Die ersten zwei Wochen in Athen sind inzwischen vergangen und leider Gottes warten wir noch immer ein wenig auf das so sehnlichst erhoffte Frühlingswetter. Die Temperaturen sind zwar sicher milder als in Deutschland, dennoch haben wir bisher überraschend viele bewölkte und verregnete Tage gehabt

. Glücklicherweise wurde ich zumindest an den Wochenenden mit überwiegend schönem Wetter belohnt.
Das erste Wochenende habe ich in Istanbul verbracht und musste dafür Unmut der Griechen hier im Office über mich ergehen lassen. Die Griechen, die ja bekanntermaßen nicht gerade das engste Verhältnis mit den Türken pflegen, konnten es nun gar nicht verstehen, dass gerade erst angekommen in Griechenland ich das Land am ersten Wochenende schon wieder verlasse. Und dann auch noch ausgerechnet nach Istanbul, oder vielmehr Konstantinopel wie es ja eigentlich laut der Griechen weiterhin heißen müsste. Ich konnte die Wogen aber schnell wieder glätten, indem ich versprochen habe die weiteren Wochenenden in Griechenland zu verbringen. Viele waren dann nach meinem Trip wohl erfreut zu hören, dass Istanbul nicht meine Lieblingsstadt sei. Istanbul hat für ein Wochenende doch einige interessante P

lätze, die man sehen sollte (Blaue Moschee, Hagia Sophia, Großer Bazaar, Bosporus und Topkapi Palast) und diese konnte ich auch überwiegend alle an einem Wochenende besichtigen. Dennoch hat die Stadt auf mich eher einen chaotischen und auch etwas staubigen bis schmutzigen Eindruck hinterlassen. Daher kann ich als Fazit ziehen, durchaus eine Stadt die man mal gesehen haben sollte, aber sicherlich kein Platz zum Leben.
Die darauf folgende Woche war eine sehr angenehme Woche, zumindest aus arbeitstechnischer Sicht. Denn am Mittwoch war in Griechenland ein Nationalfeiertag – sozusagen der 3. Oktober von Griechenland – und so hatten wir einen freien Tag zum relaxen. Den Dienstag abend habe ich zusammen mit Maria, dann zunächst einmal genutzt um eine wenig das Nachtleben zu erkunden. Glücklicherweise hatten wir dafür eine Ortskundige an unserer Seite, denn eine ehemalige Kollegin, mit der ich auch in China zusammengearbeitet

habe, hatte gerade zuvor ihren Job bei Coke gekündigt und ist nach Athen zurückgekehrt. Da bot es sich natürlich an, dass sie uns in ihre Stadt einführt. Der Abend hat begonnen mit einem Besuch einer bei Einheimischen beliebten Taverne, wo wir allerlei griechische Köstlichkeiten verzehrt haben und auch das erste Mal Kontakt mit einem typischen, lokalen Getränk aufgenommen haben. Nein… nicht Ouzo oder Metaxa, wie jetzt der Ein oder Andere meinen mag, sondern warmer Raki mit Honig. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach 2 oder 3 Kurzen davon, schmeckt das Teufelszeug einfach köstlich. Daher ging es anschließend schon gut angeheitert weiter in die Barszene von Athen, wo wir bis 4 Uhr weiterhin ausgiebigst gefeiert haben.
Am nächsten Tag ko

nnte man ja zum Glück ausschlafen, was ich auch gemacht habe. Trotzdem wollte man aber nicht den ganzen Tag verpennen und so hat sich der gesamte Trupp (Maria, Julie mit Frau und meine Wenigkeit) um 12 Uhr mittags auf den Weg gemacht ans Meer zu fahren. Der erste Stopp war Vouliagmeni, ein kleiner Küstenort nur etwa 20km von Athen entfernt, wo wir in einem netten Cafe einen langen Kaffee mit Blick auf das Meer zu uns genommen haben. Da das Wetter zwar sehr sonnig aber auch sehr stürmig war, haben wir uns anschließend wieder ins Auto begeben und sind der Küstenstrasse bis zum ca. 70km entfernten Kap Sounion gefolgt. Die Fahrt über kleine kurvige Landstrassen dorthin hat zwar ein wenig gedauert, aber die wunderschöne Landschaft und der stetige Anblick des Meeres hat die ganze Fahrt eher kurz wirken
lassen. Am Kap angekommen bot sich uns dann der Anblick des Tempels des Poseidons, der als Heiligtum des Meeresgottes gilt und auf einem ins Ägäische Meer steil abfallenden Felsplateau steht. Auf der Rückfahrt haben wir noch in einem kleinen Fischerort Halt gemacht und frischen gegrillten Fisch gegessen. Der Tag war dann leider auch wieder relativ schnell vergangen, aber durchweg gelungen.

Am zweiten Wochenende sind wir zusammen mit dem Auto aufgebrochen. Denn neben der vielfältigen Inselwelt, die Griechenland aufweisen kann – und die wir an den weiteren Wochenenden auch noch erkunden werden – gibt es auch auf dem griechischen Festland zahlreiche interessante Orte zu entdecken. Zwei davon sind Delphi und Meteora, welche unser Ziel für das zurückliegende Wochenende waren. Freitag nach der Arbeit ging es los in Richtung Delphi was etwa 2 Autostunden von Athen entfernt liegt. Übernachtet haben wir jedoch in Arachova, was nur ca. 10km von Delphi entfernt liegt und gleichzeitig Griechenlands größtes Skigebiet ist. Ich war zwar ein wenig überrascht, dass es in Griechenland überhaupt Schnee und Skigebiete gibt, aber der Ort besaß wirklich einen zauberhaften Charme. Ist vermutlich das St. Moritz von Griechenland, wenn auch nicht wirklich vergleichbar, denn im Ganzen verfügt das Skigebiet lediglich über 5 Lifte. Auch hier haben wir ein weiteres köstliches Dinner in einer griechischen Taverne zu uns genommen und auch wieder Bekanntschaft mit dem wa

rmen Honig-Raki (genannt: Rakomolo) gemacht. Dummerweise hat der Besitzer der Taverne früher einmal 10 Jahre in Berlin gelebt und war scheinbar so froh über unseren Besuch in seiner schmucken Taverne, dass er uns nach der Bestellung der ersten Karaffe Raki, zwei weitere Karaffen auf Kosten des Hauses ausgegeben hat. Davon merklich angeschlagen, sind wir anschließend zurück in unser Hotel gewankt um am nächsten Morgen fit für Delphi zu sein.
Um 11 Uhr ging es Samstag morgen dann auch los und schon nach kurzer Fahrt haben wir Delphi erreicht. Delphi gilt in der griechischen Mythologie als der Mittelpunkt der Erde und ist insbesondere für sein Orakel bekannt, dass in der damaligen Zeit (8. Jahrhundert v. Chr. bis 191 v. Chr.) bedeutende Prophezeiungen für die Zukunft abgab. Delphi verfügt über zahlreiche archäologische Stätten und der Besuch nimmt schnell mehrere Stunden in Anspruch. Am eindruckvollsten war für mic

h jedoch die Natur die es umgibt. Delphi ist umringt von steil aufsteigenden Bergmassiven, und liegt zur jetzigen Frühlingszeit inmitten saftig grüner Wiesen mit tausenden gelb blühenden Blumen und zahllosen Zypressen. Einfach herrlich! Am Nachmittag ging es dann weiter, denn vor uns lag noch eine etwa dreistündige Fahrt in das nördlich gelegene Meteora.
Und obwohl mich Delphi am Vortag bereits begeistert hat, konnte Meteora noch eine Schippe drauflegen. Bei Meteroa, dass den meisten eher unbekannt sein dürfte, handelt es sich um Klöster, die im 14.Jahrhundert von Mönchen auf die Spitzen von Felsplateaus gebaut wurden und in der damaligen Zeit als Zufluchtsort vor fremden Eroberern dienten, um die griechische Kultur weiterzuleben. Der Ort ist sicherlich einzigartig auf der Welt und beeindruckt einen enorm. Beim Anblick der Klöster stellt einem sich immer wieder die Frage, wie es die ersten Siedler damals bewerkstelligten die Felsspitzen zu erreichen, Baumateri

alien hochzubringen und dort Klöster zu errichten. Insgesamt sind von damals 23 bestehenden Klöstern nur noch 6 Klöster erhalten, von denen wir 4 besichtigt haben. Der Zugang bzw. Aufstieg war zwar teilweise recht mühsam, aber jeden Tropfen Schweiß wert. Und obwohl die Rückfahrt nach Athen später mehr als 5 Stunden dauerte und ich die gesamte Zeit am Steuer saß (die Mädels fühlen sich in Griechenland, bei den vorherrschenden Verkehrsverhältnissen nicht so wohl am Steuer), habe ich den Trip nach Meteora keine Minute bereut.
(Bilder: 1. Blaue Moschee Istanbul, 2. Maria, Maria & Ich im Nachtleben von Athen, 3. Poseidon Tempel Sounion, 4. Arachova, 5. Apollon-Tempel Delphi, 6. Theater in Dephi, 7. Meteora I, 8. Meteora II)
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