ wenig zu bieten. Da ist zum Einen die recht nette Uferpromenade am Fluss im Viertel Bund, mit Blick auf das Finanz- und Geschäftsviertel Pudong, wo auch das Wahrzeichen Shanghais, der Pearl Tower steht. Des Weiteren ist da noch eine schöne Gartenanlage (Yu Garden) in der Altstadt Shanghais, die allerdings recht überlaufen ist. Es gibt da vermutlich noch die Ein oder Andere ganz interessante Sache, aber im Wesentlichen war es das schon. Erwähnenswert ist allerdings noch eine Entdeckung, auf die ich mit meinem Kollegen Diego eher per Zufall gestoßen bin. Wir sind durch einen Park (Peoples Park) gelaufen und sind plötzlich an eine Stelle gekommen, an der wir eine große Menschenansammlung vorgefunden haben. Wir wussten zunächst nicht so ganz, was da vor sich geht, also haben wir uns das mal ein wenig genauer angeschaut. An der Stelle waren Frauen und Männer alle im Alter so zwischen 50 und 70 versammelt und an zahlreichen Leinen, die wie Wäscheleinen zwischen den Bäumen gespannt waren, hingen mit chinesischen Zeichen bedruckte DIN A4 Blätter die einen kurzen Text aufweisen. Ein Zettel hatte den Text sowohl in Chinesisch als auch in Englisch und wir konnten daher lesen, dass es sich bei den Zetteln um eine Art Kontaktanzeige handelt. Nun gut dachten wir, ist ja recht interessant, die Leute suchen halt auf diese Art und Weise nochmal einen Partner fürs Leben. Die Sache geht aber noch weiter, denn wir lagen mit unserer Vermutung nicht ganz richtig. Auf dem Ersten Zettel haben wir die Zahl 76 gelesen und wir sind davon ausgegangen, dass es sich dabei um das Alter der Frau handelt, die laut Infos ehrliche Heiratsabsichten hat. Drei Bäume weiter haben wir dann aber einen weiteren Zettel in Englisch erblickt, der zudem über ein Foto verfügte. Das Foto zeigte aber keine Frau im Alter von 79 sondern eine junge Chinesin, die 29 Jahre alt ist, denn die Zahl 79 auf dem Zettel stand nicht für das Alter sondern für das Geburtsjahr. Und so haben wir herausgefunden, dass es sich bei der Menschenansammlung um einen in China üblichen sog. Heiratsmarkt handelt. Die Eltern hängen Zettel mit den Informationen ihrer Töchter und Söhne aus und suchen so einen Mann oder Frau für ihre Kinder, die um die 30 Jahre oder älter sind. Denn in China ist es nicht angesehen, wenn man mit 30 Jahren noch immer unverheiratet ist und so versuchen die Eltern alles um den Sohn oder die Tochter endlich unter die Haube zu bringen. Ich hoffe meine Eltern kommen jetzt nicht auf dumme Gedanken und hängen Zettel von mir in Neuss aus. J
Ein Höhepunkt stand dann noch am Ende meines Shanghai-Wochenendes auf dem Programm und zwar die Fahrt zum Flughafen. Denn was in Deutschland nie durchgesetzt werden konnte, ist in Shanghai seit einigen Jahren Wirklichkeit… der Transrapid oder Maglev wie er in Shanghai genannt wird. Die Magnetschwebebahn die Shanghai mit dem außerhalb liegenden internationalen Flughafen verbindet, benötigt für die 30 Kilometer lange Strecke gerade einmal 7 Minuten. Für die gleiche Strecke braucht man mit dem Taxi je nach Verkehr zwischen 30 und 45 Minuten. Die Fahrt mit dem Transrapid war wirklich ein Erlebnis, denn er rast mit einer Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h durch die Stadt und ehe man sich versieht ist man auch schon am Flughafen angekommen.

(Bilder: 1) Eingang zu unserem Stammrestaurant in Kunming, 2) Altstadt von Shanghai, 3) Yu Garden Shanghai, 4) Heiratsmarkt in Shanghai, 5) Pearl Tower, 6) Geschwindigkeitsanzeige im Transrapid)

Dienstag, 4. November 2008

Die letzte Runde in 2008 hat begonnen

Letztendlich hat mit dem Visum für China doch noch alles geklappt und wir konnten unser Visum rechtzeitig von den Philippinen aus beantragen. Es hat uns zwar noch endliche Stunden in der chinesischen Botschaft gekostet, inklusive Interview mit dem Konsul für all diejenigen die erstmals nach China einreisen, aber zumindest sind wir am Schluss doch alle pünktlich am 26. Oktober in Shanghai eingetroffen. Das Wochenende davor habe ich wie zuvor bereits erwähnt in Taipei verbracht. Die Entscheidung dafür ist nicht etwa aufgrund der Tatsache getroffen worden, dass ich schon immer mal nach Taiwan wollte, aber es war schlichtweg die beste Flugverbindung. Der Flug von Manila nach Taipei dauerte gerade einmal 1 Stunde 50 Minuten und auch der Weiterflug nach Shanghai war mit 2 ½ Stunden recht kurz. Eigentlich hätte ich das Wochenende lieber in Seoul, Hanoi oder Bangkok verbracht, aber die Flugverbindungen waren allesamt so schlecht, dass sich ein Aufenthalt dort nicht gelohnt hätte. Also habe ich mich für die bequeme Alternative entschieden und habe Taipei fürs Wochenende gewählt. Beeindruckt hat mich die Stadt jedoch keineswegs. Die Gebäude sind überwiegend grau und sanierungsbedürftig, die Strassen sind auch nicht gerade als sauber zu bezeichnen und die Sehenswürdigkeiten der Stadt halt sich doch stark im Rahmen. Aber nun war ich halt mal hier und so habe ich das Beste daraus gemacht. Taipei verfügt mit dem Taipei 101 über das höchste Gebäude der Welt. Es hat 101 Stockwerke (daher der Name) und ist 509 Meter hoch. Das Gebäude wird zwar in naher Zukunft vom noch in Bau befindlichen Burj Dubai in Dubai abgelöst werden, aber zum heutigen Zeitpunkt gilt es noch als das höchste Gebäude der Welt. Daher war es auch das erste Ziel für mein Wochenende. Die Aufzüge bringen einen in weniger als 40 Sekunden zum Aussichtsdeck von wo man wirklich eine herrliche Aussicht über Taipei genießt. Neben dieser Hauptattraktion gibt es noch ein paar weitere interessante Ecken, darunter ein buddhistischer Tempel und eine Gedächtnishalle für einen angesehen Revolutionär und Politiker, die ich besucht habe. Das war es aber auch schon im Großen und Ganzen und den Sonntag habe ich daher dazu genutzt mal wieder richtig auszuschlafen und nichts zu tun, bis zu meinem Abflug nach Shanghai.

Dort bin ich dann auch Sonntag abend angekommen und die Stadt macht auf den ersten Anblick einen wirklich gewaltigen Eindruck. An jeder Ecke schießen neue moderne Wolkenkratzer und Büro- oder Shoppingkomplexe aus dem Boden und auch einer meiner aus Shanghai stammenden Kollegen hat mir bestätigt, dass sich die Stadt im Grunde monatlich verändert. Die enorme Dynamik die in der Stadt herrscht ist momentan vermutlich nur noch mit Dubai zu vergleichen. Leider hatte ich aber zunächst nur 2 Tage Zeit in der Stadt zu verweilen, denn mein eigentlicher Einsatzort für die ersten 6 Wochen ist das im Südwesten Chinas gelegene Kunming. Daher ging es Dienstag Nachmittag nach ersten Meetings und Planungsarbeiten schon wieder mit dem Flieger weiter. Aber zumindest hatte ich Montag abend noch die Gelegenheit mal wieder ein gutes deutsches Bier zu genießen. Denn zusammen mit Martin und unserer japanischen Kollegin Miyuki, ging es am ersten Abend los schon mal ein wenig das Nachtleben zu erkunden. Und so sind wir in das vom Concierge empfohlene Xin Tian Di aufgebrochen, eine Fußgängerzone mit vielen Restaurants und Bars. Doch wer hätte gedacht, dass man dort ein Paulaner Brauhaus vorfindet. Das haben Martin und ich uns natürlich nicht nehmen lassen und haben Miyuki auf ein herrliches Weissbier in das Brauhaus geschleppt. Das Bier hatte zwar auch seinen Preis (ca. 8 Euro für ein 0,5 Glas), aber das haben wir uns den Gaumenspaß mal kosten lassen.
Am Dienstag ging es dann wie gesagt schon weiter nach Kunming. Zumindest ein Punkt hat es mir ein wenig erleichtert, Shanghai schon wieder so früh zu verlassen und zwar der Himmel. Während der olympischen Spiele haben die Kommentatoren in Peking ja doch des Öfteren den grauen, mit Smog belasteten Himmel beklagt und ich muss sagen Shanghai ist da leider keinen Deut besser. Weder in den ersten beiden Tagen die ich in Shanghai verbracht habe, noch an dem darauf folgenden Wochenende an dem ich wieder nach Shanghai zurückgeflogen bin, habe ich auch nur eine Sekunde einen blauen Himmel gesehen. Wenn es jetzt die ganze Zeit bewölkt und verregnet gewesen wäre so könnte man da ja nichts weiter sagen, denn dann haben wir auch in Deutschland einen grauen Himmel, aber in Shaghai ist es eindeutig die Luftverschmutzung die für den grauen Schleier über der Stadt verantwortlich ist. Ich kann mir vorstellen, dass man sich daran mit der Zeit gewöhnt wenn man in Shanghai lebt, aber auf Dauer stelle ich mir das doch auch recht belastend vor und ich würde mich nicht wundern, wenn der Ein oder Andere davon depressiv wird.
So, dies möchte ich an dieser Stelle schon einmal vorwegschicken und von meinen ersten Eindrücken aus Kunming, sowie meinem ersten Wochenende in Shanghai folgt dann mehr in den kommenden Tagen.

(Bilder: 1) Taipei 101, 2) Buddhistischer Tempel in Taipei, 3) Grauer Alltag in Shanghai, 4) Ein Gefühl von Heimat)