Dienstag, 31. März 2009

Auf den Spuren von Zeus und Poseidon

Die ersten zwei Wochen in Athen sind inzwischen vergangen und leider Gottes warten wir noch immer ein wenig auf das so sehnlichst erhoffte Frühlingswetter. Die Temperaturen sind zwar sicher milder als in Deutschland, dennoch haben wir bisher überraschend viele bewölkte und verregnete Tage gehabt. Glücklicherweise wurde ich zumindest an den Wochenenden mit überwiegend schönem Wetter belohnt.
Das erste Wochenende habe ich in Istanbul verbracht und musste dafür Unmut der Griechen hier im Office über mich ergehen lassen. Die Griechen, die ja bekanntermaßen nicht gerade das engste Verhältnis mit den Türken pflegen, konnten es nun gar nicht verstehen, dass gerade erst angekommen in Griechenland ich das Land am ersten Wochenende schon wieder verlasse. Und dann auch noch ausgerechnet nach Istanbul, oder vielmehr Konstantinopel wie es ja eigentlich laut der Griechen weiterhin heißen müsste. Ich konnte die Wogen aber schnell wieder glätten, indem ich versprochen habe die weiteren Wochenenden in Griechenland zu verbringen. Viele waren dann nach meinem Trip wohl erfreut zu hören, dass Istanbul nicht meine Lieblingsstadt sei. Istanbul hat für ein Wochenende doch einige interessante Plätze, die man sehen sollte (Blaue Moschee, Hagia Sophia, Großer Bazaar, Bosporus und Topkapi Palast) und diese konnte ich auch überwiegend alle an einem Wochenende besichtigen. Dennoch hat die Stadt auf mich eher einen chaotischen und auch etwas staubigen bis schmutzigen Eindruck hinterlassen. Daher kann ich als Fazit ziehen, durchaus eine Stadt die man mal gesehen haben sollte, aber sicherlich kein Platz zum Leben.
Die darauf folgende Woche war eine sehr angenehme Woche, zumindest aus arbeitstechnischer Sicht. Denn am Mittwoch war in Griechenland ein Nationalfeiertag – sozusagen der 3. Oktober von Griechenland – und so hatten wir einen freien Tag zum relaxen. Den Dienstag abend habe ich zusammen mit Maria, dann zunächst einmal genutzt um eine wenig das Nachtleben zu erkunden. Glücklicherweise hatten wir dafür eine Ortskundige an unserer Seite, denn eine ehemalige Kollegin, mit der ich auch in China zusammengearbeitet habe, hatte gerade zuvor ihren Job bei Coke gekündigt und ist nach Athen zurückgekehrt. Da bot es sich natürlich an, dass sie uns in ihre Stadt einführt. Der Abend hat begonnen mit einem Besuch einer bei Einheimischen beliebten Taverne, wo wir allerlei griechische Köstlichkeiten verzehrt haben und auch das erste Mal Kontakt mit einem typischen, lokalen Getränk aufgenommen haben. Nein… nicht Ouzo oder Metaxa, wie jetzt der Ein oder Andere meinen mag, sondern warmer Raki mit Honig. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach 2 oder 3 Kurzen davon, schmeckt das Teufelszeug einfach köstlich. Daher ging es anschließend schon gut angeheitert weiter in die Barszene von Athen, wo wir bis 4 Uhr weiterhin ausgiebigst gefeiert haben.
Am nächsten Tag konnte man ja zum Glück ausschlafen, was ich auch gemacht habe. Trotzdem wollte man aber nicht den ganzen Tag verpennen und so hat sich der gesamte Trupp (Maria, Julie mit Frau und meine Wenigkeit) um 12 Uhr mittags auf den Weg gemacht ans Meer zu fahren. Der erste Stopp war Vouliagmeni, ein kleiner Küstenort nur etwa 20km von Athen entfernt, wo wir in einem netten Cafe einen langen Kaffee mit Blick auf das Meer zu uns genommen haben. Da das Wetter zwar sehr sonnig aber auch sehr stürmig war, haben wir uns anschließend wieder ins Auto begeben und sind der Küstenstrasse bis zum ca. 70km entfernten Kap Sounion gefolgt. Die Fahrt über kleine kurvige Landstrassen dorthin hat zwar ein wenig gedauert, aber die wunderschöne Landschaft und der stetige Anblick des Meeres hat die ganze Fahrt eher kurz wirken lassen. Am Kap angekommen bot sich uns dann der Anblick des Tempels des Poseidons, der als Heiligtum des Meeresgottes gilt und auf einem ins Ägäische Meer steil abfallenden Felsplateau steht. Auf der Rückfahrt haben wir noch in einem kleinen Fischerort Halt gemacht und frischen gegrillten Fisch gegessen. Der Tag war dann leider auch wieder relativ schnell vergangen, aber durchweg gelungen.
Am zweiten Wochenende sind wir zusammen mit dem Auto aufgebrochen. Denn neben der vielfältigen Inselwelt, die Griechenland aufweisen kann – und die wir an den weiteren Wochenenden auch noch erkunden werden – gibt es auch auf dem griechischen Festland zahlreiche interessante Orte zu entdecken. Zwei davon sind Delphi und Meteora, welche unser Ziel für das zurückliegende Wochenende waren. Freitag nach der Arbeit ging es los in Richtung Delphi was etwa 2 Autostunden von Athen entfernt liegt. Übernachtet haben wir jedoch in Arachova, was nur ca. 10km von Delphi entfernt liegt und gleichzeitig Griechenlands größtes Skigebiet ist. Ich war zwar ein wenig überrascht, dass es in Griechenland überhaupt Schnee und Skigebiete gibt, aber der Ort besaß wirklich einen zauberhaften Charme. Ist vermutlich das St. Moritz von Griechenland, wenn auch nicht wirklich vergleichbar, denn im Ganzen verfügt das Skigebiet lediglich über 5 Lifte. Auch hier haben wir ein weiteres köstliches Dinner in einer griechischen Taverne zu uns genommen und auch wieder Bekanntschaft mit dem warmen Honig-Raki (genannt: Rakomolo) gemacht. Dummerweise hat der Besitzer der Taverne früher einmal 10 Jahre in Berlin gelebt und war scheinbar so froh über unseren Besuch in seiner schmucken Taverne, dass er uns nach der Bestellung der ersten Karaffe Raki, zwei weitere Karaffen auf Kosten des Hauses ausgegeben hat. Davon merklich angeschlagen, sind wir anschließend zurück in unser Hotel gewankt um am nächsten Morgen fit für Delphi zu sein.
Um 11 Uhr ging es Samstag morgen dann auch los und schon nach kurzer Fahrt haben wir Delphi erreicht. Delphi gilt in der griechischen Mythologie als der Mittelpunkt der Erde und ist insbesondere für sein Orakel bekannt, dass in der damaligen Zeit (8. Jahrhundert v. Chr. bis 191 v. Chr.) bedeutende Prophezeiungen für die Zukunft abgab. Delphi verfügt über zahlreiche archäologische Stätten und der Besuch nimmt schnell mehrere Stunden in Anspruch. Am eindruckvollsten war für mich jedoch die Natur die es umgibt. Delphi ist umringt von steil aufsteigenden Bergmassiven, und liegt zur jetzigen Frühlingszeit inmitten saftig grüner Wiesen mit tausenden gelb blühenden Blumen und zahllosen Zypressen. Einfach herrlich! Am Nachmittag ging es dann weiter, denn vor uns lag noch eine etwa dreistündige Fahrt in das nördlich gelegene Meteora.
Und obwohl mich Delphi am Vortag bereits begeistert hat, konnte Meteora noch eine Schippe drauflegen. Bei Meteroa, dass den meisten eher unbekannt sein dürfte, handelt es sich um Klöster, die im 14.Jahrhundert von Mönchen auf die Spitzen von Felsplateaus gebaut wurden und in der damaligen Zeit als Zufluchtsort vor fremden Eroberern dienten, um die griechische Kultur weiterzuleben. Der Ort ist sicherlich einzigartig auf der Welt und beeindruckt einen enorm. Beim Anblick der Klöster stellt einem sich immer wieder die Frage, wie es die ersten Siedler damals bewerkstelligten die Felsspitzen zu erreichen, Baumaterialien hochzubringen und dort Klöster zu errichten. Insgesamt sind von damals 23 bestehenden Klöstern nur noch 6 Klöster erhalten, von denen wir 4 besichtigt haben. Der Zugang bzw. Aufstieg war zwar teilweise recht mühsam, aber jeden Tropfen Schweiß wert. Und obwohl die Rückfahrt nach Athen später mehr als 5 Stunden dauerte und ich die gesamte Zeit am Steuer saß (die Mädels fühlen sich in Griechenland, bei den vorherrschenden Verkehrsverhältnissen nicht so wohl am Steuer), habe ich den Trip nach Meteora keine Minute bereut.


(Bilder: 1. Blaue Moschee Istanbul, 2. Maria, Maria & Ich im Nachtleben von Athen, 3. Poseidon Tempel Sounion, 4. Arachova, 5. Apollon-Tempel Delphi, 6. Theater in Dephi, 7. Meteora I, 8. Meteora II)

Samstag, 14. März 2009

Erste Schritte auf afrikanischem Boden

Swaziland, das war für die vergangene Woche mein zu Hause. Ich muss zugeben, bevor ich bei Coke angefangen habe, war mir das Land mehr oder minder unbekannt. Ich hatte den Namen zwar zuvor schon mal gehört, doch bis auf die Tatsache, dass es in Afrika liegt wusste ich herzlich wenig über das kleine Königreich. Gleichzeitig war mein Besuch in Swaziland überhaupt das erste Mal, dass ich einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt habe. Wer mir vor zwei Jahren gesagt hätte, dass mich mein allererster Trip nach Afrika nach Swaziland führen würde, dem hätte ich vermutlich den Vogel gezeigt. Aber nun war ich halt dort angekommen. Der Flug dorthin war recht mühsam, denn es erforderte zwei Transfers. Zunächst ging es von Berlin nach Frankfurt, von dort nach Johannesburg und letztendlich weiter nach Manzini in Swaziland. Mit Aufenthaltszeiten an den Flughäfen hat der ganze Spaß damit 18 Stunden gedauert. Der Flug von Südafrika nach Swaziland hat jedoch nur 40 Minuten gedauert und schon beim Anblick des Flughafens wurde einem die Größe des Landes erstmals bewusst, denn er ist von der Größe vermutlich noch kleiner als der Neusser Bahnhof. Ich habe zwar Flughäfen ähnlicher Größe bereits zuvor in Indien oder auf den Philippinen gesehen, doch in Swaziland spreche ich vom einzigen Flughafen des Landes und er trägt den Namen Matsapha International Airport. Da erwartet man doch ein klein wenig mehr. Die nächste Überraschung habe ich dann beim Öffnen / Auspacken meines Koffers im Hotel erlebt. Denn nicht all meine Habseligkeiten haben ihren Weg nach Swaziland gefunden. Das kleine Kofferschloss war nicht mehr vorhanden und auch zwei Polo-Shirts sowie zwei Parfums waren verschwunden. Die mehr als 2stündige Aufenthaltszeit am Flughafen von Johannesburg hat sich damit wohl jemand zu Nutze gemacht und mal einen Blick in meinen Koffer geworfen und das ein oder Andere brauchbare entwendet. Nun gut Afrika ist halt nicht Europa und solche Dinge passieren. Nach mehr als einem Jahr auf der Piste und nahezu 100 Flügen ist das verglichen mit Geschichten anderer Kollegen, die teilweise schon ganze Koffer verloren haben, noch recht harmlos. Ärgerlich ist es aber natürlich trotzdem.
Swaziland ist das die einzige noch bestehende absolute Monarchie in Afrika und der König ist insbesondere dafür bekannt, dass er dreizehn Ehefrauen hat. Swaziland war an und für sich ganz nett und überraschend grün. Zur jetzigen Jahrszeit herrscht noch die Regenzeit vor und dementsprechend erstrahlt das Land in sattem grün. Dummerweise war daher die Woche über, das Wetter immer recht bewölkt und es hat des Häufigeren auch geregnet. Trotzdem waren die Temperaturen bei um die 20 Grad sehr angenehm. Darüber hinaus wurde ich die ganze Woche über äußerst herzlich empfangen, sowohl von den einheimischen Mitarbeitern als auch von meinem Hauptansprechpartner, dem Finance Manager, der aus Irland stammt und den man nach Swaziland entsandt hat. Da ich nun ganz allein nach Swaziland gereist bin hat mich Patrick, der zuvor erwähnte Ire am Sonntag im Hotel abgeholt und hat mir ein wenig die Umgebung gezeigt. Das fand ich unheimlich nett, denn man erlebt es nicht alle Tage, dass sich sonntags jemand aus dem lokalen Office die Zeit nimmt und sich um einen kümmert. Vielleicht war er auch einfach nur froh, mal zu einem Nicht-Afrikaner sprechen zu können. Ein Stop unserer kurzen Tour führte zu einer Kerzenfabrik, denn das ist eines der wenige Dinge für die Swaziland bekannt ist und ein sehr beliebtes Mitbringsel. Nun gut, die Fabrik wie sie dort genannt wird entspricht eher einer größeren Garage in der ein paar Jungs die vielfältigen und bunten Kerzen erstellen, aber es war dennoch recht interessant und ein kleines Souvenir habe auch ich mir dann natürlich auch erworben. Zudem hat mir Patrick noch eine Kerze geschenkt, denn das sei laut ihm so Tradition, dass er jedem Besucher eine Kerze mit auf die Reise gibt. Daher war ich nun Besitzer von zwei Swazi-Kerzen und meine Souvenir Kiste sollte sich in der Woche noch weiter füllen, denn man findet darüber hinaus in Swaziland unheimlich schöne Handwerkskunst aus afrikanischem Holz und Stein. Anschließend hat er mich dann noch zu sich nach Hause eingeladen und ich habe einen entspannten Nachmittag bei einem köstlichem Barbecue mit ihm, seiner Frau und seinen drei Kindern verbracht. Und ich kann nur sagen, das Beef in Swaziland ist eine wahre Gaumenfreude und in nur einer Woche habe ich zwei weitere Male zu einem der großen, saftigen Steaks gegriffen. Wo sonst bekommt man ein köstliches 300g Rinderfilet, mit Beilagen für umgerechnet 10US-Dollar. An meinem letzten Tag im Office hat man mich abends dann noch zu einem gemeinsamen Dinner eingeladen, zu dem nahezu das ganze Finance Team erschienen ist. Und obwohl ich lediglich eine Woche vor Ort war, hatte man zeitweise das Gefühl das Team verabschiedet sich von einem langjährigen Kollegen. Das zeigte mir einmal mehr die unheimliche Herzlichkeit der Menschen dort.

Heute Morgen bin ich dann in Kairo angekommen. Denn auf meinem Weg nach Athen, wo am Montag mein erster Arbeitstag beginnt habe ich mich entschlossen, noch einen Zwischenstop in Ägypten einzulegen. Mein Weiterflug nach Athen geht zwar bereits morgen um 14 Uhr, doch so hatte ich zumindest den gesamten heutigen Samstag um mir die Höhepunkte Kairos bzw. Gizehs anzuschauen. Und das sind natürlich die Pyramiden, sowie die Sphinx. Gelandet bin ich heute morgen um 5.30 Uhr, im Hotel angekommen gegen 6.30 Uhr, mein Zimmer bezogen um 7.00 Uhr und um 8.00 Uhr habe ich bereits mit meinem redseligen Fahrer Ibrahim die Erkundungstour zu den Pyramiden aufgenommen. Im Anschluss an Pyramiden und Sphinx ging es noch ins Ägyptische Museum, wo die mumifizierten Körper einiger Pharaonen, sowie zahlreiche Gegenstände aus dem Grab des Tutanchamuns ausgestellt sind. Als ich heute Nachmittag zurück im Hotel war, fühlte ich mich nach dem langen Flug und dem anschließenden 6stündigen Trip zwar tierisch müde, aber der Anblick der beeindruckenden Pyramiden hat mich für die Strapazen entschädigt.
(Bilder: 1. Flughafen von Swaziland, 2. Landschaft in Swaziland, 3. Pyramiden von Gizeh I, 4. Pyramiden von Gizeh II)

Montag, 9. März 2009

Kurzeinsatz auf der grünen Insel

Inzwischen sind knapp drei weitere Wochen vergangen und ich bin um 2 weitere Länder auf meiner Liste bereister Destinationen reicher. Vor etwas mehr als zwei Wochen, bin ich erstmals in Irland gewesen, genauer gesagt in Dublin, wo ich zusammen mit Janu meiner brasilianischen Kollegin ein einwöchiges Training für die Mitarbeiter der dortigen Coke-Niederlassung abhalten durfte. Wider Erwarten war das Wetter gar nicht so schlecht und die Temperaturen waren wesentlich milder als zuvor in Berlin. Und auch dem Ruf, dass es in Irland ständig regnet wurde Dublin nicht gerecht. Nachdem ich Freitag abend in Dublin angekommen bin und zunächst einmal einen ruhigen Abend im Hotel verbracht hatte, ging es Samstags daran die Stadt zu erkunden. Dublin ist jedoch recht überschaubar und anders als in Städten wie z.B. Paris oder London, sind die wenigen Sehenswürdigkeiten recht schnell abgeklappert. Daher war mein Stadtrundgang mit den wesentlichen Highlights auch bereits gegen 16 Uhr beendet und ich konnte noch ein wenig im Hotelzimmer entspannen, bevor es abends wieder raus auf die Piste ging. Denn für den Abend hatte ich mich mit Janu, die den Tag (wie immer) lieber mit Shoppen verbracht hatte, zum Abendessen und einer Erkundung der Irish Pubs verabredet. Der Abend war auch recht lustig, die Pubs jedoch recht überfüllt, denn die Iren sind einmal mehr ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgegangen: dem Trinken. Unser Hotel lag glücklicherweise nur einen Katzensprung von der bekanntesten Trinkmeile, der „Temple Bar“ entfernt und so haben wir den Gang zum allabendlichen, irischen Hobby noch zwei weitere Male in der Woche auf uns genommen. Ich meine wen man eine Strasse schon Temple Bar nennt, das sagt doch schon alles aus… oder hat man in Deutschland schon einmal von einer Strasse namens Tempel Kneipe gehört? Ich zumindest nicht. Vielleicht mag das auch ein Grund dafür sein, das irische Volk milde gesprochen, eher unattraktiv ist. Nun gut, Irland ist zwar nicht gerade dafür bekannt, heißblütige Frauen wie in Brasilien oder große gut gebaute Blondinen wie in Schweden zu besitzen, doch ein solches Grauen hatte ich dann doch nicht erwartet. Na ja, Schwamm drüber, nichtsdestotrotz hat Dublin an sich mir ganz gut gefallen. Am nächsten Tag haben wir uns dann in einen Bus in Richtung Nordirland gesetzt, um uns Belfast anzuschauen.


Diese Stadt hat mir hingegen gar nicht gefallen. Neben einem Rathaus und einer alten Universität, hat die Stadt nicht wirklich viel zu bieten. Der Charme der Stadt entspricht eher einer Arbeiterhochburg wie im tiefsten Ruhrpott und die Auswirkungen der jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken spiegeln sich weiterhin in der Tristesse der Stadt wieder. Dies war aber gleichzeitig auch der interessanteste Teil des Trips. Für eine kurze Fahrt von einer Kirche zur Universität, haben wir uns ein Taxi genommen und unser Taxifahrer war zur Zeit der heißen Phase des Krieges bei der Army. Nach kurzer Nachfrage unsererseits, hat er mit Freude von all den Ereignissen und Erlebnissen der damaligen Zeit erzählt. Dies so aus erster Hand geschildert zu bekommen war doch sehr interessant und zudem hat er uns noch zu einigen symbolischen Plätzen, der nordirischen Terrororganisation IRA, sowie zum heutigen Wohnviertel der IRA Anhänger gefahren. So interessant die Erzählungen auch waren, so erschütternd war es doch gleichzeitig zu hören, mit welcher Brutalität sich damals Protestanten und Katholiken gegenseitig „abgeschlachtet“ haben. Selbst der tägliche Weg zur Arbeit wurde dabei zur Gefahr fürs eigene Leben.
Am darauf folgenden Wochenende hätte es dann eigentlich zusammen mit Janu bereits weiter nach Swaziland gehen sollen, doch anders als erwartet hat sich unser Manager mit der Niederlassung vor Ort darauf geeinigt dass wir erst eine Woche später dort aufschlagen. Daher hieß es für mich nach der Woche Irland zunächst einmal wieder zurück nach Berlin, um von dort aus das Training in Swaziland vorzubereiten. Alle bereits gebuchten Flüge und Hotelreservierungen mussten also wieder storniert werden und entsprechend neue Buchungen vorgenommen werden. Nach nun inzwischen mehr als einem Jahr Leben aus dem Koffer und ständigen Flügen, bereitet einem so etwas jedoch nicht mehr allzu viele Kopfschmerzen, denn dies gehört zum Alltag. Bevor es jedoch zurück nach Berlin ging, wurde das dazwischen liegende Wochenende noch von uns dazu genutzt, eine weitere Ecke Irlands zu erkunden. Am Freitag nach der Arbeit ging es daher mit einem Mietwagen an die Westküste Irlands, wo das kleine studentische Städtchen Galway liegt und die für Irland so bekannten Steilklippen am Atlantik, die Cliffs of Moher. Dort haben wir den Samstag verbracht und ein wenig die typische, saftig-grüne Moor- und Felsenlandschaft von Irland genossen.
Am Sonntag ging es dann also zurück nach Berlin, das ich bei meiner Abreise eine Woche zuvor eigentlich nicht so schnell wiederzusehen erwartet hatte. Eine weitere Überraschung die mir in Irland mitgeteilt wurde, war das ich zudem alleine nach Swaziland reisen darf. Der Grund hierfür ist, dass Janu eine Woche zuvor einen Job bei Coca Cola in Rio de Janeiro angenommen hat und dieser bereits am 16.3. beginnt. Anders als bei uns in Deutschland, wo man meist eine mindestens dreimonatige Kündigungsfrist hat, geht das in den USA recht schnell und wer heute kündigt, kann im Grunde schon nächste Woche einen neuen Job antreten. Kündigungsfrist bzw. Kündigungsschutz in den USA? Ein Fremdwort. Und da es für Janu ein wenig stressig geworden wäre bis zum 13.3. in Swaziland zu sein und bereits drei Tage später ihre neue Tätigkeit in Rio anzutreten, hat man sich entschlossen mir die Verantwortung für das Training in Swaziland alleine zu übertragen. Tja, das hat bei mir natürlich zu ein wenig Hektik in der Vorbereitungswoche in Berlin geführt, da ich jetzt ja zwangsläufig die doppelte Arbeit leisten musste, aber auch das habe ich gut, wenn auch mit einer leichten Erkältung, überstanden.
Inzwischen befinde ich mich in Swaziland, wo ich am Samstag Nachmittag gelandet bin und lasse momentan den Abend bei angenehmen Temperaturen im Hotel in Ezulwini ausklingen. Mehr hierzu in meinem nächsten Bericht. Zum Schluss jedoch noch eine kleine Ergänzung zu meiner weiteren Einsatztätigkeit für die kommenden Wochen, da ich dies bisher komplett versäumt habe. Die erste Runde in 2009 befindet sich bereits in der letzten Woche und so beginnt schon am kommenden Montag mein nächster Einsatz, der mich für 8 Wochen nach Athen führen wird.

(Bilder: 1) St. Patrick's Cathedral, Dublin, 2) Temple Bar Street, Dublin, 3) Politische Wandbilder in Belfast, 4) Schilderwald nahe Galway, 5) Cliffs of Moher)

Mittwoch, 18. Februar 2009

Auf in das zweite Jahr

Ich habe mir mal eine längere Auszeit mit dem Schreiben gegönnt und daher sind nun schon nahezu 2 Monate seit meinem letzten Bericht vergangen. Dies mag zum Einen daran liegen, dass die vergangenen Wochen ein wenig unspannender verlaufen sind, aber auch daran dass ich zu Jahresbeginn ca. 2 Wochen krank war und mir zu dieser Zeit nicht nach Schreiben zumute war. Ein anderer Punkt der da aber auch mitspielt ist sicherlich die Faulheit, da das Schreiben doch mehr Zeit in Anspruch nimmt als man manchmal denkt. Tja, und da es jetzt über ganze 8 Wochen zu berichten gilt, werde ich mich in diesem ersten Bericht des Jahres 2009 ein wenig kürzer fassen müssen.
Nachdem ich den mehr als 12stündigen Flug von Shanghai nach Frankfurt im Dezember mehr oder minder gut überstanden hatte, ging es zunächst einmal zu meinen Grosseltern in die Pfalz. Da mein Großvater im September vergangenen Jahres verstorben ist und ich an der Beerdigung aufgrund meines Einsatzes auf den Philippinen nicht teilnehmen konnte, war es mir wichtig meiner Großmutter einen Besuch abzustatten und auf den Friedhof, zum Grab meines Großvaters zu gehen. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Neuss, wo ich Weihnachten verbracht habe. Weihnachten wurde wie immer traditionell mit der Familie und Freunden gefeiert. Zum Frühschoppen mit den Freunden in den Drusushof und abends dann gemütlich mit meinen Eltern und meinem Bruder bei gutem Essen und Geschenken. Kurz nach Weihnachten ging es dann aber auch schon wieder raus aus Deutschland, zwar nicht zum nächsten Projekt, aber zum Snowboarden in das österreichische Ischgl zusammen mit Dan und Collin. Und dort ist passiert womit ich wirklich nicht gerechnet habe, wir hatten herrliches Wetter. Normalerweise ist es in den Alpen um Neujahr ja eher bewölkt, es schneit viel und die Temperaturen bewegen sich weit unter dem Gefrierpunkt. Kalt war es zwar auch, doch entgegen unserer Erwartungen hatten wir eine Woche lang wolkenlosen Himmel und Sonne satt. Und so wurde es auch ein rundum gelungener Urlaub der alles zu bieten hatte: Herrliche Pisten, noch herrlicheres Wetter und ausgiebige Apres-Ski Partys mit viel Spaß und viel (vielleicht sogar manchmal zuviel) Bier. Nach meiner Rückkehr am Samstag den 03.01. sollte ich dann montags auch gleich nach Berlin fliegen, um mich bei der amerikanischen Botschaft um ein spezielles Arbeitsvisum für die USA zu kümmern. Dies sollte ich beantragen um ein Sonderprojekt in Atlanta von der Zeit vom 26.01. bis 20.02. zu absolvieren. Leider war das Wetter diesmal nicht auf meiner Seite, denn aufgrund starken Schneefalls war der Düsseldorfer Flughafen für etliche Stunden geschlossen. Daher konnte ich meinen vorher vereinbarten, fixen Termin bei der Botschaft nicht wahrnehmen und mein Visum hatte sich zunächst einmal erübrigt. Nichtsdestotrotz ging es in der gleichen Woche noch nach Atlanta, wo im Januar jedes Jahr unsere 2wöchige Konferenz stattfindet, mit jeder Menge Trainings und normalerweise viel Spaß mit allen Kollegen. Vorher habe ich jedoch noch 3 Tage Miami bzw. Palm Beach eingelegt, da ich einen sehr günstigen Flug von Düsseldorf nach Atlanta über Miami ergattern konnte. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und habe noch kurz drei Tage die Sonne von Florida genossen, bevor es nach Atlanta ging, welches im Winter auch eher kalt ist. Die Konferenz konnte ich dieses Jahr jedoch nicht genießen, da ich schon am zweiten Tag Fieber bekam. Üblicherweise hält sich Fieber ja nur ein paar Tage, bei mir dauerte es jedoch beinahe 14 Tage bis ich das Fieber wieder losbekommen habe. Der Betriebsarzt von Coca-Cola hat mich dann vorsichtshalber auch noch in eine spezielle Reiseklinik überwiesen, um auszuschließen, dass es Malaria oder eine andere tropische Krankheit ist. Die Befürchtung kam auf, da ich die letzten vier Monate in 2008 in Asien/Südostasien verbracht habe, glücklicherweise waren jedoch sämtliche Tests negativ. Der Grund warum das Fieber sich letztendlich so lange gehalten hat, konnte mir kein Arzt nennen und der Spaß an der Konferenz war mir damit natürlich übelst vermiest worden. Nach der Konferenz ging es dann für mich zunächst einmal nach Berlin, wo ich mich derzeit auch noch befinde. Nachdem ich das Visum für die USA nicht vor meiner Einreise in die USA erhalten konnte, musste ich das Land wieder verlassen und so hat man sich in Atlanta entschlossen mich nach Berlin zu senden, von wo aus ich für das Projekt arbeiten kann. Das Projekt erfordert nicht zwingend meine Anwesenheit in Atlanta, sodass ich die ersten vier Wochen des Projekts in Berlin bin. Nach diesen vier Wochen hätte ich sowieso Atlanta verlassen und nach Europa reisen müssen, da das Projekt eine Woche in Irland und anschließend zwei Wochen in Swaziland erfordert. Daher hat es sich angeboten mich vorzeitig nach Berlin zu schicken und ich reise dann von hier aus nach Dublin. Meine vergangenen drei Wochenenden habe ich in Prag, Hamburg und zu Hause in Neuss verbracht und waren eher unspektakulär. Alle drei Wochen waren eher von eisigem Wetter, einmal mit Schneefall in Prag und ein anderes Mal mit Regen in Hamburg, geprägt und haben daher nicht zu ausgiebigen Stadtbummeln oder anderen Aktivitäten an der frischen Luft eingeladen. Prag ist in meinen Augen zwar wunderschön, aber es war wohl einfach die falsche Jahreszeit, um das Flair der Stadt so richtig wahrzunehmen. Und auch in Berlin ist es momentan wieder unangenehm kalt und die letzten drei Tage hat es immer mal wieder geschneit. Aber in zwei Tagen ist meine Zeit in Berlin auch schon wieder gezählt und es geht weiter nach Dublin. Dort rechne ich zwar ebenfalls nicht mit besserem Wetter, zumal Irland für seine reichen Regenfälle bekannt ist, aber auch dort verbringe ich ja lediglich eine weitere Woche. Und danach geht es in das kleine Königreich Swaziland, wo die Temperaturen wohl deutlich höher liegen werden und auch der Himmel doch hoffentlich in blauen Farben erstrahlen wird, anstelle des trüben Graus das derzeit in Berlin vorherrscht.

(Bilder: 1) Ischgl I, 2) Ischgl II, 3) Everglades National Park, Florida, 4) Berlin im Schnee)

Freitag, 19. Dezember 2008

Mein letzter Arbeitstag in China

Es ist Freitag und damit gleichzeitig mein letzter Arbeitstag in 2008. Es liegen 8 Wochen China hinter mir und die Eindrücke die ich hier in den vergangenen Wochen gesammelt habe sind sehr vielfältig. Da gibt es viele positive und neue Eindrücke, aber auch negative Eindrücke, an die man sich als Europäer nur schwer gewöhnen kann. Fangen wir einmal mit den eher nicht so schönen Dingen an. Das ist sicherlich das Verhalten und die Angewohnheiten der Menschen hier, bei denen man manchmal das Gefühl hat man befände sich wieder in der Steinzeit. Ich denke die Chinesen sind wirklich das unzivilisierteste Volk, dem ich bisher begegnet bin. Da wird was das Zeug hält geschmatzt, gerülpst, gefurzt und gespuckt und keinen scheint es zu stören. Dies gehört hier zum Alltag einfach dazu, ist aber sicher nicht jedermanns Sache. Ein anderes beliebtes Hobby ist das Rempeln und Drängeln. Bei der Fortbewegung zu Fuß wird man gerne mal angerempelt, aber das juckt keinen und sich dafür zu entschuldigen ist einfach unvorstellbar. Auch das Drängeln an Eingängen, in der U-Bahn oder wo auch immer wird als Volkssport betrieben. Immer wieder gerne beobachtet wurde dies beim Einstieg ins Flugzeug, wenn von allen Seiten Menschen heraneilen, um möglichst als Erster das Flugzeug zu betreten. Es könnte ja passieren, dass man seinen Platz schon besetzt vorfindet und man wie bei der „Reise nach Jerusalem“ leer ausgeht und den Flieger wieder verlassen muss. Und während man dann gerade sein Handgepäck in den Fächern über dem Sitz verstaut, drängen sich drei Chinesen irgendwie hinter einem durch. Die Kotztüte im Flugzeug wird auch schon mal gerne benutzt, nicht aber etwa weil sich jemand übergeben muss… nein, sie wird kurzerhand zur Spucktüte umfunktioniert. Und derjenige dem die Erfindung dieser Tüte entgangen ist, spuckt dann eben auf den Boden im Flugzeug, was auch schon erlebt wurde (kein Scherz!). Und das ist, so muss ich sagen auch wirklich das woran man sich am wenigsten gewöhnen kann, das Spucken. Es ist ganz gleich von wem man spricht. Ob der Bauarbeiter, der Manager im schwarzen Anzug, die 80jährige Oma mit ihren Einkaufstüten, das 10 jährige Schulmädchen, der Polizist an der Ecke oder der buddhistische Mönch, es wird mit aller Herzenslust gespuckt. Es wäre zwar unfair zu sagen, dass es 100% der Bevölkerung machen, aber der Großteil des Landes widmet sich gerne dieser Freizeitbeschäftigung. Und das Spucken wird nicht etwa dezent vorgenommen… nein, man muss es nach einem ganz speziellen Ritual zelebrieren. Da wird zunächst mit einem langen, lauten Geräusch a la „krrrrrchhhhh“ das Spuckobjekt aus den Tiefen des Rachens hervorgeholt und dann mit Schwung auf den Bürgersteig gepfeffert. Wirklich delikat! :-( Auch nicht wirklich angenehm, sind die Gerüche die einem überall in die Nase steigen. An jeder Ecke kann es einem passieren, das plötzlich dieser seltsame fiese Geruch in der Luft liegt. Es ist für mich schwer zu definieren, wonach es riecht, aber es ist auf jeden Fall nicht angenehm und dieses Phänomen tritt bevorzugt in Ecken auf, wo Essen zubereitet wird.
Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Thema, das ich nicht als negativ bezeichnen würde, aber doch als gewöhnungsbedürftig: die Essgewohnheiten. Es ist ja bekannt, dass die Chinesen recht ungewohnte Dinge verzehren, aber was ich hier alles gesehen (und gerochen) habe ist doch schwer begreifbar, wie ein Mensch diese Dinge ernsthaft gerne zu sich nimmt. Es wird wirklich alles was sich bewegt verzehrt, gleichgültig ob es sich zu Lande, zu Wasser oder in der Luft bewegt. Ob Insekten, Reptilien, seltsame Meeresfrüchte oder auch Wurzeln, der Chinese weiß aus allem ein Gericht zu zaubern. Leider hat das Sprichwort „Das Auge isst mit“ seinen Weg noch nicht nach China gefunden und viele Dinge sehen auch abstoßend aus. Zudem kommt dass wirklich alles von dem erlegten Tier verarbeitet wird und nicht etwa wie bei uns, nur Dinge wie z.B. Hüfte, Brust oder Bein. Da landen das Herz, der Kopf, die Füße, das Gehirn oder die Augen auf dem Teller und selbst das Geschlechtsteil des ein oder anderen Tieres wird verwertet und teuer verkauft, da es als Aphrodisiakum gilt. Nichtsdestotrotz bin ich ja recht experimentierfreudig und habe mich nicht davon abhalten lassen, das Ein oder Andere zu probieren. Das Exotischste darunter war vermutlich Schildkröte, frittierte Würmer und frittierte Bienenlarven. Nicht alles was ich probiert habe war wirklich köstlich und ein schönes saftiges Rindersteak würde ich nach wie vor den meisten Dingen vorziehen, aber so kann man mir später wenigstens nicht vorwerfen, ich hätte es nicht einmal probiert. Für mich wichtig zu betonen ist noch, dass das Chinarestaurant zu Hause in Deutschland um die Ecke, wirklich nichts, aber auch gar nichts mit dem Essen in China zu tun hat. Ich weiß nicht wo die Chinesen, die in Deutschland ein Restaurant betreiben herkommen, oder ob sie eigens für den europäischen Markt gezüchtet werden, aber ich habe zumindest hier in China Gerichte wie Chop Suey oder ähnliches wie man sie aus Deutschland kennt, hier nicht vorgefunden. Ich möchte hier jetzt nicht den Eindruck hinterlassen das Essen in China sei nicht gut, denn ich habe wirklich viele leckere Gerichte gefunden und habe es mir durchaus schmecken lassen. Man sollte es aus meiner Sicht vielleicht lediglich bei etwas klassischeren Gerichten belassen, mit Reis oder gebratenen Nudeln, einer Nudelsuppe oder Rind, Schwein und Huhn.
Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass all diese Erlebnisse zwar grundsätzlich auch in Shanghai zum Alltag gehören, ich dies aber noch viel intensiver erlebt habe innerhalb meiner 6 Wochen in Kunming im Süden Chinas. Generell möchte ich sagen, man sollte nicht meinen, wenn man einmal in Shanghai gewesen ist, man habe China gesehen und erlebt. Aufgrund meiner Erfahrungen sowohl in Shanghai, als auch in vielen anderen Teilen des Landes (insbesondere im Süden) muss ich sagen, dass Shanghai, die moderne, aufstrebende Megametropole so wenig gemein hat mit dem Rest von China, wie der Ballermann-Abschnitt auf Mallorca mit Spanien.
Neben den geschilderten Dingen, die jetzt vielleicht eher ein wenig abschreckend wirken, habe ich aber auch unheimlich viele positive Erfahrungen sammeln dürfen. Das Land in seinem gesamten Ausmaße ist so vielfältig und interessant und hat mich immer wieder auch beeindruckt. Es leben unheimlich viele Minderheiten in China, speziell im Süden in Yunnan, wo ich 6 Wochen verbracht habe und die traditionelle Kultur der Menschen ist unheimlich interessant, wenn doch auch so fremd. Als Europäer in China, wird man mal abgesehen von Shanghai, Peking und den anderen touristischen Hauptattraktionen, doch immer noch angesehen, als käme man von einem anderen Stern. Wenn man dann aber mal auf die Menschen zugeht, wird man überwiegend doch sehr freundlich empfangen. Es ist zwar nicht immer leicht mit den Leuten zu kommunizieren, da kaum jemand Englisch spricht, aber irgendwie funktioniert es auch ohne Worte. Manchmal sogar besser als in Europa, wenn man sich mit den Menschen verständigen kann. Oder wer hat es schon mal erlebt, dass man z.B. in einer Bar nach einmal Anstoßen mit einer Gruppe von Leuten, die einem vollkommen fremd sind, anschließend an deren Tisch eingeladen wird und fortan für den Rest des Abends Reiswein, Bier und Schnaps nur noch auf deren Kosten trinkt. Darüber hinaus bin ich in den Genuss gekommen, 3 verschiedene traditionelle Shows/Aufführungen zu sehen, mit vielen traditionellen Kostümen, Tänzen und Gesängen und war positiv überrascht, wie gut diese waren.
Alles in allem muss ich als Fazit ziehen, das Land mit all seinen Lebensgewohnheiten war sicherlich das fremdeste, das ich in diesem Jahr erlebt habe, aber sicherlich auch eines der spannendsten und vielfältigsten Länder und ich halte es in guter Erinnerung.